mal sehen


Im Irrenhaus

Ich lebe in einem Irrenhaus. Das ist kein Witz und auch kein Spaß, das ist der helle Wahnsinn. Hier leben so verrückte Menschen, Paradiesvögel, Junkies und so wenige normale Menschen, dass ich dieses Haus als Irrenhaus bezeichne, ohne mit der Wimper zu zucken. Kein bisschen!

Und weil ich ganz unten im Erdgeschoss lebe, begegne ich zwangsläufig früher oder später jedem Bewohner mindestens einmal. Bei manchen bleibt es bei diesem einem Mal, bei anderen würde ich es mir wünschen. Ich würde, aber nur „würde“, denn wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es mein letzter Wunsch, dieses Irrenhaus und all seine Einwohner nie gesehen zu haben. Insgesamt gibt es hier 84 Mietparteien auf 14 Stockwerken zu je sechs Wohneinheiten. Im Treppenhaus stehen Pflanzen und im Aufzug lustige Sprüche sexgeiler Naseweise und spätpubertierender Revoluzzer. „Viva Fidel vs. Bums Fidel“, zum Beispiel. Oder „Fighting For Peace Is Like Fucking For Virginity“, welcher mir persönlich am Besten gefällt.

Wenn man mit dem Aufzug ganz nach oben fährt, erreicht man über eine Treppe die Dachterrasse, kurz „Terrasse“ genannt. Hier findet man im Sommer zahlreich die Bewohner des Hauses, auf Liegestühlen und Sofas sitzend, grillend oder in Planschbecken liegend. Auf den ersten Blick scheint alles normal in dieser Oase, aber auf den Zweiten entdeckt man zum Beispiel Sergej, der eine riesen Tüte raucht, oder Bob aus den Staaten, der seinen siebten Absinth hinunter spült, oder Simone, die anderen, staunenden Mädels ihre Nagellacke präsentiert. Das alles findet nebeneinander und mit jeglicher Normalität statt, so dass Sergej, mit Tüte in der Hand, zu Simone geht und sich über die neuesten Trends der Nagellackindustrie informieren lässt. Dann kommt die alte Frau Katarina daher, stellt eine ihrer verwirrten Fragen, nimmt sich ein Glas Fruchtbowle, die die Mädels zubereitet haben und geht weiter zu Bob, um ihn nach seiner Meinung über die Bedeutung des Wortes „interrogation“ auszuquetschen. Bob steigt natürlich sofort darauf ein, schüttet sich aber noch einen Schluck Absinth ins Glas, damit die Kehle feucht bleibt. So ungefähr findet das Leben in diesem Haus statt. Es ist wie eine große Familie. Man kennt sich, akzeptiert sich und hat sich sogar lieb.

Probleme gibt es nur mit unserem Hausverwalter. Dieser lässt sich immer neue Schikanen und Witze einfallen, mit denen er sein mickriges Ego auf Vordermann bringen kann. Leider nimmt ihn niemand mehr ernst. Nicht einmal Sergej, der ab und zu mehrere Tage am Stück auf LSD durch das Haus geistert. Er ist harmlos und von Herzen gut. Eines unserer Sorgenkinder. Wenn er trippt, klingelt er mal hier mal dort, wird hereingelassen und erzählt Geschichten, die entweder psychotisch oder total hirnverbrannt daher kommen.

Als ich Sergej das erste Mal sah, war ich gerade dabei, meine Möbel in meine Wohnung im Erdgeschoss zu bringen. Ich wuchtete einen viel zu überdimensionierten Sessel durch die Eingangstür, während Sergej meinen Gesundheitszustand zu analysieren versuchte. Erschöpft ließ ich mich auf den Sessel, der nun zumindest im Eingangsbereich meiner neuen Wohnung stand, nieder und hörte mir seine Rede an. Sergej starrte mir in die müden Augen, ließ mich meine Zähne blank zeigen und fasste mir an die Brust. Das einzige was ich von diesem seltsamen Typ mit seinem seltsamen Blick und dem rastlosen Körper bis dahin wusste, war, dass er sich Sergej nannte und auch in diesem Haus lebte. Was er über mich wusste und analysierte war jedoch noch viel weniger. Mir mangele es an Calcium, an Magnesium, an allem, insbesondere an Ionen. Lediglich meine Leber sein tipp topp in Form, was mich überraschte, weil ich vor allem deshalb so erschöpft und apathisch seinen wirren Worten folgte, weil ich am Vorabend meinen Auszug mit Pauken und Trompeten und zu viel Alkohol gefeiert hatte.

