mal sehen


Guck-Augen

Gerade war ich auf dem Heimweg, als ich in einer Seitenstraße einer älteren Dame mit Krücken begegnete, die sich die Giebel der alten Fachwerkhäußer ansah und vor sich hin sprach. Ich blickte ebenfalls nach oben, um zu sehen, was sie betrachtete. Dann sagte sie: „Das ist schön!“. Ich blieb stehen und pflichtete ihr freundlich bei.

Natürlich begann die Dame daraufhin ein Gespräch mit mir. Natürlich deshalb, weil sie als älteres Semester nicht nur redebedürftig, sondern vor allem noch gewohnt daran war, mit ihren Mitmenschen in Kontakt zu treten. Schließlich sind MP3-Spieler und Kopfhörer erst neuere Erfindungen.

Das Gespräch begann über das schöne hölzerne Fachwerk und die Erker sowie die vielen Fenster, die man leider auch putzen müsse, wobei sie erklärte, dass dieser Aspekt eher fraulicher Natur sei. Sofort mussten wir beide lachen. Dann erzählte sie mir, dass sie nicht von hier sei und nur für drei Wochen in einem Pflegeheim in dieser Straße untergebracht war, bis es ihr besser gehen würde. Sie ist Jahrgang 1925, was mich überraschte, da sie bis auf ihre Krücken einen sehr agilen Eindruck hinterließ. Die habe sie wegen ihrem Wirbelsäulenkrebs. Brustkrebs hatte sie auch schon.

Sie erzählte mir von ihrem Heimatdorf, von ihrem Kater Felix und von ihrem, vor drei Jahren verstorbenen Mann, den sie Papa nannte. Außerdem von ihren vier Kindern und ihren Enkelkindern. Alles nicht sehr ausführlich, aber dass musste auch nicht sein und war mir ebenso recht… Ich hörte ihr aber gerne zu. Ich kann sogar sagen, wieviel Rente sie monatlich erhält und dass die Kasse den Heimaufenthalt bezahlt.

Nachdem sie mir etwas über ihr Leben erzählt hatte, fing sie wieder von den schönen Häußern an. Es mache sie glücklich, solche Häußer zu sehen. Keine grauen Betonklötze. Bunte, verzierte, mit verschiedenen Materialien gebaute Häußer. Die grauen Blöcke töteten die Fantasie. Aber der Mensch brauche Fantasie. Und der Mensch brauche offene Augen, um das Schöne in der Welt zu sehen. „Guck-Augen“ nannte sie diese. „Sie haben auch Guck-Augen“, sagte sie zu mir. Das sei sehr wichtig. Einfach nur seinen Weg zu gehen, ohne zu sehen, dass sei traurig.

Genauso wichtig sei Freude. Freude trägt man in sich. „Sie haben auch Freude in sich“, stellte sie wieder fest, „Freude kann man nicht kaufen und Glück kann man auch nicht kaufen. Die sind unbezahlbar! Geld ist nur dazu da, um zu kaufen, aber nicht um glücklich zu sein.“. Sie habe die Freude von ihrer Mutter geerbt, die habe viel Freude gehabt und gesungen und gepfiffen. Meine Freude hätte ich wohl auch von jemandem geerbt. Das sähe sie in meinen Augen, dass ich ein freundlicher Mensch sei, dass ich Freude am Leben habe. Freude halte am Leben. Außerdem sagte sie, dass der richtige Partner entscheident sei. Man solle jemanden lieben, der einen glücklich macht. „Mein Mann hat mich glücklich gemacht!“, sagte sie.

Sie muss es ja wissen, mit 87 Jahren, einer Brustkrebsoperation und einem tödlichen Wirbelsäulenkrebs. Weil ich selbst gerne pfeife, dafür sogar bekannt bin, bat ich sie, mir ein Lied vorzupfeifen. Sie pfiff ein Stück, dass sie von ihrer Mutter gelernt hatte und danach war sie sehr glücklich. Noch bevor ich sagen musste, dass mir die Zeit eilt, verabschiedete sie sich von mir und wünschte mir weiterhin alles Gute und viel Freude im Leben. Ich tat das Gleiche und bedankte mich, dann ging ich weiter und lächelte, ohne zu wissen, warum. Vielen Dank für dieses tolle Gespräch!



Wir erwachsen aus der Kindheit!
August 22, 2012, 4:33 pm
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„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

(Zitat von Erich Kästner)

Und meine Geschichte zum Thema.



Lindbergh überquert den Atlantik!

Rüdiger stand am Ende des Billardtisches und beobachtete die fremde Brünette am Kamin.

„Nun meine Dame, wollen sie mir denn nicht endlich ihren Namen nennen?“

Sie lächelte leicht.

