mal sehen


Sommerbrezel Macht Mir Ein Hochgefühl

Gerade gehe ich mit Taschen voller Gummibärchen und einem Golfschläger – ein Neunereisen – inkl. Ball und einem gemütlichen Cross-Golfgame durch die Nacht. Deutschland hat verloren, mir egal, hab eh nur drei Bier getrunken… Ich genieße den Abend und ich genieße es, allein genießen zu können. In der schwülen Sommernacht den Hauch der Geborgenheit zu spüren und mich von der warmen Luft gehn Himmel drücken zu lassen. Das Wetterleuchten zeigt mir den Weg zum Loch, indem es meine Umwelt in weiß umrissene Schatten taucht.

Zwei umtriebige Katzen tümmeln sich im Dunst der glänzenden Nacht. Sie tapsen den Ball über das Grün und machen mein eigentlich perfektes Spiel interessanter. Zuerst ein Schnurren, dann ein Fauchen und dann verschwinden sie wieder im Gebüsch. Mein Ball jedoch landet zwischen Bordstein und Opel. Ich habe und nehme mir die Freiheit, hebe ihn auf und stecke ihn in meine Tasche, bevor noch etwas zu Bruch geht. Zuhause angelangt, nehme ich den Ball aus der Tasche und suche ein geeignetes Plätzchen, wohin ich ihn rollfrei legen kann, während die feucht-warme Luft durch das Zimmer schwappt. Meine Haut fängt sie auf, wie die klebrige Fliegenfalle ein Insekt.

Ich habe einen sicheren Platz für den Ball gefunden. Ein Becher, in dem mir vor zwei Wochen, von einer Zirkusartistin ein Schwarztee gereicht wurde. Der Ball passt optimal hinein und kann so auch nicht davon rollen. Auf dem Becher steht mit Filzstift geschrieben: „Aus der Luft gegriffen – einfach so, weil es so schön ist“. Niemand ist da, der meine Geschichte hören kann, aber mir ist es der Moment einfach wert, ihn zu teilen und festzuhalten. Weil ich das Leben spüren kann – einfach so, weil es so schön ist.



Nationen müssen draußen bleiben!

Es sollte eine lustiges Wochenende irgendwo in einer Stadt in Deutschland werden. Das ansässige Jugendzentrum hat zum Jubiläum geladen und auf drei Floors und an zwei Tagen ein buntes Programm für alle Interessierte geboten. Der Eintritt war selbstverständlich kostenlos. Schließlich soll kein Jugendlicher auf Grund seiner finanziellen Möglichkeiten außenvor bleiben. Schrankenloses Feiern auf drei Floors und mit verschiedenen Musikrichtungen.

Alles ganz schön, wenn da nicht die Einschränkung des Veranstalters gewesen wäre, dass alle, die die Farben einer Nation tragen, unerwünscht sind. Derzeit sieht man sie ja überall. Diese Fußballverrückten, die sich in den Farben ihres Lieblingslands kleiden, schminken und betrinken. Solche Nationalisten sind der AntiFa und den AntiNationalisten aber ein Dorn im Auge. Deshalb also das Einlassverbot. Wer als Fan seiner Nationalmannschaft gekleidet auf die Veranstaltung gehen wollte, hatte Pech gehabt.

Dass er oder sie sich noch nie mit dem Thema der Nationen auseinandergesetzt hatte, half da leider nicht weiter. Genauso wenig die Ausrede, dass man Achmed heiße und trotzdem die deutsche Mannschaft durch das Tragen eines Trickots unterstütze. So wurden denn Fußballfans, die nach dem Public-Viewing am Jugendzentrum vorbeigingen angepöbelt und getreten. Sie waren unerwünscht und bekamen dies mit voller Härte zu spüren. Ein voller Erfolg für die AntiFa.

Warum aber dieser Hass gegenüber Nationen? Warum entlädt sich dieser Hass in Gewalt?

Zum Thema Gewalt muss man wohl nichts sagen, außer dass sie der Masse innewohnt und rein menschlicher Natur ist. Zum Thema der Nationen jedoch, muss ich doch feststellen, dass man genauso gut auch der AntiFa ein Verbot aussprechen hätte können. Nationen sind Zusammenschlüsse von Menschen, um organisatorische Probleme und Hindernisse zu überwinden. Solche Körperschaften, die sich auf ein Gebiet und ein Volk beziehen, trifft man in jeder Gruppe von Menschen an. Familien können als organisatorische Zusammenschlüsse betrachtet werden, ebenso wie Vereine, Subkulturen oder sogar die AntiFa.

