Einsortiert unter: Gedanken, Mal sehen | Schlagwörter: Erkenntnis, Erfahrungen, Kinder, Gespräch, Glück, lernen, Menschen, akzeptieren, Kopf, Grund, Vorstellungen, Person, Fehler, Diskussion, Thema, Unterschiede, Nase, Jahre, Erwachsene, springen, vernünftig, Schatten, philosophisch, ärgern, unterschiedlich, Glücklichsein, Gesprächspartnerin, Art und Weise, konservativ, Rahmen, besser, schlechter, klüger, dümmer, Bedürfnisschwerpunkte, gönnen, Glücksempfinden, Gute, Floskel, accept the difference, Unterschied, Befriedigung, weh, inakzeptabel, brutal, tollerieren, Chancen, Erkenntnisse, so what
Heute hatte ich mal wieder eines dieser “philosophischen” Gespräche. Noch vor wenigen Jahren habe ich mich darüber geärgert, wenn jemand solche Gespräche philosophisch genannt hätte, aber durch Diskussion zu einer Erkenntnis zu gelangen, ist wohl einfach nichts anderes. Egal, es geht ja um das Thema des Gesprächs.
Wir hatten es von Menschen, die nicht akzeptieren können, dass es Menschen gibt, die einfach unterschiedlich sind. Wenn wir mal genau hinschauen, dann können wir uns da auch an die eigene Nase fassen. Vorallem wenn es darum geht, dass andere Menschen andere Vorstellungen vom Glücklichsein haben.
In unserem Gespräch ging es darum, dass meiner Gesprächspartnerin nicht gegönnt wurde, dass sie ihr Glück auf die nicht ganz so konservative Art und Weise gefunden hat. Sie widerum konnte nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die einen konservativen Rahmen brauchen, um glücklich zu sein. Das macht keinen besser oder schlechter, klüger oder dümmer, dass zeigt lediglich, dass es unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnisschwerpunkten gibt.
Wenn wir auf jemanden wütend sind oder jemanden einfach nicht leiden können, dann fällt es uns schwer, demjenigen sein Glück zu gönnen, weil wir uns (un-)komischerweise besser fühlen, wenn es dieser Person schlecht geht. Manchmal ist es sogar so, dass wir am Glück der anderen zweifeln, obwohl es deutlich auf der Hand liegt, nur weil es nicht unserem Glücksempfinden entspricht.
Aber solange jemand glücklich ist, sollten wir das akzeptieren, da dieses Glück auch uns zu Gute kommen kann. Auch wenn man die Floskel “Accept the Difference” weit verstehen kann, so sollten wir aber nicht jeden Unterschied einfach so hinnehmen. Schließlich gibt es Menschen, die Glück, oder nennen wir es Befriedigung, dadurch erreichen, dass sie anderen Menschen weh tun. Das geht nicht. Inakzeptabel.
Und da müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen, weil jeder von uns schon einmal inakzeptabel gehandelt hat. Bei kleinen Kindern sagt man noch, sie können so brutal sein und tolleriert es. Kinder sollen ja auch noch lernen und jeder soll die gleichen Chancen bekommen, seine eigenen Erkenntnisse aus seinen eigenen Erfahrungen machen zu dürfen. Aber als Erwachsene, als “vernünftige” Erwachsene, sollten wir manchmal über unseren Schatten springen können, und anderen ihr Glück gönnen – andere als das akzeptieren, was sie sind: anders als wir selbst.