„Nein mein Herr, ich habe mich ihnen bereits vorgestellt!“

Rüdiger wurde unruhiger. Er nahm eine Kugel vom Tisch und ballte eine Faust um sie. Er konnte sich nicht im Geringsten an die geheimnisvolle Frau erinnern, die da vor ihm stand. Seit Anbeginn des Abends verfolgte sie ihn auf Schritt und Tritt durch das Haus der Sternbergs. Egal ob in der großzügigen Lounge oder auf dem Weg zu einem der goldblau-gekachelten Bäder, mit wem er sich unterhielt oder einfach nur in der Menge der Gäste unterging, wann immer er den Kopf drehte, sah er sie in seinem Augenwinkel.

Da öffnete sich die Tür des Salons und Sven betrat schwungvoll die angespannte Szenerie. Er schloß die Tür mit einer adretten Drehung, blinzelte den beiden Anwesenden kurz zu, tänzelte leichtfüßig zum Kamin und blieb hinter der Dame stehen. Seine Hände umfassten ihre Hüften, die in ein rotes Abendkleid geschwungen waren und sein Mund küsste ihren Nacken.

„Rüdiger! So sieht man sich wieder. Gerade noch an der Bar und nun bei einer Partie Billard!“

„Ja richtig, so ist das wohl. Sven, entschuldigen sie, aber würden sie mir ihre freundliche Partnerin bitte vorstellen?“

„Nein Rüdiger! Warum sollte ich das tun?“

Die Dame gab ihm einen Kuss auf den Mund. Dann begab sie sich zum Billardtisch. Rüdiger trat einen Schritt zurück, wobei ihm leicht schwarz vor den Augen wurde. Er taumelte. Seine Hand ergriff die Lehne eines Sessels und er ließ sich fallen. Das alles war ein wenig zu viel für ihn. Noch vor drei Tagen hätte er nicht annähernd an seinem Verstand gezweifelt. Jetzt war er sich dabei aber gar nicht mehr so sicher. Die Ereignisse der letzten Tage vermochten ihn daran zu zweifeln.

„Sven, bitte! Was für ein Spiel wird hier gespielt?“

„Ach Rüdiger“, mischte sich die elegante Dame ein, „seit wann spielen wir den ein Spiel?“

„Dann bitte sagen sie mir doch endlich, woher wir uns kennen sollten! Ich versichere ihnen, sie noch nie zuvor gesehen zu haben.“

„Dämmert es ihnen den gar nicht, Rüdiger?“.

Sven sah ihn beinahe besorgt an. Mit einer weiteren Drehung und einem langsamen Ausfallschritt gleitete er zum Kamin. Dort ließ er seine Finger auf die schwere Marmorplatte trommeln. Und mit einem weiteren Tanz flog er weiter zu Rüdiger. Vor dem Sessel ging er in die Knie und fasste Rüdigers Arm.

„Erinnern sie sich denn wirklich an nichts? Rüdiger, sind sie den verrückt?“

„Nein, nein! Ich bin sehr wohl bei klarem Verstand! Aber selbst wenn, so sollten sie nun endlich ihre Geheimniskrämerei unterlassen!“

Es war am Mittwoch, da hatte Rüdiger zum ersten Mal den Zweifel, dass jemand ein Spiel mit ihm treibt. Der Morgen war bereits ganz gewöhnlich gewesen. Im Büro gab es keine Zwischenfälle und auf dem Weg zum Mittagessen im Jungen Bär begegneten ihm die üblichen Männer, die, wie er, um ein Uhr zu Mittag aßen. Erst beim Zahlen der Rechnung geschah etwas ungewöhnliches.

Der Kellner überbrachte das Tablett mit der Rechnung. Als Rüdiger den üblichen Betrag aus der Tasche holte, um das Essen zu bezahlen, stellte der Kellner jedoch fest, dass es zu viel Geld war. Zu zahlen war nur der Kaffee. Rüdiger nahm die Rechnung und tatsächlich war nur eine Tasse Kaffee aufgelistet. Keine Suppe, kein Mittagessen. Als er den Kellner auf die vergessenen Posten ansprach, antwortete dieser nur, dass der Gast des Herren bereits den Rest bezahlt hatte. Mit diesen Worten verschwand der Kellner und Rüdiger blieb verwundert zurück.

„Nun Rüdiger, warum erzählst du uns denn nicht, wer du wirklich bist?“.

Sven drückte Rüdigers Arm etwas fester.

„Wieso wer ich wirklich bin!? Ich verstehe nicht.“

„Siehst du nicht, dass der arme Rüdiger Angst hat?“

Die Dame lächelte süffisant und zwinkerte Sven schälmisch zu. Rüdiger hatte wirklich Angst. Seine Gedanken drehten sich im Kreise. Er war nicht mehr Herr seines Kopfes.