Ein trauriges Beispiel dafür, wie unter dem Deckmantel der Freiheit die Freiheit der „andern“ eingeschränkt und legitimiert wird. Und dafür, wie wenig „Oberflächlichkeiten“ über Gewaltbereitschaft aussagen. Und wehe einer erzählt mir, dass es ja beim Frauenfußball gerechterweise Frauschaft heißen müsse… Idioten!



Urlaub am Meer
Mai 11, 2012, 2:37 am
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Aloha Leute! Heuer habe ich mir, nach harter Arbeit, 5 Tage Urlaub gegönnt. Am Montag gings los. Mein spontaner Entschluss eine Freundin zu besuchen wurde verstärkt durch den Umstand, dass ich, mittlerweile nur noch mit den Öffentlichen unterwegs, für ein paar Tage das Auto eines Freundes „bewachen“ musste. Audi, mehr sag ich nicht… Born 2 be wild, man – wild!

Meine Spritztour in die Unabhängigkeit führte mich hinab ins schöne Allgäu. Ich ließ das Navi aus, notierte mir im Voraus nur die wichtigsten Städte, vergaß natürlich meine Notizen, kämpfte mit der Alarmanlage, verlor beinahe; wunderte mich über das Piepsen beim Rückwärtsfahren, verfuhr mich nur zwei mal um insgesamt 2 Kilometer – jawoll – und genoss meinen Trip über die kurvenreiche Schwäbische Alb, die zwischen mir und dem Allgäu liegt, wie Monika Lewinsky in der Präsidentensuite. Musikalisch untermalt von den Beastie Boys (Album: Check Your Head).

Wir vebrachten einen schönen Abend, an dem wir unser Wiedersehen gebührend feierten. Meine Gastgeberin gehört zu den Frauen mit Charakter, den man nicht versteht, ihn nicht verstehen kann, aber auch gar nicht muss. Man muss nur verstehen, dass sie verstanden werden will und dabei legt sie viel Selbstverständnis an den Tag. Da auch ich zu diesen Menschen gehöre, plauderten wir fast nur über uns und erhielten dadurch sehr intime Einsichten. Ich würde es als eines dieser Gespräche bezeichnen, die man als konstruktiv im Gedächtnis behält. Wären da nicht zwei Flaschen Prosecco, ein Sekt und ein Wein gewesen… Spaß hat es mit Sicherheit gemacht!

Am nächsten Tag verabschiedete sie mich mit dem Tip, den Trip zum Bodensee zu vergolden. Keinen Gedanken verschwendet, brauste ich mit 200 Sachen auf der Autobahn in Richtung Lindau. Lindau liegt in Deutschland und direkt im Anschluss an Bregenz und Bregenz liegt in Österreich. Und beide liegen am östlichen Bodensee. In Lindau angelangt, schlenderte ich zuerst in die Innenstadt und redete ein paar Fremde an, indem ich mir Auskunft über die nächste Bank verschaffte. Ein Audi auf 200 verbraucht viel Sprit.

Dann ging ich ans Bodenseeufer und ließ mich darnieder. Ich zelebrierte meinen Aufenthalt durch das Bewusstsein, Urlaub zu haben. Und natürlich wegen dem See. Ich liebe Wasser. Dazu muss es in größeren Dimensionen vorhanden sein, weshalb mich ein Glas Sprudel nicht umhaut. Aber wenn es bis zum Horizont reicht, wenn es Wellen macht und wenn die Möven am Ufer chillen, dann geht mir einer ab wie Lutzi. Von Zeit zu Zeit brauche ich das. Es weckt das Kind in mir, welches viel zu oft erwachsen sein muss.

Ich saß also am Ufer, rief meiner Mom an und hielt das Telefon zur rauschenden Brandung. An diesem Tag ließ die Brandung so sehr zu wünschen übrig, dass die Frau Mama absolut keinen Dunst hatte, wo ich da war. Überraschungseffekt dahin, aber was soll’s. Ihr Neid über meinen Aufenthaltsort war auf jeden Fall rießig. Danach verbrachte ich noch beinahe zwei Stunden am Wasser. Ich schloss die Augen und hörte das sanfte Pflätschern der Wellen auf den Ufersteinen. Ich roch den Duft von Fischgrund und stellte mir vor, ich wäre am Meer. Absolute Freiheit. Der ich und der Ozean.

Dann bestieg ich mein Stahlgeschoss und fuhr zurück nach Hause. Kaum war ich zuhause, fing der warme Sommerregen an. Das nenne ich Glück, weil Autofahren ohne offene Fenster wie Aufzugfahren ist. Oder Flugzeug fliegen. Trockene Gebläßeluft gegen den frischen Fahrtwind, der meine Halbglatze durcheinander wirbelt wie Heavy Metal. Get your Motor runnin‘!