Für mich war das schon immer klar, für euch sicher auch. Wenn das mal nicht so klar ist, dann muss man es sich wieder in den Kopf rufen und akzeptieren, dass man selbst auch Fehler macht und dass andere das auch machen. Man akzeptiert andere nicht immer und man wird von anderen nicht immer akzeptiert. So what!? Kein Grund es bleiben zu lassen…
Einsortiert unter: Geschichten, Mal sehen | Schlagwörter: Abend, abknutschen, Absturzkneipe, Alkohol, Anmache, Anmachsprüche, antwort, Anwesenheit, Auffahrt, Augen, Ausgang, Auto, Öffentlichkeit, Begegnungen, begehrt, begrabschen, Bekannte, bespringen, Bewegungslust, blöd, Bob Marley, Dancefloor, Dankeschön, dissen, Dorfischen, Dreh, Drehung, Droge, Eck, Ende, Ex, fahren, Fahrt, Fan, Fasching, Frau, Freunde, Freundin, Fuß, Fummeln, Gefühl, Geschichte, gesichtsausdruck, Gespräch, Getränk, Gewissen, Glück, good old days, Hand, handgreiflich, Hüfte, Hüften, Heimatstadt, Heimweg, Hilfe, Hohlräume, Italien, Kamel, Karfreitag, Körpergröße, Kilometer, Klänge, Kneipe, Kollege, Komplimente, Kopf, Kraft, Kuss, Lage, Lautsprecher, Licht, Location, Mädels, männlich, Menschen, Mischkonsumenten, Mom, MP3-Spieler, Musik, Namen, Oberschenkel, Party-People, Partytiere, Plattenlabel, Po, positiv, Rande, Räume, Rücken, Reaggea-Musik, Rhythmen, Riesentyp, Satz, Scham, Schatten, scheiße, Schlag, Schrank, Schwester, Schwesterchen, Schwung, Selbstbewusstsein, Stadt, Suff, super, tanzen, Tanzfläche, Tanzkäfig, Tanzverbot, Theke, Toilette, toll, Tour, Trauerbewältigung, Tränke, Treiben, trinken, Typ, umarmen, Umgang, verblüfft, verfassungswidrig, Wange, Woche, Wochenende, Worte, Zeit, Zeug, Zwei-Meter-Hüne, Zwischenzeit
Am Wochenende war ich mal wieder in einer alten Heimatstadt unterwegs. Ich traf mich mit guten alten Freunden in einer Kneipe und wir plauderten, tranken, kickerten und kicherten über die good old days. Nachdem wir all das getan hatten, entschieden wir uns, die nächste Location aufzusuchen, um gegen das verfassungswidrige Tanzverbot am Karfreitag zu verstoßen.
Ich huschte mehrmals über die Tanzfläche, wollte bei der seltsamen Musik aber nicht so richtig in Fahrt kommen. Während ich das Treiben also am Rande beobachtete, kam plötzlich eine gutaussehende Frau zu mir, umarmte mich und sagte: „Ich bin ein Fan von dir!“. Ich schaute sie verblüfft an, denn ich konnte sie einfach nicht einordnen. „Ich finde dich super, weil du immer so bist, wie du bist!“. Nach diesem Satz war ich echt erstaunt, zumal sie meinen Namen kannte, den ich hier natürlich ausspare.
„Ich fühle mich echt geschmeichelt und stell mich mal schnell da rüber ins Eck zum rot werden.“, war meine Antwort. Ich bin im Umgang mit Komplimenten sehr schlecht und ich wusste immer noch nicht, wie ich sie und ihre Worte einordnen sollte. Da kam eine Bekannte zu uns, die sich als gemeinsame Freundin entpuppte und erinnerte mich an die Geschichte, wie wir drei uns kennen lernten:
Ich war mal wieder on tour und meine Bewegungslust trieb mich in jene Absturzkneipe mit der unübersichtlichen Auffahrt, von der ich schon einmal berichtet habe. Aus den Lautsprechern schallte Reaggea-Musik und die freien Räume zwischen Theke, Toilette und Ausgang waren gefüllt mit tanzenden Party-People. Die meisten auf der Droge Alkohol, aber ein paar Mischkonsumenten waren auch dabei, denn die Augen gingen von ganz groß bis ganz klein. Natürlich fand ich mich sofort mitten auf dem Dancefloor und kreiste meine Hüften zu den kräftigen Rhythmen. Let it flow, swing it low!
Irgendwann muss auch ein Kamel zur Tränke und so kam auch ich denn an die Theke. Neben mir standen zwei Mädels und lächelten mich an. Da ich ja nichts Besseres zu tun hatte, startete ich das Gespräch. Kurze Zeit später drängelte sich so ein Zwei-Meter-Hüne an uns vorbei. Er gab mir kurz die Hand, da ich ihm schon mehrmals begegnet bin – diese Partytiere teilten sich schon einige Nächte den gleichen Tanzkäfig – und wendete sich dann zugleich den beiden Mädels zu.