Da stand also plötzlich Sergej vor mir und ich wusste nicht, ob er mich provozieren oder verarschen will. Mir war es egal und ich fing an, ihn zu testen. „Ob er Ionen kaufen wolle“, habe ich ihn gefragt. „Oder Calcium in großen Mengen“. Sein Blick wurde plötzlich wild. Seine Augen fixierten mich, fraßen sich in mich und sein Mund wurde trocken. „Reinstoffe! Wenn ich Reinstoffe haben will, gehe ich zu meinem Freund. Der besorgt mir alles. Amphetamin, LSD, Silizium, Koks.“. Mit diesen Worten war mir klar, dass ich in die richtige Richtung getestet hatte. Wäre ich Polizist gewesen, sein Freund hätte ihm den Hals umgedreht. Aber Sergej hat keine Angst vor Konsequenzen mehr. Zum einen, weil er keine Ziele mehr hat und zum anderen, weil er ständig zugedrönt ist. Er lebt im hier und jetzt und hier und jetzt und hier und jetzt. Was aus Neugier und Spaß begann wurde zum Alltag, dann zum Alibi und schließlich zum Auffangbecken seiner gescheiterten Existenz. Nur seiner Intelligenz und seiner Herzensgüte hat er es zu verdanken, dass er immer wieder gerade noch die Kurve kriegt, bevor man ihn auf die Straße setzt. Zwar bezahlt ihm das Amt die Wohnung, aber ab und zu leistet er sich doch ein paar Dinge, die nicht tragbar sind. Und nur weil wir alle im Irrenhaus auch ein bisschen Irre sind, setzen wir uns für ihn ein und verschonen ihn vor der harten Realität, die ihn womöglich total ruinieren würde. Abgesehen von einem Entzug. Aber den will er nicht und so wäre er sicherlich nicht dauerhaft.

Ich tue mir schwer damit, ihn nicht dem eiskalten Psychatriesystem auszuliefern, aber andererseits fehlt mir die Energie, weil ich dann diesen Freund nicht alleine lassen wollen würde. Nach all der Zeit in diesem Haus, bin ich ein Teil von ihm geworden. Ich habe hier Dinge erlebt, die ich noch nie zuvor erlebt habe. Viele waren großartig, aber manche eben nicht. Und weil man hier nie seine Ruhe hat, findet man selten die Zeit, das Erlebte richtig zu verarbeiten. Für mich ist das Schreiben deshalb sehr wichtig geworden. Genauso wie die Zeit außerhalb, die ich mit Freunden und Bekannten aus aller Welt und überall genießen kann.

Jetzt ist es spät und ich werde ins Bett gehen. Wenn ich Lust habe, erzähle ich mal wieder was über das Irrenhaus, in dem ich Lebe. Es gibt auf jeden Fall noch viele spannende Geschichten. Allein Sergej könnte Bücher füllen, aber auch unser Hausvorstand haut viele unterhaltsame Vögel raus…



Freunde verlieren
Oktober 8, 2012, 6:36 pm
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Manchmal verliert man Freunde ganz schlagartig, manchmal durch schrittweise Entfremdung. Beide Male ist es ein Verlust. Der plötzliche, ungeahnte Verlust ist schwer, weil von einem Moment auf den anderen alles Weg ist. Bei einer langsamen Entfremdung kann man quasi beobachten, wie es zerbröckelt.

Entweder steuert man dann dagegen oder man nimmt es hin. Das kommt ganz darauf an, wie wichtig einem diese Freundschaft ist. Freundschaften muss man pflegen, wie man so schön sagt. Und wenn die Motivation zur Pflege fehlt, dann stellt die Entfremdung keine wirkliche Last dar.

Beide Verlustmöglichkeiten sind Gang und Gäbe im Leben eines Menschen. Freunde kommen, Freunde gehen. Aber die, die man mal mochte, werden einem in Erinnerung bleiben. Die, die man nicht mochte, waren ohnehin nie richtige Freunde…

C’est la vie!



About My Tags: Frauen

Vielleicht gibt es Dinge, die Mann nicht versteht. Vielleicht sind es

Frauen.

