mal sehen


Occupied – Besetzt

Es bewegt sich was. Hunderttausende Menschen demonstrieren aktiv gegen die unbedingte Macht der Banken und Finanzmärkte. Es ist ein friedlicher Protest. Es ist der Unmut der Leute über sanktionsfreie Handlungen einzelner Spekulanten, die enorme Nachteile für uns alle haben.

An der Wall Street in New York ging es los. Die Bewegung „Occupy Wall Street“ hat mittlerweile Anhänger auf der ganzen Welt gefunden und am Wochenende wurden auf aller Welt Finanzmärkte besetzt. Der Protest richtet sich nicht in erster Linie gegen die einzelnen Spekulanten, sondern gegen die Politik, die Freiräume zulässt, in denen unvorstellbare Geldsummen für unvorstellbare Güter umhergeschoben werden. Mehr Kontrolle solcher „Fantasiegeschäfte“ wird gefordert.

Der Protest ist ein weltlicher, denn das Problem ist ein weltliches. Der Papst, der auch als steinreicher Staatschef zu Millionen spricht, rügt zwar durchaus das Verhalten der Politik gegenüber den Finanzhaien, aber damit erreicht er eben nur die Gläubigen und die scheinen keine Berge mehr versetzen zu können. Aber wenn er sich sein Designerfood von einem 4-Sterne-Koch zubereiten lassen kann, wird er wohl nicht sonderlich begeistert davon sein, in Zukunft seine „hartverdienten“ Kohlen gerecht zu teilen.

Überhaupt sind nur wenige bereit, ihren Reichtum gerecht und dadurch eben wirtschaftlich zu nutzen. Seltsamerweise wird das Thema von vielen tabuisiert. Aber was ist daran denn so ungerecht? Eine Gesellschaft wie die unsere, ein sozialer Staat, nutzbare Chancen für jeden, Gewinner und Verlierer – all das hat den wenigen mit dem Meisten nicht geschadet. Im Gegenteil, ihr Profit ist auch Teil unseres Verdienstes. Aber auch das ist Sache der Politik, denn eine „Reichensteuer“ muss gesetzlich verankert werden.

Die Politik muss handeln. Weltweit. Wir befinden uns ohnehin in einer Zeit, in der es unheimlich einschneidende Veränderungen in unheimlich kurzer Zeit gibt. Politische Reaktionsmöglichkeiten sind von einem Tag auf den anderen veraltet. Der Protest in New York und überall auf der Welt ist keine Eintagsfliege und bestimmt auch keine linke Spinnerei. Es ist der deutliche Fingerzeig an die Politik, dass das Volk keinen Bock mehr auf die Rat- und Tatenlosigkeit der Politiker hat. Keinen Bock mehr auf Lobbyismus und das Diktat der Wirtschaft. Daran ist nichts verwerfliches und nichts unmoralisches. Und schon garnicht etwas kommunistisches. Es ist schlicht und einfach etwas soziales. Und wer das nicht begreift, ist wohl asozial.

Werbeanzeigen


Anschläge in Norwegen

Norwegen hat in den letzten Tagen einen Alptraum erlebt. Ein Bombenanschlag, einen Amoklauf – insgesamt fast 100 Tote, darunter 91 Teilnehmer eines Jugendcamps. Der Täter wandelte laut Zeugenaussagen mit aller Ruhe durch die Menge und feuerte ohne Gnade auf alles, was ihm vor die Flinte kam. Sogar auf Menschen, die versuchten durch den See davon zu schwimmen. Was für ein ekelhaftes krankes Schwein.

Zuerst verdächtigte man Täter aus der islamistischen Szene. Durchgeknallte Moslems, die ihre Gesinnung der ganzen Welt aufzwingen wollen – mit brutaler Gewalt. Aber der Täter wurde geschnappt und er ist überzeugter Christ! Die Christen also mal wieder. Nein, es muss anders lauten: die Religiösen mal wieder. Mit ihrem Gott im Rücken lassen sie Selbstjustiz walten. Wann kapieren das endlich mal alle: Fundamentale Religiöse sind immer durchgeknallte Menschenhasser und verbitterte Leute und deshalb eine Gefahr. Wer seine Gesinnung für unumstößlich und von einer übermenschlichen Macht gerechtfertigt sieht, ist wahnsinnig im wahrsten Sinne des Wortes und in diesem Sinn mit sicherheit asozial und gefährlich. Dazu passend dann noch, dass dem Täter eine nationalistische Gesinnung nachgesagt wird. Tauschen wir die Religionsbezeichnungen aus, haben wir das Täterprofil eines radikalen Islamisten. Das ist meine Meinung.

Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg stellt fest, dass diese Anschläge Norwegen verändern werden. Und jetzt kommt das erstaunliche und in meinen Augen fast schon wunderschöne: Stoltenbergs Ziele für eine sicherere Gesellschaft und gegen solche Taten lauten „noch mehr Demokratie und Offenheit“. Amen!