Zuhause setzte ich meinen Urlaub fort, indem ich mit Freunden die warmen Sommerabende auf der Terrasse genoss, eine Flußkahntour startete und die Strandlatschen bei jedem Schritt über den Boden schleifen lies. Hang Loose, Dude!

Heute Nacht wollte ich ins Bett fallen und schlafen wie ein Stein, aber lautes Gebrüll brachte mich um die Nachtruhe. Einer meiner Nachbarn war wütend auf die Gesellschaft, betrunken und zum Glück trotzdem Gesprächsbereit, als ich mich in Boxershorts und T-Shirt auf ihn zubewegte.

Er wollte reden, das war klar, aber ich musste ihm ausdrücklich zu verstehen geben, dass er sein Maul zu halten hatte, bis ich mit Hosen an, wieder kam. Er hielt sich daran und die andern Nachbarn, die ihr Licht angeschaltet hatten, machten es wieder aus und gingen zurück ins Bett. Wir redeten gut eine Stunde, bis er wieder ruhig war und verstanden hatte, dass er sich im Endeffekt nur zum Affen machte. Motiv hin oder her, sternhagelvoll auf einer Party, aus dem Nichts heraus, andere Gäste zu beleidigen, ist affig.

Ich schloss meine Rede ab mit des Meisters schlauen Worten: „Furcht, Zorn, aggressive Gefühle führen auf die Dunkle Seite der Macht, Dude. Die dunkle Seite.“ (Anm.: grammatikalisch verändert durch den Autor). Mein Urlaub war ein voller Erfolg! Die Kur, die ich brauchte.

Aloha und schlaft gut! Ich sicherlich…



Q-Cells – oder das globale Karma schlägt zurück.

Der Solaranlagenhersteller Q-Cells hat Insolvenz angemeldet. Als einer der Gründe für den Niedergang wird die Billigkonkurrenz aus China angeführt. Die Chinesen! Jesses, haben die denn keinen Respekt!? Sogar die Tagesschau titelt damit.

Dabei ist das alles doch garnicht so unmoralisch – zumindest, wenn man Deutschland als Maßstab für Wirtschaftsmoral hernimmt. Denn Deutschland gehört zu den Hauptexportländern dieser Welt. Es gibt Länder, auf der ganzen Welt, sogar mitten in Europa, die unter der Billigkonkurrenz aus Deutschland leiden und deren eigene Wirtschaftskraft deshalb kränkelt.

So gibt es europäische Länder, die unmengen eigenener, qualitativ hochwertiger Agrarprodukte wegwerfen müssen, weil deutsche Lebensmittel trotz Aus- und Einfuhrzöllen noch billiger sind, als die direkt vor Ort geernteten und produzierten Lebensmittel. Ganz zu schweigen von vielen afrikanischen Ländern, deren Bemühungen um eigene Landwirtschaft im Kern erstickt wird, weil kein Geld reinkommt, weil unsere deutsche Wirtschaft den Markt dort kontrolliert.

Damit die deutsche Landwirtschaft auch gewinnbringend den ausländischen Markt erobern kann, wird sie durch Subventionen von Vater Staat unterstützt. Dadurch werden Zölle bezahlbar. Um unseren Status einer Weltwirtschaftsmacht zu behaupten, nehmen wir gerne in Kauf, dass andere Länder abhängig bleiben. Nur so geht das. Jeder Dealer weiß das.

China – ein kommunistisches Land weit, weit weg von Deutschland und Europa, am jetzigen Tage. Um eigene Staatsmacht aufrecht zu erhalten, wurden neue Geldquellen erschlossen. Denn ohne Geld geht nichts. Der milliardengroße Markt verspricht Einnahmen in ungeahnter Höhe. Jeder Chinese braucht ein Mobile Phone, jeder braucht ein Auto, einen Fernseher, Kondome – bitte!

Deutschland hat großes Interesse an diesem Markt. Abkommen mit China wurden geschlossen, Zölle niedrig gehalten und Firmen nach Fernost verfrachtet. Da China eh auf alles scheißt – wer Menschenrechte missachtet, wird wohl kaum Wirtschaftsrechte achten – muss die deutsche Politik sorgsam mit dem mächtigen Partner umgehen. Damit Deutschland in China noch eine Zeit lang absahnen kann, wurde den Chinesen wiederrum erlaubt, auf dem deutschen Markt mitzumischen. Will man chinesische Produkte vom deutschen Markt fernhalten, würden die Chinesen ihrerseits sofort deutsche Produkte aus ihren Regalen verbannen. Das wär doch blöde.

