mal sehen


Urlaub am Meer
Mai 11, 2012, 2:37 vormittags
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Aloha Leute! Heuer habe ich mir, nach harter Arbeit, 5 Tage Urlaub gegönnt. Am Montag gings los. Mein spontaner Entschluss eine Freundin zu besuchen wurde verstärkt durch den Umstand, dass ich, mittlerweile nur noch mit den Öffentlichen unterwegs, für ein paar Tage das Auto eines Freundes “bewachen” musste. Audi, mehr sag ich nicht… Born 2 be wild, man – wild!

Meine Spritztour in die Unabhängigkeit führte mich hinab ins schöne Allgäu. Ich ließ das Navi aus, notierte mir im Voraus nur die wichtigsten Städte, vergaß natürlich meine Notizen, kämpfte mit der Alarmanlage, verlor beinahe; wunderte mich über das Piepsen beim Rückwärtsfahren, verfuhr mich nur zwei mal um insgesamt 2 Kilometer – jawoll – und genoss meinen Trip über die kurvenreiche Schwäbische Alb, die zwischen mir und dem Allgäu liegt, wie Monika Lewinsky in der Präsidentensuite. Musikalisch untermalt von den Beastie Boys (Album: Check Your Head).

Wir vebrachten einen schönen Abend, an dem wir unser Wiedersehen gebührend feierten. Meine Gastgeberin gehört zu den Frauen mit Charakter, den man nicht versteht, ihn nicht verstehen kann, aber auch gar nicht muss. Man muss nur verstehen, dass sie verstanden werden will und dabei legt sie viel Selbstverständnis an den Tag. Da auch ich zu diesen Menschen gehöre, plauderten wir fast nur über uns und erhielten dadurch sehr intime Einsichten. Ich würde es als eines dieser Gespräche bezeichnen, die man als konstruktiv im Gedächtnis behält. Wären da nicht zwei Flaschen Prosecco, ein Sekt und ein Wein gewesen… Spaß hat es mit Sicherheit gemacht!

Am nächsten Tag verabschiedete sie mich mit dem Tip, den Trip zum Bodensee zu vergolden. Keinen Gedanken verschwendet, brauste ich mit 200 Sachen auf der Autobahn in Richtung Lindau. Lindau liegt in Deutschland und direkt im Anschluss an Bregenz und Bregenz liegt in Österreich. Und beide liegen am östlichen Bodensee. In Lindau angelangt, schlenderte ich zuerst in die Innenstadt und redete ein paar Fremde an, indem ich mir Auskunft über die nächste Bank verschaffte. Ein Audi auf 200 verbraucht viel Sprit.

Dann ging ich ans Bodenseeufer und ließ mich darnieder. Ich zelebrierte meinen Aufenthalt durch das Bewusstsein, Urlaub zu haben. Und natürlich wegen dem See. Ich liebe Wasser. Dazu muss es in größeren Dimensionen vorhanden sein, weshalb mich ein Glas Sprudel nicht umhaut. Aber wenn es bis zum Horizont reicht, wenn es Wellen macht und wenn die Möven am Ufer chillen, dann geht mir einer ab wie Lutzi. Von Zeit zu Zeit brauche ich das. Es weckt das Kind in mir, welches viel zu oft erwachsen sein muss.

Ich saß also am Ufer, rief meiner Mom an und hielt das Telefon zur rauschenden Brandung. An diesem Tag ließ die Brandung so sehr zu wünschen übrig, dass die Frau Mama absolut keinen Dunst hatte, wo ich da war. Überraschungseffekt dahin, aber was soll’s. Ihr Neid über meinen Aufenthaltsort war auf jeden Fall rießig. Danach verbrachte ich noch beinahe zwei Stunden am Wasser. Ich schloss die Augen und hörte das sanfte Pflätschern der Wellen auf den Ufersteinen. Ich roch den Duft von Fischgrund und stellte mir vor, ich wäre am Meer. Absolute Freiheit. Der ich und der Ozean.

Dann bestieg ich mein Stahlgeschoss und fuhr zurück nach Hause. Kaum war ich zuhause, fing der warme Sommerregen an. Das nenne ich Glück, weil Autofahren ohne offene Fenster wie Aufzugfahren ist. Oder Flugzeug fliegen. Trockene Gebläßeluft gegen den frischen Fahrtwind, der meine Halbglatze durcheinander wirbelt wie Heavy Metal. Get your Motor runnin’!