Mir fiel auf, dass sein Selbstbewusstsein nicht seiner Körpergröße entsprach, denn seine Anmachsprüche waren erste Scheiße. So Zeug, was man Dorfischen zum Fasching auftischen kann, damit sie im Suff das Gefühl haben, begehrt zu sein. Ich war bedient und ging zurück auf den Dancefloor. Johnny T wäre stolz auf mich gewesen. So nach und nach wurde die Kneipe leerer, die Schatten auf der Tanzfläche kleiner und als mich das Licht direkt anstrahlte, entschied ich mich für ein weiteres Getränk.
An der Theke standen noch immer die beiden Mädels und der Riesentyp, dessen Anmache nun bereits handgreiflich wurde. Er begrabschte eine der beiden mit seinen großen Händen, schob seinen Oberschenkel gegen ihren Po und seine Hüfte gegen ihren Rücken. Sie war sichtlich bedrängt und ihr Gesichtsausdruck war alles andere als erfreut. Dennoch schien sie nicht den richtigen Dreh zu finden, um sich aus der misslichen Lage zu befreien.
Also ging ich zu ihr und sagte, „Hey Schwesterchen, alles ok?“. Nach diesem einleitenden Satz drehte ich mich zu dem Schrank und meinte, „Du Kollege, wie ich seh, gefällt dir meine Schwester. Ich hab sie heute mal mitgenommen, aber ich musste unserer Mom versprechen, dass ich auf sie aufpasse. Also du kannst ihr gerne sagen, dass sie dir gefällt, aber Fummeln geht nicht!“. Der Typ schaute mich mit großen Augen an und versprach mir, sich zurück zu nehmen, wobei er seine Hand wieder auf ihre Hüften legte. Ich packte die Hand, die so groß war wie mein Kopf und mich mit einem Schlag zu Bob Marley hätte schicken können. „Hey Kollege, ich mein’s ernst! Can’t touch this!“. Wenn man schon damit angefangen hat, muss man es eben auch zu Ende bringen. In der Zwischenzeit kam mein Getränk und ich war zufrieden. Da der Hüne auf mich hörte, drehte ich mich wieder um und widmete mich den restlichen Klängen der Musik.
Aber kaum drehte ich mich wieder – im Schwung einer Drehung – zur Theke, konnte ich sehen, wie der Riese wieder Hand anlegte. Ich ging zurück, quetschte meinen kleinen Körper zwischen die Hohlräume, die er noch frei lies, bevor er sie ganz besprungen hätte, schaute sie an und sagte, „Komm Schwesterchen, lass uns gehen.“. Sie war natürlich sofort dabei. Ihre Freundin ebenso. Und zum Glück war sie mit dem Auto da und konnte tatsächlich auch noch fahren.
Leider ließ sie mich nur einen halben Kilometer später wieder raus. Vermutlich war jegliche männliche Anwesenheit zu viel für sie an diesem Abend. Ich vernahm noch ein kurzes Dankeschön und dann nur noch die Musik aus meinem MP3-Spieler, die mich auf meinem anderthalbstündigen Heimweg begleitete.
Nachdem mir die Geschichte also wieder einfiel, konnte ich das Mädel wieder einordnen. Warum sie mich so toll fand, wurde mir dann auch klar. Und wie als hätte sie noch ein schlechtes Gewissen, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und sagte nochmals, dass sie ein Fan von mir sei. Manchmal reicht das schon aus und so bedankte ich mich nur und ging den Abend alleine zu Ende genießen.
Das schöne ist, dass mir in letzter Zeit wieder öfter solche Begegnungen passieren. Erst vor einer Woche wurde ich von einer Frau umarmt und links und rechts abgeknutscht, die anscheinend nur wegen mir die Kraft fand, in einer fremden Stadt Fuß zu fassen. Eine Ex, die sich aus dem fernen Italien meldete, und mir Hilfe bei der Trauerbewältigung anbot. Eine andere Frau, die sich ebenso plötzlich nach Jahren wieder meldete und mich zu ihr einlud. Und noch eine Frau, die mir Dankte, weil ich ihr geholfen hatte. Eine gute alte Freundin, die sich entschuldigte, weil sie mich mal blöd in der Öffentlichkeit gedisst hatte – schon längst vergessen.
Es ist schön, wenn man weiß, dass man alles in allem positiv in den Köpfen anderer Menschen hängen bleibt und dass man zu denen gehört, denen man ohne Scham Danke oder Entschuldigung sagen kann. Ich bin Bushidos Plattenlabel!