Ein weiteres sehr interessantes Tag in meiner Tag Cloud sind die Frauen. Grundsätzlich liebe ich Frauen. Frauen sind wie Männer, aber eben Frauen. Sie haben Hobbys, sie sind eigen und sie sprechen in einer eigenen Sprache. Ihnen fehlt lediglich der Wille, sich so auszudrücken, dass es zu klaren Konsequenzen führt. Hinzu kommt, dass sie eine unbegründete Angst davor haben, strikte Konsequenzen zu akzeptieren, die a) nicht ihrem Plan entsprechen und b) aus männlichem Munde kommen. So haben Frauen mit dieser, auch als Intuition beschriebenen Fähigkeit sowohl ab und an zur richtigen Zeit den Lauf der Dinge zu unser aller Gunsten, aber auch zum Scheitern gebracht. Womit sie den Männer in nichts nachstehen…

In der Tat besitzen viele Frauen so etwas wie Intuition. Diese ist aber nicht umfassend, sondern bezieht sich nur auf einzelne Aspekte des Lebens. Für Bereiche, in denen sie sich nicht auf ihre Intuition verlassen können, legen sie sich Prinzipien zurecht. Und hier beginnt ein kleiner Teufelskreis: sobald ein Ereignis eintrifft, dass nicht intuitiv gelöst werden kann und auch nicht den festgelegten Prinzipien entspricht, bekommt eine Frau hysterische Anfälle von irrationaler Furcht, die sie in einem Streitgespräch zu kaschieren versucht. Egal wer ihr dann über die Leber läuft, er oder sie oder es hat verloren!

Natürlich sind Frauen auch ganz liebe Menschen. Zumindest meinen sie es jedes Mal ehrlich, wenn sie sagen, dass es ihnen leid tut. Je häufiger ihnen etwas leid tut, desto lieber sind sie. Nein, Spaß! Das wäre ein Widerspruch in sich. Je häufiger ihnen etwas leid tut, desto verzwickter ist ihre Komplexität. Diese Komplexität setzt sich aus den oben genannten Widersprüchen und Verhaltensweisen zusammen, welche in unterschiedlichen Gewichtungen kummulieren und gegenseitig einwirken. Das ist dann aber höhere Mathematik…

Frauen sind faszinierend. Weil sie bei den meisten Männern mehr Aufmerksamkeit erregen, als andere Männer oder sogar schnelle Autos. Frauen sind aber auch sehr schnell von etwas faszinierd. Man kann Frauen quasi alles verkaufen, was ihrem Äußeren dient. Der Dame ein Kleid und der Hausfrau eine Kitchen-Aid, damit sie wieder mehr Zeit für sich und ihr Aussehen hat. Aussehen ist Frauen wichtig. Weil Männer Frauen gerne ansehen, wenn sie gut aussehen. Die meisten Männer lassen sich nämlich von einer gut aussehenden Frau beinahe alles aus der Tasche ziehen. Nach überwiegender Frauenmeinung spielt für die meisten Männer auch nur das Aussehen eine Rolle, weshalb Frauen so Angst davor haben, nicht mehr gut auszusehen und sitzen gelassen zu werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie sich selbst in ihrer Haut wohlfühlen wollen. Aber auch das bestätigt, wie gerne Frauen einfach nur gut aussehen wollen und dafür beinahe alles tun.

Über Frauen habe ich schon einmal einen kleinen Text geschrieben, nämlich dass Frauen wie Katzen sind (manche Frauen, nicht alle). Wer sich lieber einen Hund halten will, der aufs Wort gehorcht, der wird hoffentlich trotzdem eine richtige Frau bevorzugen. Sonst wären Männer ja keine Draufgänger mehr, wenn sie wüssten, dass nichts mehr zu verlieren ist!



Guck-Augen

Gerade war ich auf dem Heimweg, als ich in einer Seitenstraße einer älteren Dame mit Krücken begegnete, die sich die Giebel der alten Fachwerkhäußer ansah und vor sich hin sprach. Ich blickte ebenfalls nach oben, um zu sehen, was sie betrachtete. Dann sagte sie: „Das ist schön!“. Ich blieb stehen und pflichtete ihr freundlich bei.

Natürlich begann die Dame daraufhin ein Gespräch mit mir. Natürlich deshalb, weil sie als älteres Semester nicht nur redebedürftig, sondern vor allem noch gewohnt daran war, mit ihren Mitmenschen in Kontakt zu treten. Schließlich sind MP3-Spieler und Kopfhörer erst neuere Erfindungen.

Das Gespräch begann über das schöne hölzerne Fachwerk und die Erker sowie die vielen Fenster, die man leider auch putzen müsse, wobei sie erklärte, dass dieser Aspekt eher fraulicher Natur sei. Sofort mussten wir beide lachen. Dann erzählte sie mir, dass sie nicht von hier sei und nur für drei Wochen in einem Pflegeheim in dieser Straße untergebracht war, bis es ihr besser gehen würde. Sie ist Jahrgang 1925, was mich überraschte, da sie bis auf ihre Krücken einen sehr agilen Eindruck hinterließ. Die habe sie wegen ihrem Wirbelsäulenkrebs. Brustkrebs hatte sie auch schon.