Zuhause setzte ich meinen Urlaub fort, indem ich mit Freunden die warmen Sommerabende auf der Terrasse genoss, eine Flußkahntour startete und die Strandlatschen bei jedem Schritt über den Boden schleifen lies. Hang Loose, Dude!

Heute Nacht wollte ich ins Bett fallen und schlafen wie ein Stein, aber lautes Gebrüll brachte mich um die Nachtruhe. Einer meiner Nachbarn war wütend auf die Gesellschaft, betrunken und zum Glück trotzdem Gesprächsbereit, als ich mich in Boxershorts und T-Shirt auf ihn zubewegte.

Er wollte reden, das war klar, aber ich musste ihm ausdrücklich zu verstehen geben, dass er sein Maul zu halten hatte, bis ich mit Hosen an, wieder kam. Er hielt sich daran und die andern Nachbarn, die ihr Licht angeschaltet hatten, machten es wieder aus und gingen zurück ins Bett. Wir redeten gut eine Stunde, bis er wieder ruhig war und verstanden hatte, dass er sich im Endeffekt nur zum Affen machte. Motiv hin oder her, sternhagelvoll auf einer Party, aus dem Nichts heraus, andere Gäste zu beleidigen, ist affig.

Ich schloss meine Rede ab mit des Meisters schlauen Worten: “Furcht, Zorn, aggressive Gefühle führen auf die Dunkle Seite der Macht, Dude. Die dunkle Seite.” (Anm.: grammatikalisch verändert durch den Autor). Mein Urlaub war ein voller Erfolg! Die Kur, die ich brauchte.

Aloha und schlaft gut! Ich sicherlich…



Der Zaunkönig

Vor vielen Jahren bin ich mit einem Freund vom Skaten nach hause gegangen. Es ging einen langen Berg hoch und so konnten wir nicht rollen. Wären wir gerollt, hätten wir vermutlich nicht gehört, wie jemand leise nach Hilfe gerufen hatte. Aber da wir es hören konnten, blieben wir stehen und schauten uns um. Rechts von uns die Straße, die sich als Allee einen halben Kilometer den Berg hinaufzog. Links von uns Wohnhäuser mit großzügigen Abständen und Gärten. Auf der anderen Seite der Straße der Stadtwald.

Allerdings kamen die Rufe eindeutig von der linken Seite, so dass wir den Wald ausschlossen und uns die Häuser genauer anschauten. Zwischen zwei Grundstücken war ein ungefähr zwei Meter tiefer Graben, den wir von unserer Position nur schwer einschauen konnten. Also gingen wir dorthin und entdeckten die Quelle der Hilferufe. An der tiefsten Stelle des Grabens lag ein Mann auf dem Boden.

Der Mann steckte mit einem Bein in einer Masche des Grundstückzauns fest und konnte sich nicht befreien. Obendrein hatte er die Hosen unten. Und zwar alle! Wir stiegen leicht amüsiert zu ihm herab und begutachteten die Situation aus der Nähe. Der Mann – ein betrunkener Obdachloser – erklärte uns, dass er hier hinunter gestiegen sei, um sich zu erleichtern. Dabei sei er ausgerutscht und mit dem Fuß in den Zaun geraten. Im Liegen hat er sich dann auch erleichtert, was die Sache für uns nicht angenehmer machte.

Zu zweit schafften wir es, den Mann aus dem Zaun zu befreien. Er war unheimlich dankbar und wollte uns umarmen, was wir jedoch nicht so cool fanden und es bei einem Händedruck beließen. Als wir den Graben nach oben stiegen, kam auch schon die Polizei angefahren. Ein Anwohner, der die Hilferufe ebenfalls hörte, rief die Beamten herbei, um sich wieder beruhigt seinem Fußballspiel im Fernsehen widmen zu können.

Die Polizisten nahmen die Personalien des Obdachlosen auf und verfrachteten ihn in den Streifenwagen. Bevor sie losfuhren, erzählten sie uns noch, dass sie ihn in ein Heim bringen würden, welches ganz in der Nähe unserer Wohnungen lag. Wir fragten deshalb, ob sie uns mitnehmen könnten, was sie aber aus versicherungsrechtlichen Gründen ablehnten. Wir mussten also noch rund zwanzig Minuten gehen und ausharren, bis wir endlich unsere Hände waschen und unsere Pfadfindertat in vollen Zügen genießen konnten.