Einsortiert unter: Mal sehen, Geschichten | Schlagwörter: Überraschung, Wasser, Stadt, Handy, Tag, Freund, Angestellte, Hand, Chef, Bier, Menschen, Mann, Hauptstraße, Ekel, Kopf, Auto, Unfall, Alter, Geschichte, Wege, Weg, Boden, Haus, Müdigkeit, Straße, Sorgen, Schritte, Opfer, Fahrer, schauen, Thema, Wind, atmen, Anhänger, Vogel, Deutsch, Schlimmste, Uhr, Tour, Lokal, Hintereingang, Besitzer, Tunnelblick, Gestalten, Nachts, Alkis, Drogis, Crazy, heile Welt, Kranke, Verlogenheit, Theke, Feierabendbier, Abmarsch, Lage, Anhöhe, Auffahrt, Verkehrsspiegel, Benutzung, Stelle, Wette, Vogelkönig, Minivan, Asphalt, Telefon, Junky, Nazi, Hurensohn, Afrika, Afrikaner, Blut, Bewusstsein, Hans Meiser, Horrorstories, innere Blutungen, Halswirbel, Knochenbrüche, indoktriniert, Sanies, Telefonat, Wäsche, blöd, Polizei, Feierabend, drei, Beamte, Hergang, Geschehen, Unterkunft, Befehl, Helfer, Regeln, Herren, partout, egal, Verhalten, Sauerei, regelwidrig, verantwortungslos
Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir vor einigen Jahren passiert ist. Es war gut vier Uhr morgens und ich war ebenso gut mit Bier betankt. Am Ende meiner nächtlichen Tour besuchte ich noch eines dieser Lokale, die man nach vier nur noch über den Hintereingang betreten kann. Natürlich muss man dazu den Besitzer kennen, aber ich kenne eh jeden…
Mein Tunnelblick erfasste einige Gestalten, denen man besser nicht des Nachts begegnen möchte. Es waren die üblichen Alkis, Drogis und Crazys, die ich leider ebenso schon kannte. Wer Menschen liebt, scheut die heile Welt der wirklich Kranken. Aber nichts zum Thema “Heile Welt” und deren Verlogenheit, da ich ja eine andere Geschichte erzählen möchte.
Nun, ich setzte mich an die Theke, plauderte mit Cheffe und seiner Angestellten und trank mein Feierabendbier. Nachdem mich die Müdigkeit dann doch überzeugt hatte, meinen anderthalbstündigen Abmarsch anzutreten, verabschiedete ich mich und ging nach draußen.
Ich muss kurz die Lage des Lokals beschreiben: Es befindet sich auf einer kleinen Anhöhe und ist direkt über eine steile und unüberschaubare Auffahrt mit der Hauptstraße verbunden. Ein Verkehrsspiegel ist zwar angebracht, aber selten in Benutzung… Zumindest könnte man das meinen, da an dieser Stelle immer wieder kleinere Unfälle passieren.
Mit lahmen Schritten ging ich also diese Auffahrt hinunter. Der Tag war bereits angebrochen und die Vögel zwitscherten energisch um die Wette: “ich bin der Vogelkönig, twiet twiet!”, “schnauze, ich bin der Vogelkönig, twiiiiet” und so weiter. Als ich die Hauptstraße sehen konnte, bot sich mir ein Bild des Schreckens.
Ein Minivan mit Anhänger stand mitten auf der Straße, dahinter lag ein Mann auf dem Asphalt. Der Fahrer hatte eines dieser kabellosen Telefone in der Hand und redete aufgeregt hinein. Der regungslose Mann am Boden war ein stattbekannter Junky, der mich schon als Nazi, Hurensohn und was weiß ich beschimpft hat und aus Afrika stammt.
Ich scheue Unfälle, aber wenn man damit konfrontiert wird, muss man den Ekel überwinden und helfen. Also ging ich zu dem Afrikaner und schaute ihn an. Er blutete leicht an der Hand und am Kopf. Überwinde den Ekel! Ich beugte mich zu ihm runter um herauszufinden, ob er bei Bewusstsein war. Er atmete noch, aber er reagierte nicht auf mich.
