mal sehen


Tag Cloud

Neulich war ich auf einer Vernissage. So ein Treffen von In-Hippster-Hippies, die sich angeregt über AlkoholArt unterhielten. Glücklicherweise gab es neben „Kunst“ auch hiebfesten Alkohol. Nice. Wie es so meine Art ist, brauch ich im Suff Action, sonst schlaf ich ein oder mach selbst Action. Damit wollte ich die Leute nicht belästigen.

Draußen war es schon dunkel, aber eine Passantin auf dem Gehweg leuchtete so hell, dass ich nur noch Augen für sie hatte – ihre Augen, ihr Mund, ihr Hubba-Bubba platzte, „blog“ – und beinahe vor einen Bus gestolpert wäre.

Im Deutsch der Vernisage-Gäste wäre der Unfall dann vielleicht eine „Erfahrung“ gewesen – ganz wertungsfrei, aber immer in Erinnerung an den fatalen Fehler, den man begehen kann, wenn man einer besonderen Frau hinterherschaut.

Frauen„, sagte ein Freund einmal, „können schlechte Freunde sein.“. Bei diesem Gedanken musste ich kurz lächeln, denn da fiel mir eine Geschichte ein: Sie war das Glück meiner Jugend und aus irgendeinem Grund hielt sie beim Schulausflug ins Museum plötzlich meine Hand. In meiner Hilflosigkeit verhielt ich mich wie ein Freund. Lange ist es her, wir waren ja fast noch Kinder ohne Hintergedanken im Kopf und so wurden wir gute Freunde für’s Leben – nicht nur für die Liebe… Andere Geschichte.

Die Frau, die mir aber gerade fast das Leben genommen hatte, war mit Sicherheit keine Freundin – Devil in Disguise. Wie als hätte sie meinen beinahe Unfall genossen, zogen ihre zarten Lippen ein erregtes Lächeln hervor.

„Ja Lady, ich bin ein Mann und in erster Linie ein Mensch! Und es ist nicht cool, wenn Menschen wegen dir vom Bus überfahren werden.“. Das dachte ich mir zumindest bei meinem zögerlichen Weiterweg über die dunkle Straße.

Vor meiner Stammkneipe begegnete ich einem ehemaligen Mitarbeiter und wir rauchten noch schnell eine vor der Spelunke. Üble Spelunke. Von drinnen drang Live Musik an unsere Ohren. Also zogen wir die Zigaretten schnell runter und stürmten den Event.

Jetzt wird meine Erinnerung leider etwas lückenhaft, aber alles, was es nicht in die Top Ten geschafft hat, war sowieso nicht merkenswert. Das nenne ich Alkohol-Art!

Wir waren Backstage mit der Band und ich erzählte Gina (Bass) die Geschichte, wie ich beinahe Musiker geworden wäre. Sie erzählte auch viel und wir redeten die ganze Nacht. Um halb vier trennten sich unsere Wege und sie gab mir noch ihren Namen, ihre Nummer und ein Bier aus. Frauen können auch gute Freunde sein.

Der Morgen war im Anbruch und ich entschied mich für einen Spaziergang durch den Park. Volltrunken und happy beschloss ich, mich der Natur von meiner schönsten Seite zu zeigen – ich entblößte meinen alkoholgetränkten Körper und zog in aller Ruhe durch die Wildnis. Tarzan, der König des Urwalds, Janes Nummer im Gepäck und Cheetah im Kopf. Ua-a-a-ah!

Wie ich das Schicksal forderte, ging es mir am nächsten Tag natürlich nicht sonderlich. Und wieder einmal entging mir der Sinn an all dem Partygetue. Bin ich etwa Teil eines Systems, dass jeden Tag mit dem Tod rechnet und deshalb alles ausschöpft, bis ans absolute Limit – vor Geilheit ja sogar beinahe bis in den Verkehrsunfalltod? Wo bleibt die Vernunft!?

Von soviel gedanklicher Anstrengung überfordert, entschied ich mich für ein Video. Beim anschauen schlief ich ein und träumte ich wäre in einem Wald unter Wasser. Wie ein Fisch konnte ich durch die Bäume schwimmen, in ihnen verweilen und das saftige Moos vom Boden graßen.