Freund und Helfer…

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir vor einigen Jahren passiert ist. Es war gut vier Uhr morgens und ich war ebenso gut mit Bier betankt. Am Ende meiner nächtlichen Tour besuchte ich noch eines dieser Lokale, die man nach vier nur noch über den Hintereingang betreten kann. Natürlich muss man dazu den Besitzer kennen, aber ich kenne eh jeden…

Mein Tunnelblick erfasste einige Gestalten, denen man besser nicht des Nachts begegnen möchte. Es waren die üblichen Alkis, Drogis und Crazys, die ich leider ebenso schon kannte. Wer Menschen liebt, scheut die heile Welt der wirklich Kranken. Aber nichts zum Thema “Heile Welt” und deren Verlogenheit, da ich ja eine andere Geschichte erzählen möchte.

Nun, ich setzte mich an die Theke, plauderte mit Cheffe und seiner Angestellten und trank mein Feierabendbier. Nachdem mich die Müdigkeit dann doch überzeugt hatte, meinen anderthalbstündigen Abmarsch anzutreten, verabschiedete ich mich und ging nach draußen.

Ich muss kurz die Lage des Lokals beschreiben: Es befindet sich auf einer kleinen Anhöhe und ist direkt über eine steile und unüberschaubare Auffahrt mit der Hauptstraße verbunden. Ein Verkehrsspiegel ist zwar angebracht, aber selten in Benutzung… Zumindest könnte man das meinen, da an dieser Stelle immer wieder kleinere Unfälle passieren.

Mit lahmen Schritten ging ich also diese Auffahrt hinunter. Der Tag war bereits angebrochen und die Vögel zwitscherten energisch um die Wette: “ich bin der Vogelkönig, twiet twiet!”, “schnauze, ich bin der Vogelkönig, twiiiiet” und so weiter. Als ich die Hauptstraße sehen konnte, bot sich mir ein Bild des Schreckens.

Ein Minivan mit Anhänger stand mitten auf der Straße, dahinter lag ein Mann auf dem Asphalt. Der Fahrer hatte eines dieser kabellosen Telefone in der Hand und redete aufgeregt hinein. Der regungslose Mann am Boden war ein stattbekannter Junky, der mich schon als Nazi, Hurensohn und was weiß ich beschimpft hat und aus Afrika stammt.

Ich scheue Unfälle, aber wenn man damit konfrontiert wird, muss man den Ekel überwinden und helfen. Also ging ich zu dem Afrikaner und schaute ihn an. Er blutete leicht an der Hand und am Kopf. Überwinde den Ekel! Ich beugte mich zu ihm runter um herauszufinden, ob er bei Bewusstsein war. Er atmete noch, aber er reagierte nicht auf mich.

Ich fürchtete das Schlimmste und da ich von Hans Meiser mit Horrorstories über innere Blutungen und Knochen- (Halswirbel-) brüchen indoktriniert wurde, wollte ich auf die Sanies warten, bevor ich womöglich noch etwas kaputt machen würde.

Derweil beendete der Fahrer sein Telefonat und kam zu mir. Er erklärte mir, dass der Afrikaner bereits auf dem Boden lag, als er mit dem Auto ankam. Wie als hätte dieser gehört, dass über ihn gesprochen wurde, stand er plötzlich kreuzfidel neben mir und hörte dem erschrockenen Fahrer aufmerksam zu. Ich denke, ich habe bei dieser positiven Überraschung genauso blöd aus der Wäsche geschaut wie der Fahrer.

Wir überredeten den Afrikaner, zu warten, bis die Polizei eintraf. Dies war nicht einfach, da er zwar deutsch sprach, aber trotzdem nicht verstand, warum der arme Fahrer total durch den Wind war. “Alles ok, alles ok! Ich geh in Stadt.”.

Währenddessen kam die Angestellte zum Feierabend die Auffahrt herunter und ließ sich von mir über alles aufklären. Sie ging nochmals zurück und holte Wasser für uns drei. Dann kam die Polizei. Die Polizei, das waren zwei Beamte mittleren Alters, kannte das vermeindliche Opfer bereits und befragte ihn zum Hergang des Geschehens. Dem Fahrer wurde versichert, dass er wegen nichts belangt werden konnte und sich keine Sorgen mehr machen musste.

Dann traten die Beamten auf mich zu. Sie erklärten mir, wo der Afrikaner seine Unterkunft hatte. Dann stiegen sie ins Auto ein und befahlen mir, den Mann gut nach Hause zu bringen. Mein Freund und Helfer fuhr einfach davon. What!? Das verstößt gegen die Regeln, meine Herren!