Ich fürchtete das Schlimmste und da ich von Hans Meiser mit Horrorstories über innere Blutungen und Knochen- (Halswirbel-) brüchen indoktriniert wurde, wollte ich auf die Sanies warten, bevor ich womöglich noch etwas kaputt machen würde.
Derweil beendete der Fahrer sein Telefonat und kam zu mir. Er erklärte mir, dass der Afrikaner bereits auf dem Boden lag, als er mit dem Auto ankam. Wie als hätte dieser gehört, dass über ihn gesprochen wurde, stand er plötzlich kreuzfidel neben mir und hörte dem erschrockenen Fahrer aufmerksam zu. Ich denke, ich habe bei dieser positiven Überraschung genauso blöd aus der Wäsche geschaut wie der Fahrer.
Wir überredeten den Afrikaner, zu warten, bis die Polizei eintraf. Dies war nicht einfach, da er zwar deutsch sprach, aber trotzdem nicht verstand, warum der arme Fahrer total durch den Wind war. “Alles ok, alles ok! Ich geh in Stadt.”.
Währenddessen kam die Angestellte zum Feierabend die Auffahrt herunter und ließ sich von mir über alles aufklären. Sie ging nochmals zurück und holte Wasser für uns drei. Dann kam die Polizei. Die Polizei, das waren zwei Beamte mittleren Alters, kannte das vermeindliche Opfer bereits und befragte ihn zum Hergang des Geschehens. Dem Fahrer wurde versichert, dass er wegen nichts belangt werden konnte und sich keine Sorgen mehr machen musste.
Dann traten die Beamten auf mich zu. Sie erklärten mir, wo der Afrikaner seine Unterkunft hatte. Dann stiegen sie ins Auto ein und befahlen mir, den Mann gut nach Hause zu bringen. Mein Freund und Helfer fuhr einfach davon. What!? Das verstößt gegen die Regeln, meine Herren!
Der Afrikaner wollte partout nicht heim und mir war es ehrlich gesagt auch egal, da er wieder fit zu sein schien und ich derjenige war, der gerne heimwärts begleitet worden wäre. Also ging er weiter in die Stadt und ich begleitete ihn, bis sich unsere Wege trennten… Um auf dem langen Weg nicht einzuschlafen, rief ich mir immer wieder das verantwortungslose und regelwidrige Verhalten der Polizei in den Kopf. Sauerei, nicht wahr?
Einsortiert unter: Geschichten, Mal sehen | Schlagwörter: Anfrage, Angebot, Arbeit, Aufmerksamkeit, Augen, Auswahl, Bezeichnung, Code, Discounter, Elektro-Discounter, Empfänger, englisch, Entwicklung, Erinnerung, Freund, Geräte, Glück, Hände, Hoffnung, kompetent, Konversation, Kopf, Kundschaft, Lautsprecher, Lächeln, lernen, Missverständnisse, MP3, MP3 Abspielgeräte, MP3 Player, MP3-Spieler, mysteriös, Niveau, PC, Portable Entertainment, Regale einräumen, Schlagwort, Selbstbescheidenheit, Sender, Service, stupide, Suchaufwand, Suchen, Triumpf, Vakuum, Verkaufsraum, Verkaufsraummitarbeiter, Verkäufer, Videokammeras, Vokabular, Weg, Zeigefinger, Zweifel
Vor ein paar Tagen war ich zu Gast in einem großen planetaren Elektro-Discounter, um mit einem Freund Lautsprecher für seinen PC zu kaufen.
Während er die Auswahl begutachtete, machte ich mich auf die Suche nach Abspielgeräten für MP3-Musik. Jetzt sind diese Discounter ja so rießig und verfügen über ein so breites Angebot, dass ich mir den Suchaufwand sparen und einen der kompetenten Verkaufsraummitarbeiter nach dem direkten Weg fragen wollte.
Gesagt getan ging ich zum Erstbesten hin und stellte ihn mit einem freundlichen “Entschuldigung, können Sie mir kurz sagen, wo ich MP3-Spieler finden kann” zu Rede und Antwort. Der Mann war sofort bereit dazu, mir seine Aufmerksamkeit zu schenken. Jedoch bemerkte ich schon an einem Blick in seine knopfrunden Augen, dass sich bei meiner Anfrage nur ein Vakuum in seinem Kopf bildete.