Ein lautes Brummen riss mich gewaltig vom Moosboden weg, zurück in die reale Welt. Meine Türklingel! Ich rannte total benommen zur Tür und öffnete sie. „Hallo, ich bin ihre neue Nachbarin.“!

„Gina!?“, sagte ich. Es war Gina (Bass) von der Band. Hinter ihr mühte sich ein älterer Herr mit einem Bettpfosten die Treppe hoch. Sie war gerade dabei einzuziehen. Ich half ihr und ihren Eltern, die restlichen Möbel in die Wohnung zu bringen. Drei Stockwerke!

Für den Abend lud sie mich zu einem Bier ein und wir verbrachten wieder viel Zeit miteinander. Was für ein Zufall, nicht war!?

Ja so war das mit der Tag Cloud (siehe links; Stand: 20.2.2012)…



Ein schönes Lob!

Neulich betrat ich meine Stammkneipe, begrüßte den Chef und die Angestellten, meine Freunde und meine Feinde. Für diesen Abend war ein Konzert angesagt, aber die Headliner konnten aus irgendeinem Grund nicht auftreten und so blieb nur noch die Vor-Band, bestehend aus einem einzelnen Künstler, übrig.

Dem entsprechend war auch nicht viel los in der Kneipe. Leider. Der alleinige Unterhalter in Sachen Musik hatte keine andere Wahl, als dennoch auf die Bühne zu treten und mit der Gitarre in der Hand seine selbstgeschriebenen Songs zu performen. Der Name des Herrn ist Tom Mess und da ich ihn vom ersten Anblick an sympatisch fand, dachte ich mir, ich höre mir mal an, was er so zu sagen hat. Vor der Bühne war gähnende Leere. Die Musik, die er spielte war nicht unbedingt sehr tanzbar. Also saßen die wenigen, die da waren nur auf ihren Stühlen und lauschten oder unterhielten sich. Ich setzte mich auf die Treppenstufen gleich vor der Bühne und hörte zu. Mit Gitarre und Stimme schaffte es Tom Mess, eine gute Show abzuliefern. Sich seiner Situation bewusst, lies er es zu, die wenigen Zuschauer neben sich stehen zu lassen, anstatt sich arrogant abzuheben, wie es viele Musiker und Künstler leider sonst machen. So erhielten wir ein privates und sehr persönliches Konzert mit genügend Ruhe, die Wirkung der Musik und der Texte spüren zu können. Ein Freund von mir, der kurz die Zeit gefunden hatte, sich vom Tischkicker und seinem Bier zu entfernen, um sich mal anzuschauen, woher denn die Musik kam, legte mir meine Aufmerksamkeit für diese als schlechte Laune und Stimmungstief aus.

Zwei Wochen später erfuhr ich, dass Tom Mess an diesem Abend so gut wie keine Lust hatte, überhaupt aufzutreten. Verständlich, denn die leere Kneipe, der fehlende Headliner und die große Lust einfach nichts zu tun und unauffällig Bier zu trinken trugen sicherlich zu seiner Demotivation bei. Nach dem Konzert unterhielt er sich mit einer Freundin von mir und sagte ihr, dass es ihn aufgebaut und gefreut hätte, weil ich mir die Ruhe und die Zeit genommen hatte, ihm zuzuhören und ihm allein dadurch positives Feedback zu geben. Sie gab mir dieses Lob weiter. Für mich ist es ein Lob, denn es zeigt mir, dass ich etwas richtig getan hatte. Und ich empfinde es als doppeltes Lob, weil es mir durch eine dritte Person weitergegeben wurde, was leider auch nicht mehr so selbstverständlich ist. Vielen Dank!

Tom Mess ist bei MySpace.



Wie alte Freunde

Vorgestern begegnete ich einem alten Schulkollegen an einer Bushaltestelle um halb zwölf Uhr nachts. Wir waren drei Jahre lang zusammen auf der selben Schule, weit entfernt von hier in unserer Landeshauptstadt, haben uns nur in den Pausen gesehen und auch nur gelegentlich miteinander gesprochen. Das ist nun schon über 5 Jahre her.

Seit dieser Zeit laufen wir uns immer wieder einmal per Zufall über den Weg. Und das, obwohl er gar nicht dort wohnt, wo ich meine Heimat gefunden habe. Aber unsere Treffen geschehen trotzdem und beinahe pünktlich wie die deutsche Bahn. Ich schätze ihn sehr, weil er zu den wenigen Menschen gehört, die ohne Warmlaufzeit gleich in ein interessantes und tiefergehendes Gespräch führen. Er hat Humor und Beobachtungsgabe und sehr hohen Unterhaltungswert.