Der Afrikaner wollte partout nicht heim und mir war es ehrlich gesagt auch egal, da er wieder fit zu sein schien und ich derjenige war, der gerne heimwärts begleitet worden wäre. Also ging er weiter in die Stadt und ich begleitete ihn, bis sich unsere Wege trennten… Um auf dem langen Weg nicht einzuschlafen, rief ich mir immer wieder das verantwortungslose und regelwidrige Verhalten der Polizei in den Kopf. Sauerei, nicht wahr?



Tag Cloud

Neulich war ich auf einer Vernissage. So ein Treffen von In-Hippster-Hippies, die sich angeregt über Alkohol-Art unterhielten. Glücklicherweise gab es neben “Kunst” auch hiebfesten Alkohol. Nice. Wie es so meine Art ist, brauch ich im Suff Action, sonst schlaf ich ein oder mach selbst Action. Damit wollte ich die Leute nicht belästigen.

Draußen war es schon dunkel, aber eine Passantin auf dem Gehweg leuchtete so hell, dass ich nur noch Augen für sie hatte – ihre Augen, ihr Mund, ihr Hubba-Bubba platzte, “blog” – und beinahe vor einen Bus gestolpert wäre.

Im Deutsch der Vernisage-Gäste wäre der Unfall dann vielleicht eine “Erfahrung” gewesen – ganz wertungsfrei, aber immer in Erinnerung an den fatalen Fehler, den man begehen kann, wenn man einer besonderen Frau hinterherschaut.

Frauen“, sagte ein Freund einmal, “können schlechte Freunde sein.”. Bei diesem Gedanken musste ich kurz lächeln, denn da fiel mir eine Geschichte ein: Sie war das Glück meiner Jugend und aus irgendeinem Grund hielt sie beim Schulausflug ins Museum plötzlich meine Hand. In meiner Hilflosigkeit verhielt ich mich wie ein Freund. Lange ist es her, wir waren ja fast noch Kinder ohne Hintergedanken im Kopf und so wurden wir gute Freunde für’s Leben – nicht nur für die Liebe… Andere Geschichte.

Die Frau, die mir aber gerade fast das Leben genommen hatte, war mit Sicherheit keine Freundin – Devil in Disguise. Wie als hätte sie meinen beinahe Unfall genossen, zogen ihre zarten Lippen ein erregtes Lächeln hervor.

“Ja Lady, ich bin ein Mann und in erster Linie ein Mensch! Und es ist nicht cool, wenn Menschen wegen dir vom Bus überfahren werden.”. Das dachte ich mir zumindest bei meinem zögerlichen Weiterweg über die dunkle Straße.

Vor meiner Stammkneipe begegnete ich einem ehemaligen Mitarbeiter und wir rauchten noch schnell eine vor der Spelunke. Üble Spelunke. Von drinnen drang Live Musik an unsere Ohren. Also zogen wir die Zigaretten schnell runter und stürmten den Event.

Jetzt wird meine Erinnerung leider etwas lückenhaft, aber alles, was es nicht in die Top Ten geschafft hat, war sowieso nicht merkenswert. Das nenne ich Alkohol-Art!

Wir waren Backstage mit der Band und ich erzählte Gina (Bass) die Geschichte, wie ich beinahe Musiker geworden wäre. Sie erzählte auch viel und wir redeten die ganze Nacht. Um halb vier trennten sich unsere Wege und sie gab mir noch ihren Namen, ihre Nummer und ein Bier aus. Frauen können auch gute Freunde sein.

Der Morgen war im Anbruch und ich entschied mich für einen Spaziergang durch den Park. Volltrunken und happy beschloss ich, mich der Natur von meiner schönsten Seite zu zeigen – ich entblößte meinen alkoholgetränkten Körper und zog in aller Ruhe durch die Wildnis. Tarzan, der König des Urwalds, Janes Nummer im Gepäck und Cheetah im Kopf. Ua-a-a-ah!

Wie ich das Schicksal forderte, ging es mir am nächsten Tag natürlich nicht sonderlich. Und wieder einmal entging mir der Sinn an all dem Partygetue. Bin ich etwa Teil eines Systems, dass jeden Tag mit dem Tod rechnet und deshalb alles ausschöpft, bis ans absolute Limit – vor Geilheit ja sogar beinahe bis in den Verkehrsunfalltod? Wo bleibt die Vernunft!?