„Ich bin Rüdiger Meinert. Ich lebe in dieser Stadt seit 28 Jahren. Und ich kenne sie, Sven, seit ungefähr einem Jahr, aber ich habe keine Ahnung, wer die Dame ist, die mir den ganzen Abend nachstellt! Dabei kenne ich jedes Gesicht, mit dem ich jemals Kontakt hatte.“

„Pah! Ich denke nicht, dass ich dies als Kompliment verstehen kann.“

Die Dame wurde lauter. Rüdiger wollte aufstehen, aber Sven, der immernoch seine Hand auf seinem Arm hatte, drückte ihn zurück in den Sessel.

„Ich denke nicht, dass du in der richtigen Verfassung bist, um zu gehen. Außerdem sollten wir doch noch klären, was du am Donnerstag in der Straßenbahn andeutetest.“

„Am Donnerstag in der Straßenbahn? Ja, ich war an diesem Tag, wie an jedem Tag, in der Straßenbahn. Aber ich war wie immer alleine unterwegs und hatte keinerlei Begleitung! Ich habe nichts angedeutet! Keiner von euch war dort!“

Plötzlich fiel Rüdiger der zweite Vorfall ein, der ihn in dieser Woche stutzig werden ließ. Er bestieg die Straßenbahn und nahm einen freien Platz am Ende der Seitensitzreihe. Wie gewöhnlich laß er die Tageszeitung, um sich über die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu informieren. Ein gewisser Charles Lindbergh war in New York gestartet, um als erster Mensch das Wagnis einer Atlantiküberquerung mit dem Flugzeug zu meistern. Rüdiger laß den Artikel sehr interessiert. Die Technik der Luftfahrt war fantastisch. Als er die Zeichnung mit der voraussichtlichen Flugroute Lindberghs betrachtete, wurde er von einer älteren Frau angesprochen.

„Darf ich neben ihnen Platz nehmen?“

„Natürlich, bitte nehmen sie doch Platz.“

„Vielen Dank. Ich dachte nur, falls ihre Frau das sieht. Nicht, dass ich in meinem Alter noch als Konkurrenz erscheinen werde.“

Für Rüdiger war diese Bemerkung nicht sehr außergewöhnlich, da ein Mann in seinem Alter normalerweise schon verheiratet war und Kinder hatte. Die meisten Fremden konnten nicht wissen, dass er bisher noch nicht das Glück hatte, eine Frau kennen zu lernen, die bei ihm bleiben wollte.

„Machen sie sich keine Sorgen, ich habe keine Frau.“

„Oh! Dann meine ich wohl ihre Verlobte. Eine hübsche Frau.“

„Wer ist eine hübsche Frau?“

„Ihre… Die Frau, die hier saß. Sie haben sich geküsst, also bin ich davon ausgegangen, dass sie ihre Ehefrau sein muss. Oder ihre Verlobte.“

„Ich habe die ganze Zeit diesen Artikel gelesen. Da war niemand. Entschuldigung, aber sie müssen irren.“

In diesem Moment hielt die Straßenbahn und Rüdiger musste aussteigen. Er verabschiedete sich von der älteren Dame, die verwundert den Kopf schüttelte und nicht antwortete. Für ihn war das Gespräch ebenso verwunderlich, aber er schob das Missverständnis auf das Alter der Dame und machte sich keine weiteren Gedanken darüber.

„Sven, ich bitte sie, beantworten sie mir die Frage, worauf wollen sie hinaus?“

„Worauf ich hinaus will, ist doch offensichtlich. Ich will wissen, wer sie wirklich sind. Womit wir es hier zu tun haben. Warum sie sich so seltsam verhalten. Warum sie sich nicht mehr erinnern können.“

„Aber ich kann es wirklich nicht! Und ich stelle mir die gleichen Fragen, bezüglich ihnen beiden!“

Die Dame trat neben Sven. Sie blickten sich kurz in die Augen und nickten einander zu. Svens Griff wurde lockerer. Rüdiger glaubte sich, diese Szene bereits in ähnlicher Form erlebt zu haben. Dann müsste er sich aber eingestehen, sie tatsächlich schon einmal gesehen zu haben. Er konnte nicht irren. Und wenn doch? Plötzlich kam ihm ein Gedankenblitz. Es sah Sven und die Dame. Sie hatte ein Messer in der Hand. Sven drückte ihn auf den Boden. Silvia war ihr Name! Rüdiger vermochte seinem eigenen Hirn nicht mehr zu trauen. War das ihr Name?

