mal sehen


Paulis Paket

Es war Sommer und Pauli schaute aus dem Fenster. Er blickte über den Hinterhof und sah die Mülltonnen, die abgestellten Fahrräder, die Gardinen in den Fenstern und den Postboten mit einem großen Paket unter dem Arm. Pauli rannte zur Wohnungstür und hinunter zum Hauseingang, wobei er beinahe über Konrads Fahrrad stolperte. Er nahm dem Postboten das Paket ab und brachte es in seine Wohnung. Das Paket stellte er auf den Boden des Wohnzimmers. Es war gut vierzig mal vierzig mal vierzig Zentimeter groß und mit braunem Klebeband verschlossen.

Pauli ging in die Küche und holte ein großes Messer aus der Schublade. Mit dem Messer in der Hand ging er zurück ins Wohnzimmer. Das Paket war nicht mehr da. Pauli suchte im Wohnzimmer, im Bad, im Schlafzimmer und im Klo. Die Wohnungstür war fest verschlossen. Das Paket war weg. Also brachte er das Messer zurück in die Küche. Da er Hunger hatte, machte er sich ein leckeres Toastbrot mit Käse und Wurst. Er spülte seinen Teller ab und ging zurück ins Wohnzimmer.

Dort stand ein großes Paket auf dem Boden. Pauli musterte es von allen Seiten. Es war das gleiche Paket, das er vor wenigen Minuten noch vermisst hatte. Um es dieses Mal nicht wieder suchen zu müssen, nahm er das Paket und brachte es in die Küche, wo er aus der Schublade ein großes Messer holte. Mit dem Messer schnitt Pauli das Klebeband durch. Oben, rechts, unten und links. Dann war Pauli müde und er ging ins Bett.

Am nächsten Morgen wurde Pauli von der Türklingel geweckt. Er rannte hinunter zum Hauseingang, wobei er beinahe über Konrads Fahrrad stolperte. Vor der Tür stand der Postbote mit einem großen Paket unter dem Arm. Pauli nahm das Paket entgegen und brachte es hinauf in seine Wohnung. Er stellte das Paket auf den Boden des Wohnzimmers. Ihm fiel ein, dass er noch gar nicht geschaut hatte, was sich in dem anderen Paket befand.

Pauli ging in die Küche und öffnete das Paket, das er am Vorabend dort hatte stehen lassen. In dem Paket waren ein kleiner Anhänger und ein Brief. Der Anhänger hatte die Form eines Sterns und war wohl aus Gold. Pauli steckte den Anhänger in seine Hosentasche. Dann öffnete er den Brief und laß ihn laut vor:

Lieber Pauli, du musst schnell aus Deutschland flüchten. Die Nazis kommen und werden dich töten, weil du anders bist. Da Pauli Hunger hatte, ging er in die Küche und machte sich eine leckeres Toastbrot mit Käse und Thunfisch. Durch das Essen wurde er müde und so legte sich Pauli in sein Bett.

Ein paar Stunden später stand er wieder auf. Er ging ins Wohnzimmer und sah ein großes Paket auf dem Boden stehen. Er dachte kurz nach, dann ging er in die Küche, um ein großes Messer zu holen. Als Pauli zurück ins Wohnzimmer kam, war das Paket verschwunden. Da ihm all das bereits passiert war, blieb Pauli einfach stehen, bis das Paket wieder auftauchte. Er öffnete es und fand darin einen kleinen goldenen Anhänger in Form eines Vogels und einen Brief.

Pauli öffnete den Brief und laß ihn laut vor: Lieber Pauli, du musst schnell aus Deutschland flüchten. Die Nazis werden kommen und dich töten, weil du anders bist. Da rannte Pauli schnell hinunter zum Eingang, stolperte über Konrads Fahrrad und landete gesichtvoraus auf dem Boden. Er riss sich wieder auf die Beine, rannte zur Tür hinaus auf den Hinterhof und verließ das Land für immer. Pauli wurde trotz seiner Behinderung 53 Jahre alt und überlebte den Krieg.

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Mal 7 Ehen
November 18, 2009, 5:49 pm
Filed under: Mal sehen | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Die Domain dieser Seite lautet „mal7ehen.wordpress.com“. Also ich hatte eigentlich den Titel meines Blogs „mal sehen“ als Domain gedacht, aber natürlich war diese Domain schon vergeben. Deshalb entschied ich mich für die „7“ statt des „s“. Sieben beginnt mit einem Ess und ich dachte, das wäre besser, als einen ganz anderen Titel zu wählen. Naja.

Und jetzt erst ist mir aufgefallen, dass die Domain ja „mal 7 Ehen“ gesprochen wird. Ich war aber weder sieben Mal verheiratet, noch kenne ich so viele Ehepaare persönlich! In meinem Bekanntenkreis gibt es zwar unheimlich viele Paare mit Kindern, aber ans Heiraten denken die wenigsten. Zumindest noch nicht. Ich zweifle aber nicht daran, dass in den meisten der konservative Wunsch nach einer klassischen Hochzeit lauert.

Übrigens fand ich Frau Paulis Vorschlag von der zeitlich begrenzten Ehe sehr gut und realistisch. Dadurch würde viel Zeit und Geld für Anwälte und Gerichte gespart. Ein geringer bürokratischer Aufwand zur Aufrechterhaltung der Ehe, durch eine enfache Einverständniserklärung würde ja vollkommen genügen. Die weiteren Zeitabschnitte vor erneuter Verlängerung könnten dann individuell angepasst werden. Außerdem lernt man sich oft erst in der engen Verbindung einer Ehe richtig kennen und stellt dann womöglich fest, dass der rosa Schein trügerisch war. Nun ja, die Debatte ist wohl dank den Herren der CSU auf lange Zeit aus der Welt. Schade Frau Pauli.

Also mein Blog hat nichts mit 7 Ehen zu tun. Die Sieben soll einfach nur das Ess ersetzen.