Von soviel gedanklicher Anstrengung überfordert, entschied ich mich für ein Video. Beim anschauen schlief ich ein und träumte ich wäre in einem Wald unter Wasser. Wie ein Fisch konnte ich durch die Bäume schwimmen, in ihnen verweilen und das saftige Moos vom Boden graßen.

Ein lautes Brummen riss mich gewaltig vom Moosboden weg, zurück in die reale Welt. Meine Türklingel! Ich rannte total benommen zur Tür und öffnete sie. “Hallo, ich bin ihre neue Nachbarin.”!

“Gina!?”, sagte ich. Es war Gina (Bass) von der Band. Hinter ihr mühte sich ein älterer Herr mit einem Bettpfosten die Treppe hoch. Sie war gerade dabei einzuziehen. Ich half ihr und ihren Eltern, die restlichen Möbel in die Wohnung zu bringen. Drei Stockwerke!

Für den Abend lud sie mich zu einem Bier ein und wir verbrachten wieder viel Zeit miteinander. Was für ein Zufall, nicht war!?

Ja so war das mit der Tag Cloud (siehe links; Stand: 20.2.2012)…



MP3-Spieler???

Vor ein paar Tagen war ich zu Gast in einem großen planetaren Elektro-Discounter, um mit einem Freund Lautsprecher für seinen PC zu kaufen.

Während er die Auswahl begutachtete, machte ich mich auf die Suche nach Abspielgeräten für MP3-Musik. Jetzt sind diese Discounter ja so rießig und verfügen über ein so breites Angebot, dass ich mir den Suchaufwand sparen und einen der kompetenten Verkaufsraummitarbeiter nach dem direkten Weg fragen wollte.

Gesagt getan ging ich zum Erstbesten hin und stellte ihn mit einem freundlichen “Entschuldigung, können Sie mir kurz sagen, wo ich MP3-Spieler finden kann” zu Rede und Antwort. Der Mann war sofort bereit dazu, mir seine Aufmerksamkeit zu schenken. Jedoch bemerkte ich schon an einem Blick in seine knopfrunden Augen, dass sich bei meiner Anfrage nur ein Vakuum in seinem Kopf bildete.

Also wiederholte ich schnell meine Frage, um peinliche Stille und eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: “Wo sind denn die MP3-Spieler?”. Weiterhin verdutzt dreinblickend wiederholte er bruchstücksweise meine Anfrage: “MP3-Spieler?”. Woraufhin ich das Niveau unserer Konversation hielt, indem ich sagte: “Ja! MP3-Spieler.” Sein Blick wurde jedoch keineswegs klarer. Seine Hände wurden feucht und sein Kopf begann, sich hilflos im Verkaufsraum zu orientieren. Ich wiederholte also nochmals das Schlagwort, in der Hoffnung, dass ihm dann die Erinnerung an diese kleinen, mysteriösen Geräte zum Abspielen von MP3-Dateien kommen würde.

Doch von Mal zu Mal schien er ahnungsloser. Was war los? Hatte ich etwa das unheimliche Glück, an einen Mitarbeiter zu geraten, der die letzten zehn Jahre verschlafen und die rasante Entwicklung auf dem Portable-Entertainment-Markt versäumt hatte? Aus reiner Selbstbescheidenheit heraus, begann ich den Fehler bei mir zu suchen. Und siehe da: Was, wenn ich das falsche Vokabular benutzt hatte? Sollte ich besser nach einem “MP3-Player” fragen?

Also tat ich, wie mir mein Zweifel befahl und wiederholte die ganze Ansage noch einmal, dieses Mal aber, mit der englischen Bezeichnung für MP3-Spieler. Und siehe da, der überforderte Mitarbeiter begann sich zu beruhigen, sammelte sich und gab mir mit gestrecktem Zeigefinger und einem typisch überheblichen Verkäufer-Lächeln die Antwort: “Da hinten, gleich neben den Videokammeras!”.

Ich lies ihm den Triumpf und begab mich zu besagter Stelle, während er sich wieder, wie als wäre nichts geschehen, der stupiden Arbeit des Regaleeinräumens widmete. So lernte ich an diesem Tag im Elektro-Fach-Discounter zwei Dinge: A) Sender und Empfänger bedürfen des gleichen Codes und 2. Englisch sprechen und verstehen sind zweierlei Dinge und last-but-not-least IV. Der Service solcher Discounter ist, wie immer, nett, allumfassend und allwissend, wenn da nur die dumme Kundschaft nicht wäre.