„Silvia?“

„Er kann sich erinnern!“

Noch bevor Silvia den Satz beendet hatte, packte Sven auch Rüdigers zweiten Arm. Er sprang ihm mit dem Knie auf den Brustkorb, so dass Rüdiger die Luft weg blieb. Silvia zog ein Messer aus ihrer Handtasche und rammte es dem Überwältigten in den Bauch. Dieser vernahm einen brennenden Schmerz, der sich von der Bauchdecke bis ins Rückenmark zog. Silvia zog das Messer nach oben zum Brustkorb. Rüdiger wurde schlagartig schwach und sackte auf dem Sessel zusammen. Der Schmerz schien unendlich weit weg zu sein.

Er beobachtete, wie Sven seine Hand in die offene Wunde steckte. Ihre Blicke trafen sich. Rüdiger konnte eine Träne in seinem Auge sehen. Dann zog Sven einen silbernen Quader aus der blutenden Wunde. Genau diesen Gegenstand hatte Silvia bei ihrer ersten Begegnung vor einem Jahr in der Hand. Als sie und Sven den Probanten auf den Boden seines Wohnzimmers dürckten, um ihm den Quader einzupflanzen.

„Es tut uns Leid, Rüdiger. Es tut uns Leid.“

„Sag Sternberg, er soll diesen Bereich des Hauses für die Party sperren. Der Reinigungstrupp wird in drei Stunden alles wieder entfernt haben.“

„Ich mochte Rüdiger. Zu Beginn schien er so vielversprechend. Er war so charmant und großzügig.“

„Silvia, das ist ein Job und keine Vergnügungsgesellschaft.“

„Habe ich Tränen in den Augen oder du?“

Rüdigers Sinne wurden schwächer bis er nur noch Dunkelheit und Stille warnahm.

„Um ein Haar hatte ich geglaubt, dass es endlich funktioniert.“



Kein Urteil zu fällen ist grenzenloser Optimismus

„Ich neige dazu, niemand zu verurteilen – eine Gewohnheit, die mich einerseits für viele interessante Sonderlinge offen gemacht hat, und durch die ich andererseits zahlreichen Langweilern aufgesessen bin.
Wenn ein gesunder Mensch diese Eigenschaft besitzt, wittert die kranke Psyche sie rasch und klammert sich an sie.“

F. Scott Fitzgerald (aus dem Roman „Der große Gatsby“)



Tag Cloud

Neulich war ich auf einer Vernissage. So ein Treffen von In-Hippster-Hippies, die sich angeregt über AlkoholArt unterhielten. Glücklicherweise gab es neben „Kunst“ auch hiebfesten Alkohol. Nice. Wie es so meine Art ist, brauch ich im Suff Action, sonst schlaf ich ein oder mach selbst Action. Damit wollte ich die Leute nicht belästigen.

Draußen war es schon dunkel, aber eine Passantin auf dem Gehweg leuchtete so hell, dass ich nur noch Augen für sie hatte – ihre Augen, ihr Mund, ihr Hubba-Bubba platzte, „blog“ – und beinahe vor einen Bus gestolpert wäre.

Im Deutsch der Vernisage-Gäste wäre der Unfall dann vielleicht eine „Erfahrung“ gewesen – ganz wertungsfrei, aber immer in Erinnerung an den fatalen Fehler, den man begehen kann, wenn man einer besonderen Frau hinterherschaut.

Frauen„, sagte ein Freund einmal, „können schlechte Freunde sein.“. Bei diesem Gedanken musste ich kurz lächeln, denn da fiel mir eine Geschichte ein: Sie war das Glück meiner Jugend und aus irgendeinem Grund hielt sie beim Schulausflug ins Museum plötzlich meine Hand. In meiner Hilflosigkeit verhielt ich mich wie ein Freund. Lange ist es her, wir waren ja fast noch Kinder ohne Hintergedanken im Kopf und so wurden wir gute Freunde für’s Leben – nicht nur für die Liebe… Andere Geschichte.

Die Frau, die mir aber gerade fast das Leben genommen hatte, war mit Sicherheit keine Freundin – Devil in Disguise. Wie als hätte sie meinen beinahe Unfall genossen, zogen ihre zarten Lippen ein erregtes Lächeln hervor.

„Ja Lady, ich bin ein Mann und in erster Linie ein Mensch! Und es ist nicht cool, wenn Menschen wegen dir vom Bus überfahren werden.“. Das dachte ich mir zumindest bei meinem zögerlichen Weiterweg über die dunkle Straße.

Vor meiner Stammkneipe begegnete ich einem ehemaligen Mitarbeiter und wir rauchten noch schnell eine vor der Spelunke. Üble Spelunke. Von drinnen drang Live Musik an unsere Ohren. Also zogen wir die Zigaretten schnell runter und stürmten den Event.