Sie erzählte mir von ihrem Heimatdorf, von ihrem Kater Felix und von ihrem, vor drei Jahren verstorbenen Mann, den sie Papa nannte. Außerdem von ihren vier Kindern und ihren Enkelkindern. Alles nicht sehr ausführlich, aber dass musste auch nicht sein und war mir ebenso recht… Ich hörte ihr aber gerne zu. Ich kann sogar sagen, wieviel Rente sie monatlich erhält und dass die Kasse den Heimaufenthalt bezahlt.

Nachdem sie mir etwas über ihr Leben erzählt hatte, fing sie wieder von den schönen Häußern an. Es mache sie glücklich, solche Häußer zu sehen. Keine grauen Betonklötze. Bunte, verzierte, mit verschiedenen Materialien gebaute Häußer. Die grauen Blöcke töteten die Fantasie. Aber der Mensch brauche Fantasie. Und der Mensch brauche offene Augen, um das Schöne in der Welt zu sehen. „Guck-Augen“ nannte sie diese. „Sie haben auch Guck-Augen“, sagte sie zu mir. Das sei sehr wichtig. Einfach nur seinen Weg zu gehen, ohne zu sehen, dass sei traurig.

Genauso wichtig sei Freude. Freude trägt man in sich. „Sie haben auch Freude in sich“, stellte sie wieder fest, „Freude kann man nicht kaufen und Glück kann man auch nicht kaufen. Die sind unbezahlbar! Geld ist nur dazu da, um zu kaufen, aber nicht um glücklich zu sein.“. Sie habe die Freude von ihrer Mutter geerbt, die habe viel Freude gehabt und gesungen und gepfiffen. Meine Freude hätte ich wohl auch von jemandem geerbt. Das sähe sie in meinen Augen, dass ich ein freundlicher Mensch sei, dass ich Freude am Leben habe. Freude halte am Leben. Außerdem sagte sie, dass der richtige Partner entscheident sei. Man solle jemanden lieben, der einen glücklich macht. „Mein Mann hat mich glücklich gemacht!“, sagte sie.

Sie muss es ja wissen, mit 87 Jahren, einer Brustkrebsoperation und einem tödlichen Wirbelsäulenkrebs. Weil ich selbst gerne pfeife, dafür sogar bekannt bin, bat ich sie, mir ein Lied vorzupfeifen. Sie pfiff ein Stück, dass sie von ihrer Mutter gelernt hatte und danach war sie sehr glücklich. Noch bevor ich sagen musste, dass mir die Zeit eilt, verabschiedete sie sich von mir und wünschte mir weiterhin alles Gute und viel Freude im Leben. Ich tat das Gleiche und bedankte mich, dann ging ich weiter und lächelte, ohne zu wissen, warum. Vielen Dank für dieses tolle Gespräch!



Eine Geschichte meines Großvaters

Als kleiner Junge sprach mein Opa sehr oft zu mir über sein Leben. Bevor mein Opa das Studium der evangelischen Glaubenslehre begann, war er Bomberpilot unter Adolf Hitler. Nach dem Krieg arbeitete er hier und dort, bis er sich im Klaren über seine Berufung war.

Während er mir Bilder seiner Dienstzeit, seines Flugzeugs und seiner Reisen zeigte, erzählte er mir seine erschreckenden Geschichten über den zweiten Weltkrieg. Eines Tages wurde ihm befohlen, mit seiner Manschaft einsatzbereit im Flugzeug zu warten, bis weitere Instruktionen folgen sollten. Er trommelte seine Männer zusammen, außer dem glücklichen Erwin, der für die Wartung der Fallschirme und die Sicherheit an Bord zuständig war, und zwei Tage zuvor seinen Fronturlaub angetreten hatte. Stattdessen meldete sich ein junger Gefreiter zu seinem ersten Einsatz. So gingen die Männer also zum Flugzeug und machten sich, jeder auf seinem zugeteilten Platz, bereit für den Abflug. Die Bomben mit den Sprengsätzen wurden von den Technikern an Bord gebracht. Ganze 14 Stunden mussten sie warten, bis der Befehl zum Abflug erteilt und das Ziel bekannt gegeben wurde. Es war kurz nach Mitternacht und draußen war es dunkel.