Heimlich, still und leise…

Als ich ungefähr sechs oder sieben Jahre alt war, hatte ich einen guten Freund, dessen Familie und er in einem winzigen, heruntergekommenen Häuschen direkt an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung wohnten. Der Vater war starker Alkoholiker, Raucher und Waffennarr. An der Wohnzimmerwand hiengen allerlei Revolver, Vorderlader, Säbel und andere Waffen. Ob die Mutter auch trank, weiß ich heute zwar nicht mehr, aber ich gehe davon aus. Sie war ruhig und zurückhaltend, aber immer sehr nett zu mir. Ich kann auch nicht mehr sagen, ob die Eltern gearbeitet hatten.

Ich wusste schon damals, dass diese Familie zu den Ärmeren gehörte und ich fühlte mich oft ein bisschen fehl am Platz, da ich mir wie ein “Großkotz” vorkam. Wobei man dazu sagen muss, dass meine alleinerziehende Mutter uns drei Kinder zu Anfang auch nur mit Sozialhilfe durchbrachte. Vielleicht war es aber allein die Liebe, die sie uns gab, die mich im Gegensatz zu dieser Familie reich erscheinen ließ.

Insgesamt waren es drei Geschwister. Die älteste Tochter, mein Freund und der kleinste, ich denke sein Name war Dennis. Alle drei lagen ungefähr ein Jahr auseinander und der Jüngste war damals ungefähr vier Jahre alt. Ein quicklebendiges Kerlchen mit großem runden Kopf, blonden Haaren und einem wirklich sehr ansteckenden Lachen.

Eines Tages war ich also bei meinem Freund und wir spielten mit den Dackelwelpen, die im Wohnzimmer gehalten wurden und deren Geruch, vermischt mit Zigarettenrauch und dem fahlen Gestank von Alkohol das ganze Haus einnahm. Es war wohl ungefähr zwei Uhr, als der Jüngste nach Hause kam. Der Vater begann sofort zu schimpfen: “Wo kommst du jetzt her?”. “Vom Kindergarten.”, antwortete der Kleine. Die Stimmung fiel plötzlich wie von Geisterhand gedrückt bis unter den Boden, obwohl niemand der sonstigen Anwesenden seine Handlungen unterbrach oder sich dem Streit zuwandte. Der Vater lies nicht locker und so stellte es sich dann heraus, dass der Kleine nach dem Kindergarten noch mit einem türkischen Freund spielen war, was dem Vater besonders übel aufstieß, “Ich habe dir gesagt, nicht mit dem Türken!”.

Als dieses Geständnis unter Tränen endlich raus und die Temperatur im Wohnzimmer und den Körpern der Anwesenden auf Minusgrade gesunken war, zog der Vater einen Bambusstock hinter dem Sofa hervor und befahl meinem Freund, mit mir in den oberen Stock zu verschwinden. Wir gingen hinauf und wandten uns anderen Dingen zu.

Von unten drangen Schreie nach oben. Schmerzen, zugeführt mit einem Bambusstock. Weinen. Gebrüll. Weitere Schreie. Mein Freund spielte weiter. Ich erinnere mich nur noch, dass ich verstört war und nicht anders reagieren konnte wie er, indem auch ich einfach unberührt weiter spielte. Ich weiß, dass wir beide nur “spielten” weiterzuspielen. Ich habe nie jemandem davon erzählt!

Viele Jahre später erfuhr ich durch Zufall, dass der Vater gestorben war. Heimlich, still und leise hat sich der dumme rassistische Sack der Verantwortung entzogen. Genauso heimlich, still und leise habe ich nach diesem Erlebnis den Kontakt zu meinem Freund abgebrochen. Es war zu viel für mich. Zu viel von dem, was mir Angst machte. Zu viel Hilflosigkeit. Zu viele Schuldgefühle. Weil ich wusste, dass es falsch war, aber nicht wusste, was ich zu tun hatte.

Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte es daheim erzählen sollen. Ich hätte es melden sollen! Es ist zu spät für eine Entschuldigung.



Mal 6 Zehen
Dezember 24, 2009, 12:42 nachmittags
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Vor etwas mehr als zehn Jahren war ich mit einem Freund im Urlaub in Frankreich. Wir schlossen schnell Kontakte zu gleichaltrigen Leuten und so lernte ich einen jungen französischen Mann kennen, der an seinem rechten Fuß sechs Zehen hatte. Zwischen dem kleinen Zeh und dem “Ringfinger”-Zeh stand noch ein Zeh hervor.