Jetzt wird meine Erinnerung leider etwas lückenhaft, aber alles, was es nicht in die Top Ten geschafft hat, war sowieso nicht merkenswert. Das nenne ich Alkohol-Art!

Wir waren Backstage mit der Band und ich erzählte Gina (Bass) die Geschichte, wie ich beinahe Musiker geworden wäre. Sie erzählte auch viel und wir redeten die ganze Nacht. Um halb vier trennten sich unsere Wege und sie gab mir noch ihren Namen, ihre Nummer und ein Bier aus. Frauen können auch gute Freunde sein.

Der Morgen war im Anbruch und ich entschied mich für einen Spaziergang durch den Park. Volltrunken und happy beschloss ich, mich der Natur von meiner schönsten Seite zu zeigen – ich entblößte meinen alkoholgetränkten Körper und zog in aller Ruhe durch die Wildnis. Tarzan, der König des Urwalds, Janes Nummer im Gepäck und Cheetah im Kopf. Ua-a-a-ah!

Wie ich das Schicksal forderte, ging es mir am nächsten Tag natürlich nicht sonderlich. Und wieder einmal entging mir der Sinn an all dem Partygetue. Bin ich etwa Teil eines Systems, dass jeden Tag mit dem Tod rechnet und deshalb alles ausschöpft, bis ans absolute Limit – vor Geilheit ja sogar beinahe bis in den Verkehrsunfalltod? Wo bleibt die Vernunft!?

Von soviel gedanklicher Anstrengung überfordert, entschied ich mich für ein Video. Beim anschauen schlief ich ein und träumte ich wäre in einem Wald unter Wasser. Wie ein Fisch konnte ich durch die Bäume schwimmen, in ihnen verweilen und das saftige Moos vom Boden graßen.

Ein lautes Brummen riss mich gewaltig vom Moosboden weg, zurück in die reale Welt. Meine Türklingel! Ich rannte total benommen zur Tür und öffnete sie. „Hallo, ich bin ihre neue Nachbarin.“!

„Gina!?“, sagte ich. Es war Gina (Bass) von der Band. Hinter ihr mühte sich ein älterer Herr mit einem Bettpfosten die Treppe hoch. Sie war gerade dabei einzuziehen. Ich half ihr und ihren Eltern, die restlichen Möbel in die Wohnung zu bringen. Drei Stockwerke!

Für den Abend lud sie mich zu einem Bier ein und wir verbrachten wieder viel Zeit miteinander. Was für ein Zufall, nicht war!?

Ja so war das mit der Tag Cloud (siehe links; Stand: 20.2.2012)…



Wie wahrscheinlich ist der Zufall?

Der Zufall! Ein sagenumwobener Begriff, der unterschiedlichste Empfindungen hervorrufen und dessen Herkunft oft zu weltbewegenden Diskussionen führen kann.

Da misch ich mal kurz ein. Welch Zufall! Nein, ich führte neulich eben eine solche Diskussion mit einem Freund und sitze nun geplanter Maßen vor dem Computer. Aber es war doch mehr oder weniger Zufall, wie diese Diskussion zum Laufen kam. Oder haben wir beide nicht auch mehr oder weniger durch die Themenauswahl beschlossen, zu dieser Frage zu gelangen? Quasi im Konsens auf beidseitiger Suche nach spannender Unterhaltung?

Es war der erste schöne Sonnentag dieses Februars und wie von oben strahlte uns auch die Sonne aus dem sprichwörtlichen Arsch. Die Luft war mit ersten Spuren des Frühlings vermischt und wir genossen den Moment im Wald auf einem Baumstamm sitzend. Wir genossen die gegenseitige Anwesenheit – und damit meine ich wohl so ziemlich alle Lebewesen, die an diesem Tag im sonnigen Wald entspannten.

Und all das wegen des Zufalls, dass die Sonne die hohe, ausgedünnte Wolkendecke beiseite drängen konnte und der Wind nicht mehr allzu stark geblasen hat. Klimatische Phänomene, die weltweit vernetzt (auch wireless) agieren und ziemlich akkurat aufeinander abgestimmt sind. Mafiöse Strukturen. Seit Anbeginn der Zeit. Sozusagen zurück bis zu dem Zeitpunkt, als die Erde als heißer Masseball ihre atmosphärefreundliche Position neben dem ultramassiven Stern namens Sonne fand und sich so sehr freute, dass sie anfing im Kreis zu tanzen, damit sie die Fliehkräfte geschickt gegen die Anziehungskräfte der Sonne ausspielen kann.

Und jetzt zoomen wir raus aus dem Bild und sehen viele solcher Sonnensysteme. Die verschwinden zu millionen in spiralförmigen Milchstraßen neben weiten Flächen ohne sichtbarer Materie. Zooooommmm. Stopp!

