Einsortiert unter: Gedanken, Mal sehen | Schlagwörter: Appell, Birmingham, Demonstrationen, England, englisch, Gesellschaft, Gewalt, Habgier, Interview, Kurzsichtigkeit, London, Missstände, Mob, Opfer, Protest, Riots, sozial, Straßenkampf, System, Tariq Jahan, Unruhen, Vater, Vernunft, Warnung, Wut
Gegen die Ungerechtigkeit unserer “sozialen” Systeme zu demonstrieren ist richtig, aber dafür asozial zu werden, ist sicherlich keine Lösung. Wenn wir etwas ändern wollen, zum Besseren, dann dürfen wird nicht wieder und wieder die gleichen Fehler machen. Gewalt ändert nichts in den Köpfen der Menschen.
Dieser Mann, der Vater eines der Opfer der englischen Unruhen, sollte für seine Weisheit geehrt werden. Seine Worte sollten an uns alle gerichtet sein – als Warnung auch an die, deren Habgier und Kurzsichtigkeit zu den ungerechten Verhältnissen in der Gesellschaft führen, denn wozu ein Mensch in Wut und im Schutze eines aufgebrachten Mobs fähig ist, ist trauriger Weise nicht mit Vernunft zu stoppen. Aber Missstände können aufgehoben werden!
Dazu muss man nur ein bisschen über den eigenen Schatten springen – so wie dieser Mann es geschafft hat.
Einsortiert unter: Geschichten, Mal sehen | Schlagwörter: Absicht, Adjektive, akzeptieren, Anfang, Artikel, Begründung, Bild, Chance, Denken, Elefant, Emotionen, fiktiv, Fragen, freundlich, Gedanken, Gedankengang, Gedankensprünge, Geschichte, Geschmacksache, Grund, gut, hübsch, Herz, Heute, Hilflosigkeit, Informationsverarbeitung, Interview, Kessi Kolumna, Kreis, Kritik, lesen, Luft, MeMyselfAndEye, Momente, Motive, Person, real, Satz, scheiße, schlecht, schreiben, Schreibstil, Termin, Text, Tochter, Trennung, Vernunft, Wahrheit, Widerspruch
Heute Morgen gab ich ein Interview für Kessi Kolumna, der Tochter der berühmten Elefantenflüsterin. Sie war sehr freundlich, intelligent und hübsch noch dazu. Nachdem wir über mich und meine Person und Motivation geredet hatten, gab sie mir die Chance, ihr ein paar Fragen zu meinem letzten Artikel zu stellen.
Kessi K.: Reden wir doch gerne mal über deinen letzten Artikel. Ich finde es voll krass wie du immer wieder im Kreis denkst beim Schreiben. Und natürlich würde mich noch interessieren, ob die Geschichte denn fiktiv oder real ist.
MeMyselfAndEye: Wie meinst du das, im Kreis?
Kessi K.: Naja, es ist irgendwie ziemlich sprunghaft, ziemlich gedankenecht würde ich sagen.
MeMyselfAndEye: Ok. Konntest du dem Text folgen? Also ich kann, aber ich hab’s ja auch geschrieben/gedacht. Ich weiß nur nicht, wie andere das lesen…
Kessi K.: Naja, dem Text… “dem Text”… Also ich muss sagen, dass mir Gedankensprünge nicht viel ausmachen, aber ich glaube generell lässt man sich davon leicht irritieren.
MeMyselfAndEye: Ok… Hmmm. Dabei folgt alles einem Gedanken – habe ich gedacht.
Kessi K.: Ja schon, nur wir verarbeiten Informationen beim Lesen anders als wir sie beim Denken produzieren.
MeMyselfAndEye: Schon. Gibt es “Momente” in denen du Emotionen spürst? Also im Text?
Kessi K.: Hauptsächlich da wo du rhethorische Fragen stellst und viele Adjektive benutzt, würde ich sagen. Und wo die Sätze länger werden.
MeMyselfAndEye: Hoppla! Ein Frage noch bitte: was findest du voll scheiße daran? Es tut mir leid, wenn ich das Interview an dieser Stelle umdrehe, aber ich brauche mal Kritik, sonst weiß ich nie, was gut ist und was schlecht.
Kessi K.: Voll scheiße find ich nichts, weil es halt nur ein anderer Schreibstil, dein Schreibstil ist, aber ich find es ist ein bisschen abgehackt am Anfang, so plötzlich. Aber ich habe des Gefühl, dass es Absicht ist – es macht einen auch gleich aufmerksamer beim lesen, aber es fällt eben schwerer in den Text reinzukommen.
MeMyselfAndEye: Ok! Das gefällt mir! Jetzt also ob die Geschichte real ist oder nicht?
Kessi K.: Ja?