Mein Opa und die Mannschaft machten sich startklar. Dem jungen Gefreiten wurde befohlen, ruhig sitzen zu bleiben, da er die routinierten Männer nur aufhalten würde. Keine fünf Minuten nach Einsatzbefehl war die Maschine in der Luft, auf dem Weg zu einer Stadt im Osten Frankreichs. Während das Flugzeug dem Ziel näher kam, stieg die Nervosität an Bord. Zwar waren alle, bis auf den Gefreiten, schon viele solcher Einsätze geflogen, aber jeder der Männer, die im Krieg bereits starben, taten dem gleich. Können und Erfahrung waren nichts wert, wenn man unter starkem Abwehrbeschuss stand. Eine Kugel in den Tank reichte aus, um das Leben von mehreren Männern auszulöschen. Vorne im Cockpit konnte mein Opa die anderen hören, wie sie Gebete und sich gegenseitig Mut und Hoffnung zu sprachen. Dann sah er die Lichter der Stadt und die ersten Explosionen, verursacht von gleichgesinnten Bombern, die wie sie den gleichen Befehl erhielten. Der Lärm des Kampfes drang nun bereits bis zum Flugzeug und die Lichtblitze erhellten den Innenraum. Der Soldat am Maschinengewehr machte sich auf den Weg in die Kanzel am unteren Teil der Maschine. Die Männer, die für den Abwurf der Bomben zuständig waren, überprüften nochmals alle Rohre und Zündköpfe. Nur der junge Gefreite blieb regungslos auf seinem Platz und klammerte sich, schweißüberströmt, an den Sitz.

Die ersten Flakgeschosse brausten mit einem grellem Pfeifen vom Boden in den Himmel und hinterließen Rauchspuren, bis sie mit einer gewaltigen Wucht und einem hellen Feuerball in tausende Splitter zerfetzt wurden, die ihrerseits rasend schnell durch die Luft schnitten. Der Lärm war ohrenbetäubend. Über dem Ziel angekommen warfen die Männer die ersten Bomben ab. In der Maschinengewehrkanzel knatterte das MG ununterbrochen. Hektik und Geschrei brachen an Bord aus. Während mein Opa versuchte, die Flakstellungen am Boden ausfindig zu machen und zu umfliegen. Plötzlich ertönte ein lauter Knall und die Maschine erzitterte. Manche der Soldaten wurden zu Boden gerissen und das MG verstummte. Nach kurzer Zeit war klar, dass eine Flakrakete in der Nähe der Kanzel explodierte und den Soldaten darin in den Tod riss. Für die Besatzung ein Schock, aber nur ein kurzer, da der Einsatz und der Wille zu überleben wichtiger waren, als die sofortige Trauer um den Kameraden. Noch ein gewaltiger Knall und wieder erbebte das ganze Flugzeug. Während alle Männer zurück auf ihre Position sprangen, stand der junge Gefreite auf, ging zur Tür, riss sie auf und sprang aus dem Flugzeug heraus. Der plötzliche Druckabfall und der starke Wind im Innern der Maschine zwangen den Einsatz zu beenden. Mein Opa kehrte um. Hinter dem Sitz des Gefreiten hing noch immer dessen Fallschirm, den er nicht anlegte, weil der glückliche Erwin nicht an Bord war, um ihn einzuweisen. Ob sich der junge Mann bewusst darüber war, dass er den unausweichlichen Freitod wählte oder ob er dachte, er hätte einen Fallschirm am Rücken, weiß bis heute niemand.

Mein Opa starb vor vielen Jahren, aber viele seiner Geschichten sind mir im Kopf geblieben. Kurz nach seinem Tod träumte ich von ihm und wie wir zusammen, am Lagerfeuer sitzend, über unser Leben sprechen…



Im Gegensatz…

„Leben ist das Resultat des Kampfes zwischen dynamischen Gegensätzen, Ordnung und Chaos, fest und flüssig, Tag und Nacht und all den anderen endlosen Varianten von Yin und Yang.

Schwingt das Pendel zu Gunsten des einen, so schwingt es letztlich auch zu Gunsten des anderen. Auf diese Weise wird das Gleichgewicht des Universums erhalten.“
(Übersetzung aus dem Film „Fist Of The North Star“)

Yin, das Männliche und Yang, das Weibliche, sind, wie Tag und Nacht, keine absoluten Gegensätze (Dunkelheit ist nur die Abwesenheit der Helligkeit), sondern beinhalten den Kern des anderen in sich.