Da denkt man doch gleich an die Fraktalbilder an der Wand des Informatikstudenten. Mathematisch perfekte Endlossysteme. Naja, es besteht da eben nur der Unterschied der mathematischen Perfektion in Form von Fehlerlosigkeit. So harmonisch ist das Universum nicht aufgebaut.

Ein kleiner Fehler – oder Zufall – hat in diesem vernetzten System eventuell enorme Auswirkungen. Gehen wir ein paar Millionen Jahre zurück in der Zeit: Zwei frei herumschwirrende Massepäckchen prallen im Rausch der Geschwindigkeit gegeneinander und strahlen neben absoluter Ehrfurcht auch noch Energieschübe und Splitterbrocken ab, in der Größe von Kieselsteinchen und Feinstaub bis zum Wolkenkratzer und darüber hinaus, ganz zu schweigen von den beiden Massepäckchen, die total verwirrt auf neue Kollisionsbahnen gelenkt werden.

Zu selbiger Zeit herrschten gleich um die Ecke auf der Erde seit ca. 160 Millionen Jahren voll ungebremster Entwicklungsmöglichkeiten die Dinosaurier. Sie lebten im Gleichgewicht mit der Natur und erreichten dadurch enorme Entwicklungsstufen. Bis zu eben dem Tag, als ein T-Rex in einer Höhle mit seinen kurzen Stummelärmchen ein Bild von einem weiblichen T-Rex in schwarzen Strapsen an die Wand kritzelte und somit die Stufe der kulturellen Entwicklung des Spatzenhirns erreichte. Nun daraus wäre dann das Rad, die Waffe und irgendwann sicherlich die Entwicklung des Computers hervorgegangen, hätte sich gleich draußen ums Eck nicht bei einer Massekollision alles gegen die Dinos gewendet. Ba-Boom!

So besagt es die eine Theorie, aber was spielt das für eine Rolle? Klar ist doch, die Dinosaurier hatten keine Liste, auf der sie sehen konnten, dass sich der Mensch irgendwann die Erde untertan gemacht haben würde. Ohne Zufall wären sie noch heute da – wahrscheinlich recht dezimiert und auf der Suche nach genügend Energie, um ihren Fortschritt wirtschaftlich zu halten. Außer vielleicht, ihr Hirn hätte sich zu einem mit-dinosaurierachtenden Wunderwerk der Erkenntnisumsetzung entwickelt. Egal, denn jetzt sind wir dran. Wir haben PCs und Museen, in denen wir uns gelangweilt die Knochenreste solcher einstiger Überwesen anschauen können.

Der Zufall wollte es so. Alles muss sich dem Zufall beugen. Weil alles in Abhängigkeit steht, ob große Massen oder kleinste Teilchen bis hin zu bloßen Strahlen und tatsächlich auch der Krone der Schöpfung, nämlich uns.

Partypeople, das ist doch klar, dass wir schon allein wegen 7 Milliarden und sogar vernetzten Mitbewohnern mit jeweils unzähligen Hirnnerven, die alle mal einer Fehlfunktion unterlaufen können, nicht vor den Konsequenzen eines kleinen Zufalls gefeit sind. Und jeder kennt doch auch solche Momente: unabhäng gleiche Gedanken, ein Treffen, ein Unfall, ein guter Tipp, Glück und Pech. Moment. Sind Glück und Pech nicht eher Fragen des auch so ominösen Schicksals? Tritt da nicht der Masterplan auf die Bühne? Steckt da eventuell eine Metaphysik dahinter? Quasi absolut-dunkle Materie?

Oh Gott, was steckt da bloß dahinter? Panik!
Entwarnung!

Warum ist es denn bitte sehr so wichtig, was hinter all dem steckt oder ob es nämlich doch gar kein Zufall war, dass wir hier sind, bzw. das jeder Zufall einem Grund entspringt, den man erforschen könnte? Und das Ergebnis der Forschung ist dann wieder nur eine vieler Theorien über Naturwissenschaft oder Gott.

Was aber wiederum von keiner Seite anzuzweifeln sein sollte, ist die Tatsache, dass Teilchen zur Unordnung tendieren. Je nach Ordnungzustand geht das manchmal ziemlich schnell, wie auf meinem Schreibtisch, manchmal dauert das gerne mal eine Millionen Jahre, bis zwei verfestigte Ordnungsbollen auf ihrem geordneten Weg durchs Universum kollidieren und so eventuell das Aussterben einer Art auslösen. Es wird passieren. Irgendwo da draußen.

Und in der Größenordnung, in der wir uns, als kleinste Teilchen eines unbegreiflich großen Universums befinden, ist es doch so gesehen kein unbegründeter Zufall mehr, dass uns manchmal ein Zufall passiert. Der Auslöser in dieser Kettenreaktion ist der Hang zum Chaos. Zum Zerfall. Dagegen ist noch kein Kraut gewachsen. Und wehe dem, der danach sucht!