MeMyselfAndEye: Ich hatte schon mal eine Trennung, die so begründet war. Aber eigentlich will ich damit sagen, dass der Grund für eine Trennung eben einfach nur der ist, dass das Herz nicht mehr lodert. Dass das aber auch die einzige faire und echte Begründung ist und dass man diese akzeptieren muss.
Kessi K.: Da gebe ich dir recht.
MeMyselfAndEye: Danke.
Kessi K.: Aber ich finde andererseits ist es halt oft die Begründung, die am schwersten zu verstehen ist, weil man es nicht irgendwie erklären oder nachvollziehen kann.
MeMyselfAndEye: Da gebe ich dir wiederum recht! Diesen Gedankengang habe ich ebenfalls versucht, mit in den Text zu bringen. Auch die Wut, die so eine Begründung dann erzeugt und die Hilflosigkeit, wenn selbst die Vernunft nicht mehr greift, weil sie nicht der Wahrheit entspricht. Setzt sich das Bild so ein bisschen besser zusammen?
Kessi K.: Gefühle verstehen zu wollen ist halt der Widerspruch schlechthin.
MeMyselfAndEye: Ja, schon. Deshalb akzeptiere ich einfach das Gefühl an sich und spreche ihm unantastbare Wahrheit zu. Sozusagen. So wie mit der Geschmackssache auch.
Kessi K.: Alles andere würde einen dann glaube ich auch nicht weiterbringen.
MeMyselfAndEye: Ja, es kann einen sogar verrückt machen.
Nachdem ich für mehrere Sekunden gedankenversunken aus dem Fenster geblickt hatte, bedankte sich Kessi Kolumna für das Interview und verabschiedete sich zu ihrem nächsten Termin. Ich bedankte mich ebenfalls und ging nach draußen an die frische Luft.
Einsortiert unter: Geschichten, Mal sehen | Schlagwörter: Abitur, Alter, Arbeitsgeschwindigkeit, Arbeitsgruppen, Arbeitstelle, Aufträge, Überschuhe, Berufsleben, Bestellungen, Betteln, Bildschirme, Computer, Damen, Fabrik, Fabrikhalle, Feedback, Flehen, Fragen, Frauen, Freunde, Gebrauchtwerden, Gefühl, Geschichte, Gespräch, Haarnetz, Halle, Handwerker, Häkchen, hektisch, Herkunft, Job, Kaffeekranz, Lob, Maschinen, maulen, Männer, Meinung, Missmut, Mitarbeiterinnen, Motivation, optische Geräte, Overall, planlos, plaudern, Produktion, produzieren, Prozess, Qualität, Reinraum, Sache, SAP, Schicht, Schichtarbeiter, Schichten, Schleuse, Schnittstelle, schwanger, Schwangerschaft, Soll, Status-Quo, Terminbüro, Trend, utopisch, Vernunft, Verpackung, Versand, Verständnis, Wagen, Werkstück, Werkstücke, Wissender, zügig, Zettel, Ziel, Zwischenmenschlichkeit
Lange ist es her, da versuchte ich meine unfreiwillig entstandene Lücke zwischen Abitur und Berufsleben mit einem Job zu füllen. Ich arbeitete in einer großen Fabrik, die noch immer täglich versucht qualitativ hochwertige optische Geräte zu produzieren. Meine Mitarbeiterinnen, denn es waren zumeist die Damen, die diesen Laden produktiv am Laufen hielten, erklärten mir, dass ich aller Vernunft entgegen schwanger sein müsste, da ich täglich die sogenannte “Schwangerenschicht” von 12 Uhr bis 20 Uhr arbeitete.
Ich verbrachte den Großteil meines Schwangerendaseins in einem Terminbüro im gehobeneren Viertel der Fabrikhalle. Dort flimmerten Aufträge und Bestellungen über die Bildschirme von netten Kaffeekranzdamen, die wiederum telefonisch und über Computer versuchten, den Handwerkern in der Halle klar zu machen, dass der Auftrag so schnell wie möglich durch tausende von Händen und hunderte Maschinen wandern musste.
Dreimal am Tag musste ich dann in einen Reinraum, mit weißem Overall, Haarnetz und Schutzüberschuhen, um dort Aufträge bzw. die Werkstücke zu finden, die gerade von einem der dortigen Maschinisten in eine Maschine gelegt wurden. Die Maschinisten, ein bunter Trupp von Frauen und Männern jeglichen Alters und jeglicher Herkunft, bereiteten die Werkstücke vor, legten sie in ihre Maschinen, bereiteten die nächsten Werkstücke vor, entnahmen die alten der Maschine, fütterten diese wieder mit den neuen Werkstücken und bereiteten die vorherigen auf die noch folgenden drei weiteren Maschinengänge in ihrer eigenen Maschine vor, bevor sie sie dann auf einem Wagen durch eine Schleuse aus dem Reinraum in die Hände der nächsten Maschinisten gaben. Alles in allem dauert der Aufenthalt eines Werkstücks an der Maschine immer rund 1,5 bis 3 Stunden, je nach Maschine und Werkstück. Nie weniger und selten mehr.