Nun bin ich absolut nicht esoterisch angehaucht, aber diese Interpretation der Notwendigkeit von Gegensätzen gefällt mir doch ganz gut…



Sommerbrezel Macht Mir Ein Hochgefühl

Gerade gehe ich mit Taschen voller Gummibärchen und einem Golfschläger – ein Neunereisen – inkl. Ball und einem gemütlichen Cross-Golfgame durch die Nacht. Deutschland hat verloren, mir egal, hab eh nur drei Bier getrunken… Ich genieße den Abend und ich genieße es, allein genießen zu können. In der schwülen Sommernacht den Hauch der Geborgenheit zu spüren und mich von der warmen Luft gehn Himmel drücken zu lassen. Das Wetterleuchten zeigt mir den Weg zum Loch, indem es meine Umwelt in weiß umrissene Schatten taucht.

Zwei umtriebige Katzen tümmeln sich im Dunst der glänzenden Nacht. Sie tapsen den Ball über das Grün und machen mein eigentlich perfektes Spiel interessanter. Zuerst ein Schnurren, dann ein Fauchen und dann verschwinden sie wieder im Gebüsch. Mein Ball jedoch landet zwischen Bordstein und Opel. Ich habe und nehme mir die Freiheit, hebe ihn auf und stecke ihn in meine Tasche, bevor noch etwas zu Bruch geht. Zuhause angelangt, nehme ich den Ball aus der Tasche und suche ein geeignetes Plätzchen, wohin ich ihn rollfrei legen kann, während die feucht-warme Luft durch das Zimmer schwappt. Meine Haut fängt sie auf, wie die klebrige Fliegenfalle ein Insekt.

Ich habe einen sicheren Platz für den Ball gefunden. Ein Becher, in dem mir vor zwei Wochen, von einer Zirkusartistin ein Schwarztee gereicht wurde. Der Ball passt optimal hinein und kann so auch nicht davon rollen. Auf dem Becher steht mit Filzstift geschrieben: „Aus der Luft gegriffen – einfach so, weil es so schön ist“. Niemand ist da, der meine Geschichte hören kann, aber mir ist es der Moment einfach wert, ihn zu teilen und festzuhalten. Weil ich das Leben spüren kann – einfach so, weil es so schön ist.



Stück für Stück für Stück
Mai 21, 2012, 12:25 am
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Wenn ein Gedanke dich verzehrt,
wenn nur ein Bild den Blick verwährt,
wenn jedes Wort ein Ziel nur kennt
und dieses Ziel die Zukunft hemmt.

Dann mach dich endlich auf den Weg,
lass hinter dir, wo Zukunft fehlt,
nimm nicht mehr mit, was sich bewegt,
was sich mit deinem Geist vermählt.

Denn wenn du kennst, was in dir schwelt,
was dich verbrennt, von innen quält,
der sinnlos langsame Gedanke,
der Blick zurück ins schon Bekannte.

All das, was als Sorge bleibt,
gehört nicht dir, gehört befreit,
ist eben nicht der Zukunft wert
und keine Straße, die man teert.

Schau mit den Augen, rede viel,
genieß die Schönheit, nicht das Ziel,
dann kommt das Leben schnell zurück,
die Liebe Stück für Stück für Stück.



Was hindert uns daran, andere so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten?
April 4, 2012, 5:30 pm
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Diese Frage würde ich gerne in einer Art Diskussion beantworten. Also seid ihr alle herzlich dazu eingeladen, eure Meinung dazu zu schreiben.

Zunächst aber meine eigenen Überlegungen:

Was hindert uns daran, andere so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten?

Bevor ich auf Hinderungsgründe eingehe, will ich versuchen, zu skizzieren, wie ich gerne behandelt werden möchte. Und ich denke, viele Menschen wollen ähnlich oder gleich behandelt werden.

Ich selbst möchte gut behandelt werden. Was heißt gut und warum gut?

Also mein Verständnis vom Sinn des Lebens ist, dass ich ein glückliches und zufriedenes Leben führe. Zum einen will ich, dass meine Grundbedürfnisse gestillt sind, zum anderen will ich dabei ein gutes Gefühl haben, also rundum glücklich sein.

Zu den Grundbedürfnissen gehören z.B. körperliche Grundbedürfnisse, Sicherheit und soziale Beziehungen. Körperliche Grundbedürfnisse sind banal gesehen die Atmung,Wärme, Trinken, Essen, Schlaf. Unter Sicherheit fallen Unterkunft, Gesundheit, Schutz vor Gefahren und Ordnung. Soziale Beziehung umfassen Freundeskreis, Partnerschaft, Liebe, Nächstenliebe, Sexualität, Fürsorge und Kommunikation. In der Psychologie werden vier Grundbedürfnisse aufgezählt: Bindungsbedürfnis, Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle, Bedürnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz, Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung. (Quelle: Wikipedia Grundbedürfnis)

Manche dieser Ziele kann ich natürlich ganz egoistisch im Alleingang erreichen. Dafür beschneide ich aber andere Grundbedürfnisse, die ich durch eine egoistische Bedürfnissstillung behindere. Einfach ausgedrückt, was habe ich von all dem Spaß, wenn ich ihn nicht mit jemandem teilen kann?