Was hier also geschehen ist, ist mal wieder eine Ausformung der „What goes around, comes around“-Formel. Wie es in den Wald schreit, schreit es auch zurück.

Ich will niemand für Dumm verkaufen. Schon garnicht die Q-Cells Mitarbeiter, die jetzt wieder zur Zeitarbeit rennen dürfen. Ich will damit nur sagen, dass es zum Lauf der derzeitigen Dinge gehört und wir mit solchen Ergebnissen rechnen müssen. Und dass es meiner Meinung nach reiner Populismus ist, den bösen Chinesen die Schuld daran zu geben. Da war die Tagesschau mal wieder nicht sehr umsichtig.



Paulis Paket

Es war Sommer und Pauli schaute aus dem Fenster. Er blickte über den Hinterhof und sah die Mülltonnen, die abgestellten Fahrräder, die Gardinen in den Fenstern und den Postboten mit einem großen Paket unter dem Arm. Pauli rannte zur Wohnungstür und hinunter zum Hauseingang, wobei er beinahe über Konrads Fahrrad stolperte. Er nahm dem Postboten das Paket ab und brachte es in seine Wohnung. Das Paket stellte er auf den Boden des Wohnzimmers. Es war gut vierzig mal vierzig mal vierzig Zentimeter groß und mit braunem Klebeband verschlossen.

Pauli ging in die Küche und holte ein großes Messer aus der Schublade. Mit dem Messer in der Hand ging er zurück ins Wohnzimmer. Das Paket war nicht mehr da. Pauli suchte im Wohnzimmer, im Bad, im Schlafzimmer und im Klo. Die Wohnungstür war fest verschlossen. Das Paket war weg. Also brachte er das Messer zurück in die Küche. Da er Hunger hatte, machte er sich ein leckeres Toastbrot mit Käse und Wurst. Er spülte seinen Teller ab und ging zurück ins Wohnzimmer.

Dort stand ein großes Paket auf dem Boden. Pauli musterte es von allen Seiten. Es war das gleiche Paket, das er vor wenigen Minuten noch vermisst hatte. Um es dieses Mal nicht wieder suchen zu müssen, nahm er das Paket und brachte es in die Küche, wo er aus der Schublade ein großes Messer holte. Mit dem Messer schnitt Pauli das Klebeband durch. Oben, rechts, unten und links. Dann war Pauli müde und er ging ins Bett.

Am nächsten Morgen wurde Pauli von der Türklingel geweckt. Er rannte hinunter zum Hauseingang, wobei er beinahe über Konrads Fahrrad stolperte. Vor der Tür stand der Postbote mit einem großen Paket unter dem Arm. Pauli nahm das Paket entgegen und brachte es hinauf in seine Wohnung. Er stellte das Paket auf den Boden des Wohnzimmers. Ihm fiel ein, dass er noch gar nicht geschaut hatte, was sich in dem anderen Paket befand.

Pauli ging in die Küche und öffnete das Paket, das er am Vorabend dort hatte stehen lassen. In dem Paket waren ein kleiner Anhänger und ein Brief. Der Anhänger hatte die Form eines Sterns und war wohl aus Gold. Pauli steckte den Anhänger in seine Hosentasche. Dann öffnete er den Brief und laß ihn laut vor:

Lieber Pauli, du musst schnell aus Deutschland flüchten. Die Nazis kommen und werden dich töten, weil du anders bist. Da Pauli Hunger hatte, ging er in die Küche und machte sich eine leckeres Toastbrot mit Käse und Thunfisch. Durch das Essen wurde er müde und so legte sich Pauli in sein Bett.

Ein paar Stunden später stand er wieder auf. Er ging ins Wohnzimmer und sah ein großes Paket auf dem Boden stehen. Er dachte kurz nach, dann ging er in die Küche, um ein großes Messer zu holen. Als Pauli zurück ins Wohnzimmer kam, war das Paket verschwunden. Da ihm all das bereits passiert war, blieb Pauli einfach stehen, bis das Paket wieder auftauchte. Er öffnete es und fand darin einen kleinen goldenen Anhänger in Form eines Vogels und einen Brief.

Pauli öffnete den Brief und laß ihn laut vor: Lieber Pauli, du musst schnell aus Deutschland flüchten. Die Nazis werden kommen und dich töten, weil du anders bist. Da rannte Pauli schnell hinunter zum Eingang, stolperte über Konrads Fahrrad und landete gesichtvoraus auf dem Boden. Er riss sich wieder auf die Beine, rannte zur Tür hinaus auf den Hinterhof und verließ das Land für immer. Pauli wurde trotz seiner Behinderung 53 Jahre alt und überlebte den Krieg.