Also wiederholte ich schnell meine Frage, um peinliche Stille und eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: “Wo sind denn die MP3-Spieler?”. Weiterhin verdutzt dreinblickend wiederholte er bruchstücksweise meine Anfrage: “MP3-Spieler?”. Woraufhin ich das Niveau unserer Konversation hielt, indem ich sagte: “Ja! MP3-Spieler.” Sein Blick wurde jedoch keineswegs klarer. Seine Hände wurden feucht und sein Kopf begann, sich hilflos im Verkaufsraum zu orientieren. Ich wiederholte also nochmals das Schlagwort, in der Hoffnung, dass ihm dann die Erinnerung an diese kleinen, mysteriösen Geräte zum Abspielen von MP3-Dateien kommen würde.
Doch von Mal zu Mal schien er ahnungsloser. Was war los? Hatte ich etwa das unheimliche Glück, an einen Mitarbeiter zu geraten, der die letzten zehn Jahre verschlafen und die rasante Entwicklung auf dem Portable-Entertainment-Markt versäumt hatte? Aus reiner Selbstbescheidenheit heraus, begann ich den Fehler bei mir zu suchen. Und siehe da: Was, wenn ich das falsche Vokabular benutzt hatte? Sollte ich besser nach einem “MP3-Player” fragen?
Also tat ich, wie mir mein Zweifel befahl und wiederholte die ganze Ansage noch einmal, dieses Mal aber, mit der englischen Bezeichnung für MP3-Spieler. Und siehe da, der überforderte Mitarbeiter begann sich zu beruhigen, sammelte sich und gab mir mit gestrecktem Zeigefinger und einem typisch überheblichen Verkäufer-Lächeln die Antwort: “Da hinten, gleich neben den Videokammeras!”.
Ich lies ihm den Triumpf und begab mich zu besagter Stelle, während er sich wieder, wie als wäre nichts geschehen, der stupiden Arbeit des Regaleeinräumens widmete. So lernte ich an diesem Tag im Elektro-Fach-Discounter zwei Dinge: A) Sender und Empfänger bedürfen des gleichen Codes und 2. Englisch sprechen und verstehen sind zweierlei Dinge und last-but-not-least IV. Der Service solcher Discounter ist, wie immer, nett, allumfassend und allwissend, wenn da nur die dumme Kundschaft nicht wäre.
Einsortiert unter: Gedanken, Mal sehen | Schlagwörter: Abraten, Abscheu, Adolf Hitler, Anschauung, anstrengend, Anti-Helden, Arsch, Arschkriecher, Attraktivität, Aufmerksamkeit, Augen, ändern, Buch, Chance, Charles Manson, Che Guevara, Clou, Dreck, empfinden, Empfindungen, Erinnerung, ewige Ruhe, Fall, Fan-Club, Gedanken, gerecht, Gewissen, Grund, Hass, human, Isolation, kämpfen, Kopf, Kult, Leben, Lebensdauer, Leute, mahnen, Menschen, Milliarden, Normalhumandenkende, Person, Pferd, Rücken, Rede, reden, reiten, Sache, schuldhaft, Sicherheit, Spaßvögel, switchen, Tag, Taten, tausendmal, Töne, Tod, Tron der Einsamkeit, unsterblich, Unterlass, Utopie, verdammt, Vergessenheit, Vorstellungen, Wahl, Wahnsinn, Weg, Wege, Welt, Zögern, Zeit, Zig-Mal, Zufriedenheit, Zwischenmenschlichkeit
Also Leute, meine Rede: “Das was das Leben so schön macht, ist das Leben an sich und nicht das, was danach kommt!
Es gibt zwei Wege, unsterblich zu werden. Den Weg der guten und den Weg der schlechten Erinnerung an einen. Den schlechten Weg zu gehen ist ganz einfach und geht rasend schnell. Hass und Abscheu sind relativ einfach zu erregen und haben eine verdammt lange Lebensdauer. Aber wer damit Leben will, wird nicht glücklich im Leben sein. Im schlechtesten Fall entsteht aus der erzeugten Isolation ein Wahnsinn um die fehlende Zwischenmenschlichkeit zu kompensieren. Und dann? Dann kann gehofft werden, dass es höchstens nur eines Opfers bedarf, um dem Wahnsinn ein Ende zu machen. Dennoch ist die Verlockung groß, denn Anti-Helden haben große Attraktivität – zu jeder Zeit, noch bis Zufriedenheit gerecht verteilt ist (womit mit Sicherheit keine abstruße Utopie gemeint wäre). Charly Manson, Adolf Hitler, Che… Alle haben andere Menschen auf dem Gewissen. Jeder hat seinen Fan-Club. Besonders die, deren Ideen von ihren Fans als sehr ‘human’ bezeichnet werden. Haha, ihr Spaßvögel… ‘Normalhumandenkende’ werden sie jedoch für immer mit Hass und Abscheu belegen.
