mal sehen


Lindbergh überquert den Atlantik!

Rüdiger stand am Ende des Billardtisches und beobachtete die fremde Brünette am Kamin.

„Nun meine Dame, wollen sie mir denn nicht endlich ihren Namen nennen?“

Sie lächelte leicht.

„Nein mein Herr, ich habe mich ihnen bereits vorgestellt!“

Rüdiger wurde unruhiger. Er nahm eine Kugel vom Tisch und ballte eine Faust um sie. Er konnte sich nicht im Geringsten an die geheimnisvolle Frau erinnern, die da vor ihm stand. Seit Anbeginn des Abends verfolgte sie ihn auf Schritt und Tritt durch das Haus der Sternbergs. Egal ob in der großzügigen Lounge oder auf dem Weg zu einem der goldblau-gekachelten Bäder, mit wem er sich unterhielt oder einfach nur in der Menge der Gäste unterging, wann immer er den Kopf drehte, sah er sie in seinem Augenwinkel.

Da öffnete sich die Tür des Salons und Sven betrat schwungvoll die angespannte Szenerie. Er schloß die Tür mit einer adretten Drehung, blinzelte den beiden Anwesenden kurz zu, tänzelte leichtfüßig zum Kamin und blieb hinter der Dame stehen. Seine Hände umfassten ihre Hüften, die in ein rotes Abendkleid geschwungen waren und sein Mund küsste ihren Nacken.

„Rüdiger! So sieht man sich wieder. Gerade noch an der Bar und nun bei einer Partie Billard!“

„Ja richtig, so ist das wohl. Sven, entschuldigen sie, aber würden sie mir ihre freundliche Partnerin bitte vorstellen?“

„Nein Rüdiger! Warum sollte ich das tun?“

Die Dame gab ihm einen Kuss auf den Mund. Dann begab sie sich zum Billardtisch. Rüdiger trat einen Schritt zurück, wobei ihm leicht schwarz vor den Augen wurde. Er taumelte. Seine Hand ergriff die Lehne eines Sessels und er ließ sich fallen. Das alles war ein wenig zu viel für ihn. Noch vor drei Tagen hätte er nicht annähernd an seinem Verstand gezweifelt. Jetzt war er sich dabei aber gar nicht mehr so sicher. Die Ereignisse der letzten Tage vermochten ihn daran zu zweifeln.

„Sven, bitte! Was für ein Spiel wird hier gespielt?“

„Ach Rüdiger“, mischte sich die elegante Dame ein, „seit wann spielen wir den ein Spiel?“

„Dann bitte sagen sie mir doch endlich, woher wir uns kennen sollten! Ich versichere ihnen, sie noch nie zuvor gesehen zu haben.“

„Dämmert es ihnen den gar nicht, Rüdiger?“.

Sven sah ihn beinahe besorgt an. Mit einer weiteren Drehung und einem langsamen Ausfallschritt gleitete er zum Kamin. Dort ließ er seine Finger auf die schwere Marmorplatte trommeln. Und mit einem weiteren Tanz flog er weiter zu Rüdiger. Vor dem Sessel ging er in die Knie und fasste Rüdigers Arm.

„Erinnern sie sich denn wirklich an nichts? Rüdiger, sind sie den verrückt?“

„Nein, nein! Ich bin sehr wohl bei klarem Verstand! Aber selbst wenn, so sollten sie nun endlich ihre Geheimniskrämerei unterlassen!“

Es war am Mittwoch, da hatte Rüdiger zum ersten Mal den Zweifel, dass jemand ein Spiel mit ihm treibt. Der Morgen war bereits ganz gewöhnlich gewesen. Im Büro gab es keine Zwischenfälle und auf dem Weg zum Mittagessen im Jungen Bär begegneten ihm die üblichen Männer, die, wie er, um ein Uhr zu Mittag aßen. Erst beim Zahlen der Rechnung geschah etwas ungewöhnliches.