Abends, wenn wir Frauen kennen lernen wollten, saß er bei uns. Er war groß, dunkelhaarig, hatte braune Augen und war seinem Naturell entsprechend sehr charmant. Die Frauen unterhielten sich sehr gerne mit ihm und liesen sich von seiner freundlichen Art fesseln. Nachdem er so spielend leicht ihre Sympathie gewonnen hatte, zog er seine Schuhe aus. Dann die Socken. Während er das tat, redete er von einer Überraschung, von einem lustigen Ding, und strahlte über beide Wangen, wie ein kleines Kind. Die Frauen waren natürlich sehr gespannt und verfolgten seine ungewöhnliche Tat mit regem Interesse.

Aber als sie sahen, dass er am rechten Fuß sechs Zehen hatte, verflog ihre positive Neugier. Naiv präsentierte er ihnen seine Abnormalität. Und so nach und nach distanzierten sich die Frauen. Sie hatten ersichtlich große Mühe, ihren Ekel nicht zur Schau zu stellen, doch es gelang ihnen nicht. Selbst als er die Schuhe wieder an hatte, wollte sich keine Frau mehr auf ihn einlassen. Ich wunderte mich damals, wie er sich so naiv seine Chancen verbauen konnte.

Am späteren Abend redeten wir über seine sichtlich misslungene Aktion. Ich wollte ihm den Rat geben, seinen sechsten Zeh so lange geheim zu halten, bis es darum ging, nicht mit Socken zu einer Frau ins Bett zu steigen. Er schaute mich an, wie als hätte ich ihn beleidigt. Aber er war clever genug, um zu wissen, dass ich es nicht böse gemeint hatte. Da sagte er zu mir, dass sein sechster Zeh seine Insurance, seine Versicherung ist. Der sechste Zeh bewahre ihn davor, die falsche Frau kennen zu lernen.

Mal ehrlich, es ist ja nur ein kleiner Zeh zu viel. Aber leider reicht das oft aus. Heute bin ich mir sicher, dass er die Richtige getroffen hat.



Wie ich einmal einem anderen Menschen das Leben rettete.

Es liegt nun bestimmt schon knapp 13 Jahre zurück und ich hätte die ganze Sache auch schon längst vergessen, denn ich hatte damals noch keine Ahnung, welche Konsequenz mein Handeln haben würde.

Ich war gerade auf dem Weg zu einem Freund, damit wir unser regelmäßig wiederkehrendes Wochenendbesäufnis zelebrieren konnten. Meine “Durststrecke” führte mich entlang der Hauptstraße, die meinen Stadtteil mit dem nächsten verbindet. Da kam aus einer Seitenstraße ein Junge, den ich erst Wochen zuvor kennenlernte und kaum etwas von ihm wusste. Er ist ungefähr vier Jahre jünger als ich und zu dieser Zeit war der Altersunterschied zwischen uns noch prägnant. Er war mir gleich sympathisch, weil er ruhig und achtsam war, und, wie es mir damals schon erschien, nicht aus mangelndem Selbstbewusstsein heraus, sondern aus Überlegung und Respekt.

Wie es so meine Art ist, redete ich mit ihm über alles Mögliche. Ich versuchte ihn zu unterhalten. Und weil er darauf einging, standen wir eine ganze Weile an der Hauptstraße und hatten auch tiefgründigere Gespräche und natürlich viel Spaß. Dann musste ich wohl weiter und ließ ihn zurück. Wie mein restlicher Abend ausging, kann ich nur noch vermuten.

Viele Jahre später erzählte mir der Junge von damals, der wahrscheinlich schon viel früher ein Mann geworden war, als ich es damals dachte, dass er durch unser Gespräch “seinen” Bus verpasste und auch die Lust daran verlor, sich vor diesen oder überhaupt ein Fahrzeug zu werfen. Ich weiß, dass er es auf jeden Fall ernsthaft versucht hätte, sich das Leben zu nehmen. Er sagte, unsere Begegnung hätte ihn wieder aufgebaut und meine Art hätte ihm wieder Lebensfreude bereitet.

Wir wurden beste Freunde und hatten über sehr lange Zeit sehr viel Kontakt. Leider können wir diesen aus zeitlichen, örtlichen und finanziellen Gründen nicht mehr so aufrecht erhalten, aber er bleibt für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Denn er hat mir ebenso schon geholfen, den Blick wieder für die Schönheit des Lebens zu finden. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch herzlich bedanken!



