mal sehen


Nationen müssen draußen bleiben!

Es sollte eine lustiges Wochenende irgendwo in einer Stadt in Deutschland werden. Das ansässige Jugendzentrum hat zum Jubiläum geladen und auf drei Floors und an zwei Tagen ein buntes Programm für alle Interessierte geboten. Der Eintritt war selbstverständlich kostenlos. Schließlich soll kein Jugendlicher auf Grund seiner finanziellen Möglichkeiten außenvor bleiben. Schrankenloses Feiern auf drei Floors und mit verschiedenen Musikrichtungen.

Alles ganz schön, wenn da nicht die Einschränkung des Veranstalters gewesen wäre, dass alle, die die Farben einer Nation tragen, unerwünscht sind. Derzeit sieht man sie ja überall. Diese Fußballverrückten, die sich in den Farben ihres Lieblingslands kleiden, schminken und betrinken. Solche Nationalisten sind der AntiFa und den AntiNationalisten aber ein Dorn im Auge. Deshalb also das Einlassverbot. Wer als Fan seiner Nationalmannschaft gekleidet auf die Veranstaltung gehen wollte, hatte Pech gehabt.

Dass er oder sie sich noch nie mit dem Thema der Nationen auseinandergesetzt hatte, half da leider nicht weiter. Genauso wenig die Ausrede, dass man Achmed heiße und trotzdem die deutsche Mannschaft durch das Tragen eines Trickots unterstütze. So wurden denn Fußballfans, die nach dem Public-Viewing am Jugendzentrum vorbeigingen angepöbelt und getreten. Sie waren unerwünscht und bekamen dies mit voller Härte zu spüren. Ein voller Erfolg für die AntiFa.

Warum aber dieser Hass gegenüber Nationen? Warum entlädt sich dieser Hass in Gewalt?

Zum Thema Gewalt muss man wohl nichts sagen, außer dass sie der Masse innewohnt und rein menschlicher Natur ist. Zum Thema der Nationen jedoch, muss ich doch feststellen, dass man genauso gut auch der AntiFa ein Verbot aussprechen hätte können. Nationen sind Zusammenschlüsse von Menschen, um organisatorische Probleme und Hindernisse zu überwinden. Solche Körperschaften, die sich auf ein Gebiet und ein Volk beziehen, trifft man in jeder Gruppe von Menschen an. Familien können als organisatorische Zusammenschlüsse betrachtet werden, ebenso wie Vereine, Subkulturen oder sogar die AntiFa.

Ein trauriges Beispiel dafür, wie unter dem Deckmantel der Freiheit die Freiheit der „andern“ eingeschränkt und legitimiert wird. Und dafür, wie wenig „Oberflächlichkeiten“ über Gewaltbereitschaft aussagen. Und wehe einer erzählt mir, dass es ja beim Frauenfußball gerechterweise Frauschaft heißen müsse… Idioten!



Klarinettenkonzert in der City

Als ich gerade durch die Stadt lief und mich nach dem Kauf eines 2,99-Euro-Buches auf die Stufen am Marktplatz setzte, fingen zwei Straßenmusiker an zu spielen. Der eine mit Klarinette, der andere mit Gitarre. Nichts künstlerisch Wertvolles, wer jetzt sonstewas erwartet, aber vollkommen ausreichend.

Von oben konnte ich die Situation schön betrachten. Es war reges Getümmel auf dem Platz. Einzelne Menschen, Familien mit Kindern, Familien (Paare) ohne Kinder, Kinder pur, Freunde, Arbeiter. Menschen. Die Musik gefiel mir. Swingige Dudelmusik. Nun aber lautete der Titel meines neu gekauften Buches „I Did It My Way“. Und was spielen die zwei betagten und begabten Herren? „My Way“ von „Old Blue Eyes“ Franky Sinatra. Ein Klassiker, den jeder Straßenmusiker drauf hat. Ist so. Und das Buch habe ich gewählt, weil es die wahre Geschichte eines Mannes im New York der fünfziger Jahre erzählt. Sowas mag ich.

In meinen Augen ist das alles sicherlich ein netter Zufall, aber ohne weitere Bedeutung. Außer der, dass der Zufall so erstaunlich sein kann, dass es nicht verwundert, wenn „leichtgläubige“ Menschen dann an „mehr“ denken. Wobei es keine Herabwürigung bedeuten soll, wenn ich von „leichtgläubig“ spreche. Denn Assoziationsfähigkeit, Fantasie, ein Bedürfnis nach Geborgenheit und Egoismus sitzen in jedem von uns. Egoismus deshalb, weil der Glaube an Bestimmung oder Schicksal, eingeleitet oder ausgeführt von so vielen unabhängigen Faktoren, voraussetzt, dass man sich selbst als Ziel dessen versteht. Alle Personen würden also letztlich dem Plan folgen, der nur im Kopf eines Einzelnen zum Erfolg führt. Ein Ziel gibt es dabei aber nicht. Es ist das zwangsläufige Zusammentreffen eines Repertoirs an Erfahrungen, Handlungen, Wissen und Menschen, die, im selben Kulturkreis, sehr ähnliche Repertoires besitzen. Warum Geborgenheit? Weil Geborgenheit sich schon dadurch ergibt, dass man weiß, dass jemand an einen denkt. Der Gedanke, eine übermenschliche Kraft hätte diesen Moment, diese Gedanken geschaffen, um quasi „hey du da“ zu sagen, lässt im simplen Mensch schon so etwas wie Geborgenheit aufkommen. Kommt rüber, was ich sagen will?

Die Musiker spielten noch ein bisschen. Die Menschen gingen an ihnen vorüber. Manche lauschten kurz, andere unterhielten sich (direkt oder mit Handy), einige hörten nichts von der Musik, sondern lieber Billy Talent. Wenige blieben stehen oder sitzen. Dann setzte der Regen ein und hörte nach einer Minute auch schon wieder auf. Aber den zwei Musikern war das Zeichen genug, die Koffer zu packen. Mir dann auch. Ist das Leben nicht wundervoll!? Ja!