Ich unterteile deshalb in Glück und Zufriedenheit. Zufriedenheit sind all die Bedürfnisse, die ich auch egoistisch erreichen kann. Also körperliche Grundbedürnisse und Bedürfnisse der Sicherheit, bzw. das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle und das Bedürfnis nach Selbstwertehöhung und Selbstwertschutz. Bei genauer Betrachtung stellt man aber bereits fest, dass selbst diese egoistischen Bedürfnisse nur durch Stillung der Glücks-Bedürfnisse zufriedenstellend sind. Wie soll ich in anbetracht psychosomatischer Auswirkungen körperlich zufrieden sein, wenn ich Stress mit anderen Menschen habe? Wie soll mein Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung gestillt sein, wenn ich weiß, dass ich Feinde habe? Wie soll ich volle Kontrolle erreichen, wenn ich weiß, dass es Leute gibt, die meine Kontrolle unterwandern?

Glück und Zufriedenheit geben sich also die Klinke in die Hand und sind voneinander abhängig. Aus eigener Erfahrung kann ich dies nur bestätigen.

Jetzt sieht man ja bereits, dass die eigenen Bedürfnisse von anderen abhängig sind. Was ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist, ist dass jeder Mensch solche Grundbedürfnisse hat und jeder diese Bedürfnisse stillen möchte.

Daraus ergeben sich einfache Verhaltensweisen, die uns Menschen auf Grund unserer evolutionären Entwicklung immanent sind. Interpretiert man zum Beispiel Teile der Bibel als sozialen Verhaltensratgeber, so könnte man die zehn Gebote als recht sinnvoll erachten. Andererseits sind diese sicherlich von damaligen Moralvorstellungen geprägt und lassen menschliche (animalistische) Bedürfnisse außer Acht. Solche Moralvorstellungen begegnen uns aber auch bei der heutigen Interpretation von Bedürfnissen. Hier ist ganz klar von erlernter und angeborener Moral zu unterscheiden. Hier ist zum Beispiel darauf hinzuweisen, dass bereits Kinder das Töten anderer nicht gut finden, oder dass Altruismus auch bei Tieren und Kleindkindern vorhanden ist.

Ich hoffe, ich konnte jetzt kurz, aber nachvollziehbar darstellen, warum die Stillung meiner Grundbedürfnisse in mir das einfache Bedürfnis erwecken, gut behandelt zu werden.

Nun dazu, wie man erreicht, gut behandelt zu werden. Wer ein Restaurant besucht oder eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, erwartet, gut behandelt zu werden. Aber auch bei alltäglichen Begegnungen mit Fremden, hat man solche Erwartungen.

Was ist eine gute Behandlung? Am einfachsten ist die Antwort wohl, wenn man die schlechten Behandlungsmöglichkeiten ausgrenzt. Will man angestresst werden? Will man einen unfreundlichen Blick kassieren? Will man beleidigt werden? Kurz, will man respektlos behandelt werden? Nein. Respektlos behandelt zu werden macht nicht glücklich. Will man belogen werden? Will man gespielte oder geheuchelte Sympathie ernten? Will man verarscht werden? Kurz, will man unehrlich behandelt werden? Nein, unehrlich behandelt zu werden macht ebenfalls nicht glücklich.

Fazit ist also, ich will respektvoll und ehrlich behandelt werden.

Ich muss also die Menschen in meinem Umfeld und auch Fremde dazu bringen, mich respektvoll und ehrlich zu behandeln. Die Ehrlichkeit setzt voraus, dass der Respekt nicht geheuchelt ist und der Respekt erfordert, mit Ehrlichkeit auf mich zuzugehen. Erzwungener Respekt und erzwungene Ehrlichkeit widersprechen also meiner Meinung nach den beiden Anforderungen, da sie sich gegenseitig einschließen. Respekt durch Terror zu erzwingen bedeutet, den anderen zum Lügner zu machen, weil der Respekt nicht auf ehrlicher Sympathie beruht, sondern auf Selbstschutz.