Der Kellner überbrachte das Tablett mit der Rechnung. Als Rüdiger den üblichen Betrag aus der Tasche holte, um das Essen zu bezahlen, stellte der Kellner jedoch fest, dass es zu viel Geld war. Zu zahlen war nur der Kaffee. Rüdiger nahm die Rechnung und tatsächlich war nur eine Tasse Kaffee aufgelistet. Keine Suppe, kein Mittagessen. Als er den Kellner auf die vergessenen Posten ansprach, antwortete dieser nur, dass der Gast des Herren bereits den Rest bezahlt hatte. Mit diesen Worten verschwand der Kellner und Rüdiger blieb verwundert zurück.

„Nun Rüdiger, warum erzählst du uns denn nicht, wer du wirklich bist?“.

Sven drückte Rüdigers Arm etwas fester.

„Wieso wer ich wirklich bin!? Ich verstehe nicht.“

„Siehst du nicht, dass der arme Rüdiger Angst hat?“

Die Dame lächelte süffisant und zwinkerte Sven schälmisch zu. Rüdiger hatte wirklich Angst. Seine Gedanken drehten sich im Kreise. Er war nicht mehr Herr seines Kopfes.

„Ich bin Rüdiger Meinert. Ich lebe in dieser Stadt seit 28 Jahren. Und ich kenne sie, Sven, seit ungefähr einem Jahr, aber ich habe keine Ahnung, wer die Dame ist, die mir den ganzen Abend nachstellt! Dabei kenne ich jedes Gesicht, mit dem ich jemals Kontakt hatte.“

„Pah! Ich denke nicht, dass ich dies als Kompliment verstehen kann.“

Die Dame wurde lauter. Rüdiger wollte aufstehen, aber Sven, der immernoch seine Hand auf seinem Arm hatte, drückte ihn zurück in den Sessel.

„Ich denke nicht, dass du in der richtigen Verfassung bist, um zu gehen. Außerdem sollten wir doch noch klären, was du am Donnerstag in der Straßenbahn andeutetest.“

„Am Donnerstag in der Straßenbahn? Ja, ich war an diesem Tag, wie an jedem Tag, in der Straßenbahn. Aber ich war wie immer alleine unterwegs und hatte keinerlei Begleitung! Ich habe nichts angedeutet! Keiner von euch war dort!“

Plötzlich fiel Rüdiger der zweite Vorfall ein, der ihn in dieser Woche stutzig werden ließ. Er bestieg die Straßenbahn und nahm einen freien Platz am Ende der Seitensitzreihe. Wie gewöhnlich laß er die Tageszeitung, um sich über die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu informieren. Ein gewisser Charles Lindbergh war in New York gestartet, um als erster Mensch das Wagnis einer Atlantiküberquerung mit dem Flugzeug zu meistern. Rüdiger laß den Artikel sehr interessiert. Die Technik der Luftfahrt war fantastisch. Als er die Zeichnung mit der voraussichtlichen Flugroute Lindberghs betrachtete, wurde er von einer älteren Frau angesprochen.

„Darf ich neben ihnen Platz nehmen?“

„Natürlich, bitte nehmen sie doch Platz.“

„Vielen Dank. Ich dachte nur, falls ihre Frau das sieht. Nicht, dass ich in meinem Alter noch als Konkurrenz erscheinen werde.“

Für Rüdiger war diese Bemerkung nicht sehr außergewöhnlich, da ein Mann in seinem Alter normalerweise schon verheiratet war und Kinder hatte. Die meisten Fremden konnten nicht wissen, dass er bisher noch nicht das Glück hatte, eine Frau kennen zu lernen, die bei ihm bleiben wollte.

„Machen sie sich keine Sorgen, ich habe keine Frau.“

„Oh! Dann meine ich wohl ihre Verlobte. Eine hübsche Frau.“

„Wer ist eine hübsche Frau?“

„Ihre… Die Frau, die hier saß. Sie haben sich geküsst, also bin ich davon ausgegangen, dass sie ihre Ehefrau sein muss. Oder ihre Verlobte.“

„Ich habe die ganze Zeit diesen Artikel gelesen. Da war niemand. Entschuldigung, aber sie müssen irren.“

In diesem Moment hielt die Straßenbahn und Rüdiger musste aussteigen. Er verabschiedete sich von der älteren Dame, die verwundert den Kopf schüttelte und nicht antwortete. Für ihn war das Gespräch ebenso verwunderlich, aber er schob das Missverständnis auf das Alter der Dame und machte sich keine weiteren Gedanken darüber.

