mal sehen


Nur nicht aufs Oktoberfest!

Letztes Wochenende war ich, pünktlich zur Oktoberfesteröffnung, in München. Allerdings mache ich zehn Kreuze vor solchen Veranstaltungen, da ich in meiner Jugend genug Zeit und Geld auf solchen Sauffesten vergeudet habe. Mein Reisegrund war ein Freund, der erst seit wenigen Wochen in der bayerischen Landeshauptstadt lebt und arbeitet. Über einen Bekannten habe ich noch eine Mitfahrgelegenheit vermittelt bekommen, so dass ich in den Genuss eines kleinen Roadtripps quer durch die deutschen Lande kam.

Ich muss ja gestehen, ich liebe München und jeder, der noch nie da war, sollte sich die 1,4 Millionen-Stadt einmal anschauen.  Mit Ausnahme des Oktoberfests natürlich. Die berühmt berüchtigte Münchner Schickeria gehört genauso zum Charme der Stadt, wie die abertausend Hasen, die sich entlang der Bahntrasse und in den Parkanlagen tummeln. Wer Glück hat, kann sogar den Surfern an der stehenden Welle im Eisbach bei ihren waghalsigen Maneuvern zu sehen. München ist schön so wie es ist und es darf so sein, weil es so sein muss.

Nun, wie es mir eben so geht, treffe ich ja überall Menschen, die ich kenne. So also auch in München. Mein Gastgeber und ich waren im Backstage, einem Club, der für nur sieben Euro Eintritt eine jede Menge Abwechslung und Unterhaltung für wirklich jeden Geschmack auf verschiedenen Floors bietet. Von Metal über Punk bis 80er/90er, Elektro und Dubstep. Alles gleichzeitig und an einem Abend und quasi für Umme, wenn man den Preis betrachtet. Genug der Werbung, zurück zum Geschehen.

Ich ging gerade zu einer der unzähligen Bars, um mir ein Bier zu bestellen, da dachte ich mir noch, wo sind die bekannten Gesichter? An der Bar blickte ich nach links und tatsächlich sah ich ein mir bekanntes Gesicht. Ein Typ aus meiner alten Heimat, den ich allerdings nur vom Sehen her kannte. Also fragte ich vorsichtshalber, ob er auch von dort sei. Er antwortete, dass er aus Spanien komme. Ich habe keine Ahnung, warum er seine Heimat verleugnet, denn so schlecht ist’s da ja auch nicht. Ein bisschen verärgert, weil ich mir so sicher war, wiederholte ich meine Frage. In dem Moment fiel auch schon mein Name. Drei andere Landsleute waren zu uns gestoßen und zwei davon kannten mich. Dem Typ aus Spanien warf ich einen „wusst-ichs-doch“-Blick zu und ignorierte ihn für den Rest des Abends. Verkackt eben, selber schuld…

Die anderen beiden freuten sich aber, genauso wie ich, über das Wiedersehen. Einen von ihnen kenne ich, seit er vier oder sogar drei Jahre alt war. Seine Schwester war mit mir im Kindergarten und in der Schule. Mittlerweile wohnt er im fernen Genf, um dort seinen Doktor in Astrophysik zu machen. Mein Gott, wie doch die Zeit vergeht. Die ganze Truppe war auch nur aus Zufall und aus Oktoberfesthass im Backstage gelandet, um den Junggesellenabschied des Doktoranten zu feiern. Das war natürlich noch ein Grund, warum wir unser glückliches Wiedersehen noch überschwinglicher feierten.

Auf die Frage, wie er sich so kurz vor seiner Hochzeit fühle, sagte er „gut!“. Nach all den Jahren, in denen er sich seine Freundinnen nach irgendwelchen Kriterien ausgesucht hatte, traf er diese Frau, die so garnicht in sein Schema passte, und – zack – nun heirateten sie und waren glücklich. Das Andere, Ungewollte und Gegensätzliche schweißte sie zusammen. Schön, wenn jemand so glücklich ist! Gratulation!

Gegen fünf Uhr morgens trennten sich unsere Wege und mein Gastgeber und ich gingen zu Fuß nach Hause. Es war ein sehr entspanntes und erholsames Wochenende!



Urlaub am Meer
Mai 11, 2012, 2:37 am
Filed under: Geschichten, Mal sehen | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Aloha Leute! Heuer habe ich mir, nach harter Arbeit, 5 Tage Urlaub gegönnt. Am Montag gings los. Mein spontaner Entschluss eine Freundin zu besuchen wurde verstärkt durch den Umstand, dass ich, mittlerweile nur noch mit den Öffentlichen unterwegs, für ein paar Tage das Auto eines Freundes „bewachen“ musste. Audi, mehr sag ich nicht… Born 2 be wild, man – wild!

Meine Spritztour in die Unabhängigkeit führte mich hinab ins schöne Allgäu. Ich ließ das Navi aus, notierte mir im Voraus nur die wichtigsten Städte, vergaß natürlich meine Notizen, kämpfte mit der Alarmanlage, verlor beinahe; wunderte mich über das Piepsen beim Rückwärtsfahren, verfuhr mich nur zwei mal um insgesamt 2 Kilometer – jawoll – und genoss meinen Trip über die kurvenreiche Schwäbische Alb, die zwischen mir und dem Allgäu liegt, wie Monika Lewinsky in der Präsidentensuite. Musikalisch untermalt von den Beastie Boys (Album: Check Your Head).