Nun musste ich also mit den eiligen Aufträgen, notiert auf einem Zettel in den Reinraum, zu den Maschinisten und ihnen sagen, dass der Auftrag zügig durchgehen sollte. Ich notierte mir die Zeit, die der Auftrag noch dauerte, aber meistens setzte ich ein “Hat sich erledigt”-Häkchen hinter die Auftragsnummer, da das Computersystem, welches die Position eines Werkstücks dank SAP minutengenau anzeigen sollte, nicht pünktlich war. Und da der Reinraum der letzte Bearbeitungsschritt vor Verpackung und Versand war, wurde nur dort den Aufträgen Beine gemacht.
Zu Beginn war ich sehr hektisch und planlos, da ich nach einmaliger Einarbeitung gleich selbst auf die Pirsch gehen musste. Ich hatte keine Ahnung, an welchen der unzähligen Maschinen welche Auftragsnummern bevorzugt zu finden sind, weil sie nur dort oder auch nur selten dort bearbeitet werden konnten. Zudem wollte ich mich nicht ablenken lassen und genausowenig die Maschinisten von ihrer Arbeit ablenken.
Schon bald kam ich bei meinen Rundgängen mit einigen der Maschinisten ins Gespräch. Entweder weil ich sie nach etwas Fragen musste oder weil sie mich anmaulten, weil schon wieder der “Typ vom Terminbüro” da war. Denn im Gegensatz zu mir, wussten sie von Anfang meiner Arbeit an, dass alles Flehen und Betteln, jedes “Schnell-schnell-schnell” und jedes “Wann-kommt’s-denn?” nichts an der Arbeitsgeschwindigkeit der zeitangebenden Maschinen geändert hätte.
Aber schon bald hatte ich ihren Missmut mir gegenüber verstanden. So machte ich ihnen klar, dass ich diesen Job eben auch nur machen musste und dass ich sie nicht weiter unnötig stressen würde, weil ich nun auch ein “Wissender” war. Ich begann die wechselnden Schichtarbeiter näher kennen zu lernen, mit ihnen zu plaudern und hatte schon schnell Freunde unter ihnen gefunden, die sich ebenso über mein Kommen freuten, wie ich. Im Terminbüro erzählte ich den Damen nur die Hälfte der Geschichte. Ich zeigte ihnen die vielen Häkchen auf meiner Liste und gab ihnen die vermutlichen Fertigstellungszeiten bekannt, die ich mittlerweile selbst berechnen konnte. Die Damen freuten sich und fühlten, dass ihre Arbeit belohnt wurde. Die Maschinisten fühlten sich durch mich verstanden und erlebten durch mein “Lob aus dem Terminbüro”, dass sie Teil eines wichtigen kundenorientierten Prozesses waren. Es lief alles wie am Schnürchen. Aber es wäre auch so gelaufen, wenn mein Job dort nicht gewesen wäre. Und tatsächlich erfuhr ich, dass nach mir diese Arbeitstelle weggekürzt wurde, um Sir SAP die volle Kontrolle zu überlassen.
Ich verstand schon damals, dass ich eine Schnittstelle zwischen zwei verschiedenen Schichten war. Aber ich verstand nicht, dass ich entgegen meiner eigenen Meinung und der Meinung der anderen nicht vollkommen unnötig war. Ich war das Feedback der einzelnen Arbeitsgruppen zueinander. Ich war der Mensch, der den Damen im Terminbüro und den Maschinisten im Reinraum das Gefühl gab, für die eine Sache, dass Produkt, gebraucht zu werden.
Und genau dieses Gebrauchtwerden ist das, was ich als sinnvollste Motivation in der Produktion und auch im Management ansehe. Vermittelt werden kann diese Motivation aber nur durch Zwischenmenschlichkeit. Also ist die Wahrung der Zwischenmenschlichkeit das Ziel. Bislang konnte ich in der maschinellen Produktion größtenteils nur den gegenteiligen Trend erkennen. Und dort, wo ich das beobachten konnte, waren Arbeitnehmer und Arbeitgeber so weit voneinander entfernt, wie der Status-Quo an Qualität vom utopischen Soll.
Einsortiert unter: Gedanken, Mal sehen | Schlagwörter: Anspruch, Denken, Flucht, Nachdenken, Vernunft, Zeit
Nachdenken darf – und sollte – Zeit in Anspruch nehmen.
Wir sind doch nicht auf der Flucht vor der Vernunft! Oder!?