„Sven, ich bitte sie, beantworten sie mir die Frage, worauf wollen sie hinaus?“

„Worauf ich hinaus will, ist doch offensichtlich. Ich will wissen, wer sie wirklich sind. Womit wir es hier zu tun haben. Warum sie sich so seltsam verhalten. Warum sie sich nicht mehr erinnern können.“

„Aber ich kann es wirklich nicht! Und ich stelle mir die gleichen Fragen, bezüglich ihnen beiden!“

Die Dame trat neben Sven. Sie blickten sich kurz in die Augen und nickten einander zu. Svens Griff wurde lockerer. Rüdiger glaubte sich, diese Szene bereits in ähnlicher Form erlebt zu haben. Dann müsste er sich aber eingestehen, sie tatsächlich schon einmal gesehen zu haben. Er konnte nicht irren. Und wenn doch? Plötzlich kam ihm ein Gedankenblitz. Es sah Sven und die Dame. Sie hatte ein Messer in der Hand. Sven drückte ihn auf den Boden. Silvia war ihr Name! Rüdiger vermochte seinem eigenen Hirn nicht mehr zu trauen. War das ihr Name?

„Silvia?“

„Er kann sich erinnern!“

Noch bevor Silvia den Satz beendet hatte, packte Sven auch Rüdigers zweiten Arm. Er sprang ihm mit dem Knie auf den Brustkorb, so dass Rüdiger die Luft weg blieb. Silvia zog ein Messer aus ihrer Handtasche und rammte es dem Überwältigten in den Bauch. Dieser vernahm einen brennenden Schmerz, der sich von der Bauchdecke bis ins Rückenmark zog. Silvia zog das Messer nach oben zum Brustkorb. Rüdiger wurde schlagartig schwach und sackte auf dem Sessel zusammen. Der Schmerz schien unendlich weit weg zu sein.

Er beobachtete, wie Sven seine Hand in die offene Wunde steckte. Ihre Blicke trafen sich. Rüdiger konnte eine Träne in seinem Auge sehen. Dann zog Sven einen silbernen Quader aus der blutenden Wunde. Genau diesen Gegenstand hatte Silvia bei ihrer ersten Begegnung vor einem Jahr in der Hand. Als sie und Sven den Probanten auf den Boden seines Wohnzimmers dürckten, um ihm den Quader einzupflanzen.

„Es tut uns Leid, Rüdiger. Es tut uns Leid.“

„Sag Sternberg, er soll diesen Bereich des Hauses für die Party sperren. Der Reinigungstrupp wird in drei Stunden alles wieder entfernt haben.“

„Ich mochte Rüdiger. Zu Beginn schien er so vielversprechend. Er war so charmant und großzügig.“

„Silvia, das ist ein Job und keine Vergnügungsgesellschaft.“

„Habe ich Tränen in den Augen oder du?“

Rüdigers Sinne wurden schwächer bis er nur noch Dunkelheit und Stille warnahm.

„Um ein Haar hatte ich geglaubt, dass es endlich funktioniert.“

Advertisements


Stück für Stück für Stück
Mai 21, 2012, 12:25 am
Filed under: Gedichte, Mal sehen | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Wenn ein Gedanke dich verzehrt,
wenn nur ein Bild den Blick verwährt,
wenn jedes Wort ein Ziel nur kennt
und dieses Ziel die Zukunft hemmt.

Dann mach dich endlich auf den Weg,
lass hinter dir, wo Zukunft fehlt,
nimm nicht mehr mit, was sich bewegt,
was sich mit deinem Geist vermählt.