In guter Erinnerung zu bleiben, ist hingegen verdammt anstrengend und oftmals sinndienlicherweise nur selten von Aufmerksamkeit verfolgt. Aber es ist der Weg zur Zufriedenheit. Im Leben. Nicht erst mit Eintritt der ewigen Ruhe. Wie denn nun der Weg der guten Erinnerung ausschaut? Das weiß doch jeder. Wurde doch schon so viel drüber geschrieben. Wer noch nie was darüber gelesen hat, kann sich ja mal Gedanken machen. Oder mal was lesen oder besser noch mit anderen darüber reden.
Und jetzt der Clou am ganzen Leben: Jeden Tag, ohne Grund, ohne Zögern kann zwischen den Wegen geswitcht werden. Das gilt für alle und ist auch von allen machbar. Wie ihr euch entscheidet ist leider eure Sache, aber behauptet später nicht, ihr hättet nie die Wahl gehabt oder nie die Chance bekommen, euch zu ändern! Denn davon könnt ihr euch danach auch nichts mehr kaufen…
Und wer mir jetzt vorwirft, ich würde große Töne kotzen, weil das alles gar nicht so einfach sei, der sollte sich mal anschauen auf seinem Thron der Einsamkeit und raffen, dass es das Leben so verdammt wert ist, dafür ohne Unterlass zu kämpfen! Leute, wer vom Pferd gefallen ist, der klopft sich den Dreck vom Rücken und vom Arsch, schaut dem Pferd tief in die Augen, steigt wieder auf und schreit, ‘jetzt erst recht!’. Und Leute, wenn ihr nicht wisst, wie man ‘reitet’ dann fragt einen der sieben Milliarden anderen Menschen, die größtenteils auch schon Zig-Mal vom Pferd gefallen sind. Ihr wisst ja – Zwischenmenschlichkeit! Und keiner beißt euch den Kopf ab…
So, und wer mir noch vorwerfen will, dass ich ein romantischer Arschkriecher mit utopischen Vorstellungen und übertolleranter Anschauung bin, weil ich jedem die Chance zuspreche, sich zu ändern, der sollte nochmals darüber nachdenken, wie einfach Hass zu empfinden ist, und dass auch ich Hass für die empfinde, die mir schuldhaft weh getan haben. Das haben sie verdient. Ich belege solche Leute dann mit dem, was sie wirklich straft – ich belege sie mit Vergessenheit. Nicht ihre Taten, aber ihre Person. Die Taten, die Empfindungen dadurch werden bleiben. Sie sollen mahnen. Wer einem anderen Menschen schuldhaft weh tut, wird sich so eine weitere Chance verbauen, ewig in Erinnerung zu bleiben – ‘unsterblich’ zu werden.”.
Das war meine Rede. Ich weiß, es kommt einem irgendwie bekannt vor. Wurde ja aber echt schon tausendmal gesagt. Die meisten haben aus dem ganzen – trotz Abraten – einen Kult gemacht. Viele denken sogar, es wäre allein der Kult, der das ganze Leben besser macht. Aber wir haben doch nur eines! Kein Buch der Welt kann es uns zurück geben, wenn es dann zu spät ist.
Einsortiert unter: Geschichten, Mal sehen | Schlagwörter: Abitur, Auto, Bordstein, Danke, Fahrrad, Friedhof, Frontschutzscheibe, Fußballstadion, Gartenschere, Gefahr, Hilfe, Katze, Konservendose, Kopf, Korb, Krallen, Kurve, Lehrerin, Mithelfer, Mithilfe, Mitschülerin, Notruf, Oberstufe, Robocop, schwanger, Stadion, Tier, Unfall, Unterricht, veterinär, Wald, Wäschekorb
Während meiner Zeit in der Oberstufe fuhr ich immer mit dem Fahrrad zur Schule durch den Stadtwald, vorbei am großen Fußballstadion und dem städtischen Waldfriedhof. Eines Tages, ich war mal wieder zu spät dran, entdeckte ich ein merkwürdig-futuristisches Tier auf der Straße zwischen Stadion und Friedhof, dass wie eine Mischung aus Robocop und Katze aussah und von Bordstein zu Bordstein torkelte. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine Katze war, die mit dem Kopf bis zu den Schultern in einer Konservendose gefangen war.
