mal sehen


Phillip

In den Zeiten des kalten Kriegs ging Phillip spazieren. Er pfiff das Lied des kleinen Wandersmanns. Seine Augen strahlten hell. Noch heller strahlte die Sonne. Beim See angelangt, pfiff Phillip das Lied eine Oktave höher als sonst. Als nichts geschah, pfiff er noch einmal eine Oktave höher. Als er die nächsthöhere Oktave anstimmen wollte, fiel ihm ein, dass er ja eine Note ganz falsch pfiff! Also machte er aus dem C ein G. Phillip pfiff und der See strahlte noch heller als Phillips Augen und noch heller als die Sonne.

„Wenn du gut sein willst, musst du bestimmte Dinge beachten:“ – hör nicht zu, hör ihm nicht zu – „du musst konsequent sein. Ja, das ist sehr wichtig! Konsequenz!“. Warum sagt das der Busfahrer jeden morgen zu mir?

Phillip lief über die Wiese. Dann durch ein Maisfeld. An der großen Mühle hielt er inne. Er konnte das Mühlrad mahlen hören. Er griff in die Hosentasche und zog einen Chewing-Gum heraus. Phillip tat ihn in den Mund und kaute darauf.

Hat er sich jemals Gedanken über die Konsequenz seiner allmorgendlichen Belehrung gemacht? Ich könnte ihn ja auch missverstehen und einmal so konsequent sein und ihm tatsächlich den Vogel zeigen! Aber würde er dann aufhören oder so konsequent sein und weitermachen? Weiß er überhaupt, was für einen Stuss er da von sich gibt?
Ach!? Phillip fährt jetzt auch mit dem Bus.

Der See strahlte, die Sonne strahlte, Phillip strahlte.

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Ich sehe…

Ich sehe Regentropfen fallen
und darüber bin ich glücklich,
denn Leben ohne Wasser,
das gibt es eben nicht.

Ich sehe Bäume saftig grün,
den Himmel kräftig blau,
sehe Menschen fröhlich lachen,
egal wohin ich schau.

Ich seh den Abend und den Morgen,
ich seh den ganzen Tag,
ich sehe uns’re Zukunft,
weil ich das Leben mag.

Dann öffne ich die Augen
und sehe alles klar,
vergesse meine Träume,
nichts ist mehr wie es war.

Ich sehe dunkelbraunes Gras
und Bäume ohne Blätter,
ich seh Menschen am Verdursten,
vor trockenen Gewässern.

Ich sehe Eifersucht und Neid,
seh Gier und all den Hass,
seh Menschen ohne Freunde
und frage war es das?

Schuld daran haben die,
die alles übersehen
und nur aus Eigennutz
das Leben missverstehen!

Dann schließe ich die Augen
und träume vor mich hin,
seh alle wieder glücklich,
damit auch ich es bin.