Denn wenn du kennst, was in dir schwelt,
was dich verbrennt, von innen quält,
der sinnlos langsame Gedanke,
der Blick zurück ins schon Bekannte.

All das, was als Sorge bleibt,
gehört nicht dir, gehört befreit,
ist eben nicht der Zukunft wert
und keine Straße, die man teert.

Schau mit den Augen, rede viel,
genieß die Schönheit, nicht das Ziel,
dann kommt das Leben schnell zurück,
die Liebe Stück für Stück für Stück.



Mein Schwesterchen

Am Wochenende war ich mal wieder in einer alten Heimatstadt unterwegs. Ich traf mich mit guten alten Freunden in einer Kneipe und wir plauderten, tranken, kickerten und kicherten über die good old days. Nachdem wir all das getan hatten, entschieden wir uns, die nächste Location aufzusuchen, um gegen das verfassungswidrige Tanzverbot am Karfreitag zu verstoßen.

Ich huschte mehrmals über die Tanzfläche, wollte bei der seltsamen Musik aber nicht so richtig in Fahrt kommen. Während ich das Treiben also am Rande beobachtete, kam plötzlich eine gutaussehende Frau zu mir, umarmte mich und sagte: „Ich bin ein Fan von dir!“. Ich schaute sie verblüfft an, denn ich konnte sie einfach nicht einordnen. „Ich finde dich super, weil du immer so bist, wie du bist!“. Nach diesem Satz war ich echt erstaunt, zumal sie meinen Namen kannte, den ich hier natürlich ausspare.

„Ich fühle mich echt geschmeichelt und stell mich mal schnell da rüber ins Eck zum rot werden.“, war meine Antwort. Ich bin im Umgang mit Komplimenten sehr schlecht und ich wusste immer noch nicht, wie ich sie und ihre Worte einordnen sollte. Da kam eine Bekannte zu uns, die sich als gemeinsame Freundin entpuppte und erinnerte mich an die Geschichte, wie wir drei uns kennen lernten:

Ich war mal wieder on tour und meine Bewegungslust trieb mich in jene Absturzkneipe mit der unübersichtlichen Auffahrt, von der ich schon einmal berichtet habe. Aus den Lautsprechern schallte Reaggea-Musik und die freien Räume zwischen Theke, Toilette und Ausgang waren gefüllt mit tanzenden Party-People. Die meisten auf der Droge Alkohol, aber ein paar Mischkonsumenten waren auch dabei, denn die Augen gingen von ganz groß bis ganz klein. Natürlich fand ich mich sofort mitten auf dem Dancefloor und kreiste meine Hüften zu den kräftigen Rhythmen. Let it flow, swing it low!

Irgendwann muss auch ein Kamel zur Tränke und so kam auch ich denn an die Theke. Neben mir standen zwei Mädels und lächelten mich an. Da ich ja nichts Besseres zu tun hatte, startete ich das Gespräch. Kurze Zeit später drängelte sich so ein Zwei-Meter-Hüne an uns vorbei. Er gab mir kurz die Hand, da ich ihm schon mehrmals begegnet bin – diese Partytiere teilten sich schon einige Nächte den gleichen Tanzkäfig – und wendete sich dann zugleich den beiden Mädels zu.

Mir fiel auf, dass sein Selbstbewusstsein nicht seiner Körpergröße entsprach, denn seine Anmachsprüche waren erste Scheiße. So Zeug, was man Dorfischen zum Fasching auftischen kann, damit sie im Suff das Gefühl haben, begehrt zu sein. Ich war bedient und ging zurück auf den Dancefloor. Johnny T wäre stolz auf mich gewesen. So nach und nach wurde die Kneipe leerer, die Schatten auf der Tanzfläche kleiner und als mich das Licht direkt anstrahlte, entschied ich mich für ein weiteres Getränk.