Wir vebrachten einen schönen Abend, an dem wir unser Wiedersehen gebührend feierten. Meine Gastgeberin gehört zu den Frauen mit Charakter, den man nicht versteht, ihn nicht verstehen kann, aber auch gar nicht muss. Man muss nur verstehen, dass sie verstanden werden will und dabei legt sie viel Selbstverständnis an den Tag. Da auch ich zu diesen Menschen gehöre, plauderten wir fast nur über uns und erhielten dadurch sehr intime Einsichten. Ich würde es als eines dieser Gespräche bezeichnen, die man als konstruktiv im Gedächtnis behält. Wären da nicht zwei Flaschen Prosecco, ein Sekt und ein Wein gewesen… Spaß hat es mit Sicherheit gemacht!

Am nächsten Tag verabschiedete sie mich mit dem Tip, den Trip zum Bodensee zu vergolden. Keinen Gedanken verschwendet, brauste ich mit 200 Sachen auf der Autobahn in Richtung Lindau. Lindau liegt in Deutschland und direkt im Anschluss an Bregenz und Bregenz liegt in Österreich. Und beide liegen am östlichen Bodensee. In Lindau angelangt, schlenderte ich zuerst in die Innenstadt und redete ein paar Fremde an, indem ich mir Auskunft über die nächste Bank verschaffte. Ein Audi auf 200 verbraucht viel Sprit.

Dann ging ich ans Bodenseeufer und ließ mich darnieder. Ich zelebrierte meinen Aufenthalt durch das Bewusstsein, Urlaub zu haben. Und natürlich wegen dem See. Ich liebe Wasser. Dazu muss es in größeren Dimensionen vorhanden sein, weshalb mich ein Glas Sprudel nicht umhaut. Aber wenn es bis zum Horizont reicht, wenn es Wellen macht und wenn die Möven am Ufer chillen, dann geht mir einer ab wie Lutzi. Von Zeit zu Zeit brauche ich das. Es weckt das Kind in mir, welches viel zu oft erwachsen sein muss.

Ich saß also am Ufer, rief meiner Mom an und hielt das Telefon zur rauschenden Brandung. An diesem Tag ließ die Brandung so sehr zu wünschen übrig, dass die Frau Mama absolut keinen Dunst hatte, wo ich da war. Überraschungseffekt dahin, aber was soll’s. Ihr Neid über meinen Aufenthaltsort war auf jeden Fall rießig. Danach verbrachte ich noch beinahe zwei Stunden am Wasser. Ich schloss die Augen und hörte das sanfte Pflätschern der Wellen auf den Ufersteinen. Ich roch den Duft von Fischgrund und stellte mir vor, ich wäre am Meer. Absolute Freiheit. Der ich und der Ozean.

Dann bestieg ich mein Stahlgeschoss und fuhr zurück nach Hause. Kaum war ich zuhause, fing der warme Sommerregen an. Das nenne ich Glück, weil Autofahren ohne offene Fenster wie Aufzugfahren ist. Oder Flugzeug fliegen. Trockene Gebläßeluft gegen den frischen Fahrtwind, der meine Halbglatze durcheinander wirbelt wie Heavy Metal. Get your Motor runnin‘!

Zuhause setzte ich meinen Urlaub fort, indem ich mit Freunden die warmen Sommerabende auf der Terrasse genoss, eine Flußkahntour startete und die Strandlatschen bei jedem Schritt über den Boden schleifen lies. Hang Loose, Dude!

Heute Nacht wollte ich ins Bett fallen und schlafen wie ein Stein, aber lautes Gebrüll brachte mich um die Nachtruhe. Einer meiner Nachbarn war wütend auf die Gesellschaft, betrunken und zum Glück trotzdem Gesprächsbereit, als ich mich in Boxershorts und T-Shirt auf ihn zubewegte.

Er wollte reden, das war klar, aber ich musste ihm ausdrücklich zu verstehen geben, dass er sein Maul zu halten hatte, bis ich mit Hosen an, wieder kam. Er hielt sich daran und die andern Nachbarn, die ihr Licht angeschaltet hatten, machten es wieder aus und gingen zurück ins Bett. Wir redeten gut eine Stunde, bis er wieder ruhig war und verstanden hatte, dass er sich im Endeffekt nur zum Affen machte. Motiv hin oder her, sternhagelvoll auf einer Party, aus dem Nichts heraus, andere Gäste zu beleidigen, ist affig.

Ich schloss meine Rede ab mit des Meisters schlauen Worten: „Furcht, Zorn, aggressive Gefühle führen auf die Dunkle Seite der Macht, Dude. Die dunkle Seite.“ (Anm.: grammatikalisch verändert durch den Autor). Mein Urlaub war ein voller Erfolg! Die Kur, die ich brauchte.

Aloha und schlaft gut! Ich sicherlich…