Beste Freunde
Dezember 17, 2009, 10:02 vormittags
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Weißt Du, ich habe viele Freunde. Ich rede gerne mit Menschen und genieße jede gute Unterhaltung. Wenn es sich ergibt, erzähle ich Dir alles über mich. Auch das, was Du gegen mich verwenden könntest. Aber wenn Du mir näher kommen willst, musst Du mir vertrauen. Dann vertraue ich Dir auch.



Glücklicher Zu(g)fall

Dieses Wochenende war ich mal wieder mit dem Zug unterwegs durch Deutschland. Auf meiner Heimreise musste ich einmal umsteigen. Mein erster Zug hielt am Bahnhof, ich nahm meinen Koffer und betrat das Abteil. Alles voll besetzt. Also bahnte ich mir meinen Weg vorbei an den Sitzplätzen durch den engen Gang. Ich zog von Wagon zu Wagon und konnte keinen freien Sitzplatz mehr ergattern. Zumindest keinen, der in Fahrtrichtung und mit genügend Platz für mein Gepäck war. Gerade hatte ich beschlossen, mich einfach irgendwo dazwischen zu quetschen, da bemerkte ich im Augenwinkel hinter mir eine Sitzgruppe mit genügend Platz für mich und meinen Koffer. Und genau auf dieser Sitzgruppe sah ich ein mir bekanntes Gesicht sitzen.

Es war ein alter Freund aus meiner alten Heimat, den ich eigentlich nur vom Ausgehen her kannte, aber wir verstanden uns dann immer sehr gut. Er war eine Zeit lang der Barchef der größten Disko dort und lies mich immer rein, gab mir gratis Getränke und ab und zu drückte er mir auch einen Joint in die Hand. In seinen Augen war ich der Chefanimateur des Ladens, denn ich konnte bis zu acht Stunden durchtanzen, ohne dass dem Beobachter langweilig wurde. Heute arbeitet er nicht mehr in der Disko, sondern hat sich selbstständig gemacht, entwickelt Konzepte für Südkoreas Hauptstadt und arbeitet an weiteren Projekten rund um den Globus. Wir redeten über die alten Freunde, die alte Heimat, die verlorene Gesellschaft, die gewonnene Zukunft und das Leben an sich. Am nächsten Bahnhof trennten sich unsere Wege, jedoch nicht ohne Austausch der Kontaktdaten.

Ich schlenderte gut unterhalten zu meinem nächsten Zug, der bereits auf den Gleisen auf mich wartete. Der Zug war noch nicht sehr voll und bis zur Abfahrt dauerte es noch rund eine halbe Stunde. Ich entschied mich dafür auf einem der Dreierplätze in diesem “modernen” und vollkommen unpraktischen Zug Platz zu nehmen. Während der Zug noch im Bahnhof stand schloss ich meine Augen und öffnete sie nur, wenn ich neben mir Passagiere gehen hörte. Schließlich will man ja wissen, wer eventuell gegenüber Platz nimmt. Und bei besonders hübschen Frauen denkt man energisch “bitte bitte”. Durch die kurzen Augenblicke füllte sich der Zug wie in Zeitraffer.

Dann setzte sich mir gegenüber eine junge Frau auf einen der zwei noch leeren Plätze. Sie kramte ein Buch aus ihrer übergroßen Tasche und begann zu lesen. Ich schloss wieder meine Augen. Der Zug fuhr los. Nach einigen Zwischenstopps an irgendwelchen Bahnhöfen, bemerkte ich, dass der jungen Frau zwei getrocknete Kleepflanzen auf dem Schoß lagen und zu zerknittern drohten. Sie waren wohl aus dem Buch gefallen. Ich sagte: “Entschuldigung, Sie haben zwei Kleepflanzen auf ihrem Schoß”. Die junge Frau sah mich an, nahm das Buch zur Seite und hob die Kleepflanzen auf. Es waren zwei vierblättrige Kleepflanzen. Sie bedankte sich für meine Aufmerksamkeit und fragte, ob ich eine der Kleepflanzen, die sie selbst auf einer Wiese gepflückt hatte, haben wollte. Nun sollen diese vierblättrigen Kleepflanzen ja angeblich Glück bringen, auf jeden Fall aber sind sie sehr selten. Also bejahte ich ihre Frage und sie gab mir freundlicherweise eine der getrockneten Pflanzen.

Ich habe sie zu meinen sehr persönlichen Erinnerungsstücken gelegt und freue mich über das Glück, welches man nicht nur auf Wiesen, sondern auch in Zügen finden kann.




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