Jedesmal, wenn sie am Straßenrand angelangt war, stieß sie mit der Dose gegen den Bordstein und rammte sie somit stärker auf ihren Körper. Es war ein seltsamer Anblick. Ich versuchte sie einzufangen, aber ihre Ohren funktionierten noch so gut, dass sie meinen Versuchen auswich und sodann wieder gegen den Bordstein rammte. Verzweifelt wusste ich nicht weiter. Ich erblickte weit und breit keine Person, die mir helfen konnte, also fuhr ich zur Schule. Dort angelangt musste ich mich für meine Verspätung entschuldigen. Ich fragte die Lehrerin, ob es so etwas wie einen veterinären Notfalldienst gäbe und erklärte meine Frage mit dem soeben Erlebten. Sie verneinte und fuhr mit ihrem Unterricht fort. Mein Gewissen trieb mich um und so hielt ich es kaum noch auf meinem Stuhl aus.
Plötzlich meldete sich eine Mitschülerin und bot an, mit mir in ihrem Auto zu der Stelle im Wald zu fahren und die Katze zu suchen. Ich sprang sofort auf und ging zur Tür, noch ehe die Lehrerin ihre Erlaubnis dazu gegeben hatte. Aber da wir schon alle über 18 Jahre alt waren, hätten wir ohnehin getan, was wir für nötig befanden. Also fuhren wir zu zweit in den Wald, um die hilflose Katze zu suchen. Aus dem Kofferraum ihres Autos nahmen wir einen Wäschekorb mit, den ich aus sicherer Entfernung über die Katze werfen wollte.
Nach wenigen Minuten fanden wir das arme Tier, noch immer den Kopf in der Dose. Das Fell an ihren Schultern war feucht und schimmerte rötlich vom Blut, welches durch die scharfen Kanten der Dose aus ihrem Hals geschnitten wurde. Wie geplant stellte sich meine Mitschülerin vor die Katze, um sie abzulenken, damit ich von hinten den Korb über sie werfen konnte. Nachdem diese Aktion schnell und unspektakulär von Statten ging, suchten wir nach einem Gegenstand, um die Dose zu entfernen. Wir fanden nichts passendes. Ich dachte nach und sagte meiner Mitschülerin, dass ich auf dem Friedhof versuchen wollte, ob ich einen Hausmeister oder ähnliches finden könnte, der eventuell eine Gartenschere hätte.
Tatsächlich fand ich einen Friedhofsgärtner, der mir sogleich seine Mithilfe anbot. Also gingen wir zu der Katze in ihrem Korb, mit der Konservendose auf dem Kopf. Entgegen den wohlgemeinten Ratschlägen meiner Mithelfer nahm ich die Katze – auf die Gefahr hin, mit ihren spitzen Krallen Bekanntschaft zu schließen – mit bloßen Händen aus dem Korb und hielt sie dem Gärtner hin, der sogleich mit der scharfen Gartenschere die Dose aufschnitt. Kaum war die Katze befreit, blickte sie mir mit ihren weit aufgerissenen Knopfaugen in die meinen, schüttelte sich so sehr, dass ich sie nicht mehr halten konnte und rannte von Dannen in den Wald. Erleichtert und Fröhlich bedankte ich mich im Namen der Katze bei allen beteiligten und wir kehrten stolz in den Unterricht zurück.
Meine hilfsbereite Mitschülerin wurde kurz nach dem Abitur schwanger, fuhr ohne Gurt zu schnell in eine Kurve und verlor ihre beiden Leben ungefähr zehn Meter vom Auto entfernt, aus dem sie ungebremst durch die Frontschutzscheibe geschleudert wurde. Das ist nun schon zwölf Jahre her. In meinem und im Namen der Katze möchte ich mich nochmals von ganzem Herzen bei ihr bedanken.