Ich fordere deshalb mindestens eine Stunde pro Tag, an der sich ein jeder dem Zufall hingeben sollte. Ich empfehle mit möglichst vielen Lebewesen und Gegenständen in einen Raum zu gehen, da dort die zufallsbegünstigende Unordnung in allen Ecken und Engen lungert.

Viel Spaß beim Zufallen!



Und wer hätte das gedacht…?

Da steht sie vor mir. Ich begreife nicht. Sie spricht die Wahrheit. Aber ich begreife nicht. Nicht jetzt. Nicht aus diesem Grund. Nicht jetzt. Wie als würde das noch irgendeine verdammt Rolle spielen!? Wie als hätte ich ihr noch nie gesagt, dass es gewisse Gründe gibt… Wie als hätte sie mich nicht wegen diesen Idealen geliebt?

Ich kann es nicht mehr gründlicher betrachten. Ich könnte. Ich muss nicht. Aber ich könnte. Und dann hebt sie die Hand. Tausende von Farben flattern an meinem Auge vorbei. Ein lauter Knall und ich folge ihren Fingern auf Schritt und Tritt! Und plötzlich steht sie da – mitten auf der Bühne zwischen all den glitzernden Farben, welche sich gerade in den Diamant gefressen haben, der inmitten meiner Brust verkrustet vor sich hin gammelt und jeden Riss fürchtet, wie ein Haitianer das Beben unter seinen Füßen.

Sie weicht aus wie ein Türsteher. Warum? „Ich diskutiere nicht mit dir!“. Warum diskutieren, wenn mich sowieso schon zu sehr fickt, was du als Grund für eine Trennung angibst! Hätte es nicht wenigstens mein Fehler sein können, muss es denn ausgerechnet an meinem Erscheinungsbild liegen!? Konnte ich dir nicht erklären, dass du mir gegenüber die scheißverfickte Wahrheit kunt tun kannst!? Habe ich dir nie die Ideale einer wertvollen Einigkeit namens ‚Liebe‘ erklärt – und hast du mir nie die Ideale einer wertvollen Einigkeit namens ‚Liebe‘ erklärt!?

Doch. Du hast! Sogar so gut, dass ich dich jetzt verstehe. Genau das war dein Grund: mein Erscheinungsbild. Dabei war ich mir doch so sicher, dass ich endlich das Glück gefunden hatte, eine Frau zu treffen, der mein Erscheinungsbild einfach nur am Arsch vorbei geht. Ich habe sie getroffen! Sie hat mich getroffen, geliebt, vermisst, gesehnt, geträumt und ich habe sie seit langem versäumt. Mein Bild hat nicht mehr in das ihre gepasst.

Que pasa? Crap… Immer wieder und wieder.  Und wieder und wieder. Und jedesmal so schön, dass ich es immer wieder und wieder erleben kann! Ich bin eben auch nur ein Mensch… Sorry! Wann soll ich sonst Mensch sein, wenn nicht heute!? Ich kämpfe nicht mehr um die Wahrheit. Das ist mir viel zu anstrengend. Denn die Wahrheit entspricht nicht der Vernunft. Denn die Vernunft ist ein philosophisches Konstrukt abseits der Realität.

Ich könnte mich gerne, gut und gerne darüber verrückt machen. Hinterfragen, längerfristig denken, meine Enkel und deren Enkel einbeziehen. Ich könnte Tag um Tag um Tag um Tag und noch einen ganzen Tag damit verbringen, mich zu entsinnen, warum die Todesstrafe nicht spätestens jetzt für Entsetzen und Protest in all der vernetzten Welt sorgt, und stattdessen lieber Kontakte gepflegt werden. Und du machst mit mir wegen meinen löchrigen T-Shirts schluss? Fuck You!

Aber nichts desto trotz… Es ist nicht deine Schuld und es war auch nicht das Schicksal, das uns zusammengeführt hat. Es lag nicht an dem Ding, dass fast so geschaut hat, wie der Hund deiner Nachbarin. Es waren einfach nur unsere Herzen. Das Gefühl, zu tun, was getan werden muss. Alles war so richtig. So frei. So rund und vollkommen. So vollkommen, ich hätte schwören können, ich hielte das Alpha und das Omega in meinen Händen. Es war in meinem Herz. In diesem Bereich, in dem mein Diamant anfing zu glitzern, wenn du ihn mit deinem Licht anstrahltest.