Ich kann wohl kaum davon ausgehen, dass mir Ehrlichkeit und Respekt entgegengebracht werden, wenn ich nicht ebenso Respekt und Ehrlichkeit entgegenbringe. Sowieso muss ich davon ausgehen, dass meine Mitmenschen auf mich reagieren. Am Beispiel des Restaurants würde man sagen, der Kellner war so unfreundlich, dass ich ihm kein oder wenig Trinkgeld gebe. Beziehungsweise, der Kellner war so super, dass ich gerne Trinkgeld gebe.

Denn wie bereits erläutert, stillt eine gute Behandlung die Grundbedürfnisse. Werden diese gestillt, nehmen Glück und Zufriedenheit zu. Ist man glücklich und zufrieden, strahlt man dieses auch nach außen aus. Wie wichtig diese Ausstrahlung ist, sieht man daran, dass allein die Kommunikation zwischen den Menschen größtenteils non-verbal funktioniert. Wie ich also den anderen gegenübertrete, wie ich sie behandle, ist ausschlaggebend dafür, wie sie mich wahrnehmen, ob sie sympathisieren oder meiner Person aus dem Weg gehen möchten, weil sie eine Störung ihrer eigenen Grundbedürfnisse fürchten.

Ein einfaches Beispiel für eine solche positive non-verbale Ausstrahlung ist das Lächeln. Lächeln macht glücklich. Wer dazu gerne mehr erfahren will, findet eine nette Zusammenstellung auf Brigitte.de! Hehe. Nicht umsonst wird Verkäufern gesagt, dass sie möglichst lächelnd kassieren sollen. Die Körpersprache ist aber nur ein Teil, wie man positiv mit anderen umgehen kann, um wiederum selbst gut behandelt zu werden. Je enger eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist, desto häufiger und expliziter müssen Respekt und Ehrlichkeit zum Ausdruck gebracht werden, um die Enge, das Vertrauen, aufrecht zu erhalten. Wird man also ständig nur beschimpft oder als Lügner bezeichnet, verliert man schnell die Lust, sich respektvoll und ehrlich zu verhalten.

So denke ich, müsste einfach ausgedrückt klar sein, warum es sinnvoll ist, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.

Was hindert und also daran? Warum behandeln manche Menschen andere schlecht? Worin liegt deren Motivation?

Zuerst muss man als Hindernis wohl Erkrankungen nennen. Diese können sowohl psychischer als auch physischer Art sein. Da solche Erkrankungen ein wenig mehr Platz in Anspruch nehmen, spare ich mir einzelne Aufzählungen und bleibe bei einem bekannten Beispiel. Wer einen Mangel in der Wahrnehmung hat, kann sich nicht sicher sein, woran er beim andern ist und wird deshalb seine Selbstschutzmechanismen nutzen. Dies ist bei Alkohol oft der Fall, der die Wahrnehmung stark verändert. Betrunkene reagieren oftmals überzogen auf Dinge, die sie verfälscht wahrnehmen und denen sie dann alkoholbedingt eine falsche Gewichtung zuordnen.

Psychologisch wichtig sind Traumata und Depressionen. Erlebnisse, die einschneidende Erfahrungen waren und nicht bewältigt wurden. Durch sie findet quasi eine Umgewichtung der Grundbedürfnisse statt. Daraus können also auch Erwartungen an soziale Grundbedürfnisse verzerrt werden. Erwartungen an die Mitmenschen, Toleranzen und Launen können verändert sein.

Zum zweiten hängt eine Schlechtbehandlung auch von Erziehung und Erfahrung ab. Uns wurden mit Sicherheit gewisse Maßstäbe beigebracht, an denen wir messen, ob wir jemanden respektieren sollen oder ob nicht. Hier spielen wieder Moralvorstellungen und Werte eine große Rolle. Jemand, der gelernt hat, dass das Dienstpersonal minderwertig ist, wird diesem schwerlich mit vollem Respekt gegenübertreten. Wer HartzIV-Empfänger für faul hält, wird sie nicht so respektieren, wie einen erfolgreichen Arbeitnehmer. So kann zum Beispiel die Bewertung einer Eigenschaft an der einen Person positiv und an einer anderen Person negativ stattfinden, obwohl die Eigenschaft vollkommen gleich ist und zudem nicht einmal Charakterbestimmend.

So!

Soviel mal vorerst zu meiner Meinung. Ich würde mich über andere Meinungen sehr freuen. Behandelt mich gut! Hehehe… Spaß, ich denke mein Karma-Konto sieht ganz gut aus. Auf das Thema bin ich übrigens durch Politik gestoßen.

Vielleicht bieten sich durch die Diskussion also auch Gedanken zur Überwindung solcher Hindernisse an. Utopie…?



Wenn es gut ist, wird es schön sein…
März 4, 2012, 3:17 am
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Olli Schulz