Vorgestern nun, ich kam gerade von Freunden und rechnete nur noch mit dem Ende eines angenehmen Abends, da stand er an der Bushaltestelle, in einer Stadt, in der er nicht wohnt, mitten in der Nacht, und redete mich an, weil ich ihn sonst wegen seinen neuen langen Haaren gar nicht erkannt hätte. Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig, weil ich es kaum glauben konnte und mir dadurch mal wieder der wundervolle Zufall des Lebens bewusst wurde. Unser Gespräch während der viel zu kurzen Busfahrt war wie immer ein ehrliches und pausenloses. Es hat mich sehr gefreut!

Um mich hiermit bei ihm für das Gespräch zu bedanken, verlinke ich auf seinen Blog „Nachtseminar“. Dort liest man interessante Interviews mit verschiedenen Musikern, die er selbst geführt hat.

Bis zum nächsten Mal!!!



Klarinettenkonzert in der City

Als ich gerade durch die Stadt lief und mich nach dem Kauf eines 2,99-Euro-Buches auf die Stufen am Marktplatz setzte, fingen zwei Straßenmusiker an zu spielen. Der eine mit Klarinette, der andere mit Gitarre. Nichts künstlerisch Wertvolles, wer jetzt sonstewas erwartet, aber vollkommen ausreichend.

Von oben konnte ich die Situation schön betrachten. Es war reges Getümmel auf dem Platz. Einzelne Menschen, Familien mit Kindern, Familien (Paare) ohne Kinder, Kinder pur, Freunde, Arbeiter. Menschen. Die Musik gefiel mir. Swingige Dudelmusik. Nun aber lautete der Titel meines neu gekauften Buches „I Did It My Way“. Und was spielen die zwei betagten und begabten Herren? „My Way“ von „Old Blue Eyes“ Franky Sinatra. Ein Klassiker, den jeder Straßenmusiker drauf hat. Ist so. Und das Buch habe ich gewählt, weil es die wahre Geschichte eines Mannes im New York der fünfziger Jahre erzählt. Sowas mag ich.

In meinen Augen ist das alles sicherlich ein netter Zufall, aber ohne weitere Bedeutung. Außer der, dass der Zufall so erstaunlich sein kann, dass es nicht verwundert, wenn „leichtgläubige“ Menschen dann an „mehr“ denken. Wobei es keine Herabwürigung bedeuten soll, wenn ich von „leichtgläubig“ spreche. Denn Assoziationsfähigkeit, Fantasie, ein Bedürfnis nach Geborgenheit und Egoismus sitzen in jedem von uns. Egoismus deshalb, weil der Glaube an Bestimmung oder Schicksal, eingeleitet oder ausgeführt von so vielen unabhängigen Faktoren, voraussetzt, dass man sich selbst als Ziel dessen versteht. Alle Personen würden also letztlich dem Plan folgen, der nur im Kopf eines Einzelnen zum Erfolg führt. Ein Ziel gibt es dabei aber nicht. Es ist das zwangsläufige Zusammentreffen eines Repertoirs an Erfahrungen, Handlungen, Wissen und Menschen, die, im selben Kulturkreis, sehr ähnliche Repertoires besitzen. Warum Geborgenheit? Weil Geborgenheit sich schon dadurch ergibt, dass man weiß, dass jemand an einen denkt. Der Gedanke, eine übermenschliche Kraft hätte diesen Moment, diese Gedanken geschaffen, um quasi „hey du da“ zu sagen, lässt im simplen Mensch schon so etwas wie Geborgenheit aufkommen. Kommt rüber, was ich sagen will?

Die Musiker spielten noch ein bisschen. Die Menschen gingen an ihnen vorüber. Manche lauschten kurz, andere unterhielten sich (direkt oder mit Handy), einige hörten nichts von der Musik, sondern lieber Billy Talent. Wenige blieben stehen oder sitzen. Dann setzte der Regen ein und hörte nach einer Minute auch schon wieder auf. Aber den zwei Musikern war das Zeichen genug, die Koffer zu packen. Mir dann auch. Ist das Leben nicht wundervoll!? Ja!