Heute bin ich schlau genug, um sagen zu können, dass ich mich nicht mehr in dich verlieben könnte. Dass ich meinen Diamant nicht mehr von dir blenden lassen würde. Dennoch falle ich dir immer wieder zum Opfer, weil du es so gut verstehst, deine charakterlichen Nuancen gegen mich auszuspielen. Auf immer wieder ein neues zu begeistern, zu motivieren, zu frieden zu stellen und zu lieben. Ja, ich bin auch schlauer geworden durch dich.

Sollte ich mich betrogen fühlen? Sollte ich wegen dir traurig sein? Ich sag mal ja – äh – nein – ich sag jein! Ich sag jein. Betrogen, weil du mir sagtest, du würdest die Dinge gleich sehen, wie ich; traurig, weil ich dir so sehr vertraut habe, dass ich dich nicht mehr erkannt habe, als du mir die Wahrheit sagtest. Nicht betrogen, weil du mir gegenüber den Mut aufgebracht hast, die Wahrheit beim Namen zu nennen, und nicht traurig, weil dies der Beweis dafür ist, dass wir niemals den Grund dafür und immer einen Grund dagegen gefunden hätten.

So dumm es sich anhören mag, aber wir finden uns schon noch zusammen. Und ganz am Ende werden wir froh sein, dass wir uns in manchen Momenten des Lebens bis auf den Tod nicht ausstehen konnten. Wir beide. Mann und Frau.



Wasser auf dem Mond

So Partypeople! Der Mensch hat eine neue bahnbrechende Entdeckung gemacht: es gibt Wasser auf dem Mond. Das hat nun die Nasa verkündet. Der bemannten Raumfahrt zum Mond steht nichst mehr entgegen. Aus Wasser kann Sauerstoff und Wasserstoff gewonnen werden.

Dumm gelaufen für den Mond. Meiner Meinung nach. Nein, ich will nicht schwarzmalen. Doch ich will! Sonst kapierts ja keiner… Hehe.

Also mir fällt da spontan die Geschichte mit dem Indianer und den Astronauten in der Wüste New Mexicos ein. Der Indianer zieht am Trainingscamp der Apollo-Mission vorbei und sieht, wie lustig verpackte Männer mit komischen Geräten über den Wüstenboden stolpern. Der Indianer wundert sich und will’s wissen. Cleveres Kerlchen – hat kapiert, dass man Fragen stellen muss um Antworten zu erhalten. Ein Mitarbeiter der Mission klärt ihn auf. Die Menschen wollen auf den Mond. Der Indianer setzt sein Pokerface auf und bittet die Leute, ob sie eine alte Indianische Botschaft, geschrieben auf einen Zettel, mit zum Mond nehmen können. Alles kein Problem, der Indianer schreibt seine Botschaft, der Mitarbeiter nimmt sie und – natürlich – übergibt er sie gleich den Schnüffelhunden des CIA. Die haben erstmal Probleme mit dem Dialekt, können die Botschaft dann aber doch übersetzen, die da lautet: „Traut diesen Menschen nicht – sie nehmen Euer Land!“.

Ob die Geschichte der Wahrheit entspricht ist egal. Die Botschaft entspricht der Wahrheit!

Jetzt gibt es ja auf dem Mond keine Menschen. Aber es gibt Wasser! Und wenn es dort Wasser gibt, dann gibt es dort womöglich doch organische Lebensformen. Kein Sci-Fi, wenn man bedenkt, was für Lebensformen bereits in den unwirklichsten Lebensräumen unserer Erde existieren. Die hätten dann die längste Zeit ihre Ruhe gehabt. Selbst wenn es dort nur H2O gäbe, wir schicken ja Menschen hin. Ich möchte ehrlich gesagt nicht dort leben, gehen mir doch schon der graue Herbst und Kunstbau a la Venedig auf den Sack. Der Mensch steht in Beziehung zu seiner Umwelt. Seine Umwelt (die er noch einigermaßen begreifen kann, weil sie nicht zu abstrakt ist), das ist die Erde. Das Gesamte, welches zum Leben auf der Erde beiträgt: Luft, Wasser, Sonne, Tag, Nacht, Pflanzen, Tiere, … – kein Gott (den gibt es nicht) – …, aber auch der Tod!.

Wie wird es für Erdbewohner, wenn sie die ersten Bauten auf dem Mond sehen können? Unromantisch. Zumindest bis da oben alles zugesmogt wurde und dann auch nur noch helle und dunkle Flecken sichtbar werden. Welche Änderungen wird zusätzliche Masse – auch nur im geringsten Ungleichgewicht – auf die Weltmeere haben? Empfindlich genug ist unser System. Wie wir ja nun endlich alle wissen. Wobei Anpassung durch die Natur relativ schnell geschieht. Arten sterben aus, neue entstehen. Aber der Mensch? Auch auf ihn trifft die vorherige Aussage zu.

Schwarzmalerei vom feinsten…