An der Theke standen noch immer die beiden Mädels und der Riesentyp, dessen Anmache nun bereits handgreiflich wurde. Er begrabschte eine der beiden mit seinen großen Händen, schob seinen Oberschenkel gegen ihren Po und seine Hüfte gegen ihren Rücken. Sie war sichtlich bedrängt und ihr Gesichtsausdruck war alles andere als erfreut. Dennoch schien sie nicht den richtigen Dreh zu finden, um sich aus der misslichen Lage zu befreien.

Also ging ich zu ihr und sagte, „Hey Schwesterchen, alles ok?“. Nach diesem einleitenden Satz drehte ich mich zu dem Schrank und meinte, „Du Kollege, wie ich seh, gefällt dir meine Schwester. Ich hab sie heute mal mitgenommen, aber ich musste unserer Mom versprechen, dass ich auf sie aufpasse. Also du kannst ihr gerne sagen, dass sie dir gefällt, aber Fummeln geht nicht!“. Der Typ schaute mich mit großen Augen an und versprach mir, sich zurück zu nehmen, wobei er seine Hand wieder auf ihre Hüften legte. Ich packte die Hand, die so groß war wie mein Kopf und mich mit einem Schlag zu Bob Marley hätte schicken können. „Hey Kollege, ich mein’s ernst! Can’t touch this!“. Wenn man schon damit angefangen hat, muss man es eben auch zu Ende bringen. In der Zwischenzeit kam mein Getränk und ich war zufrieden. Da der Hüne auf mich hörte, drehte ich mich wieder um und widmete mich den restlichen Klängen der Musik.

Aber kaum drehte ich mich wieder – im Schwung einer Drehung – zur Theke, konnte ich sehen, wie der Riese wieder Hand anlegte. Ich ging zurück, quetschte meinen kleinen Körper zwischen die Hohlräume, die er noch frei lies, bevor er sie ganz besprungen hätte, schaute sie an und sagte, „Komm Schwesterchen, lass uns gehen.“. Sie war natürlich sofort dabei. Ihre Freundin ebenso. Und zum Glück war sie mit dem Auto da und konnte tatsächlich auch noch fahren.

Leider ließ sie mich nur einen halben Kilometer später wieder raus. Vermutlich war jegliche männliche Anwesenheit zu viel für sie an diesem Abend. Ich vernahm noch ein kurzes Dankeschön und dann nur noch die Musik aus meinem MP3-Spieler, die mich auf meinem anderthalbstündigen Heimweg begleitete.

Nachdem mir die Geschichte also wieder einfiel, konnte ich das Mädel wieder einordnen. Warum sie mich so toll fand, wurde mir dann auch klar. Und wie als hätte sie noch ein schlechtes Gewissen, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und sagte nochmals, dass sie ein Fan von mir sei. Manchmal reicht das schon aus und so bedankte ich mich nur und ging den Abend alleine zu Ende genießen.

Das schöne ist, dass mir in letzter Zeit wieder öfter solche Begegnungen passieren. Erst vor einer Woche wurde ich von einer Frau umarmt und links und rechts abgeknutscht, die anscheinend nur wegen mir die Kraft fand, in einer fremden Stadt Fuß zu fassen. Eine Ex, die sich aus dem fernen Italien meldete, und mir Hilfe bei der Trauerbewältigung anbot. Eine andere Frau, die sich ebenso plötzlich nach Jahren wieder meldete und mich zu ihr einlud. Und noch eine Frau, die mir Dankte, weil ich ihr geholfen hatte. Eine gute alte Freundin, die sich entschuldigte, weil sie mich mal blöd in der Öffentlichkeit gedisst hatte – schon längst vergessen.

Es ist schön, wenn man weiß, dass man alles in allem positiv in den Köpfen anderer Menschen hängen bleibt und dass man zu denen gehört, denen man ohne Scham Danke oder Entschuldigung sagen kann. Ich bin Bushidos Plattenlabel!



MeMyselfAndEye im Interview

Heute Morgen gab ich ein Interview für Kessi Kolumna, der Tochter der berühmten Elefantenflüsterin. Sie war sehr freundlich, intelligent und hübsch noch dazu. Nachdem wir über mich und meine Person und Motivation geredet hatten, gab sie mir die Chance, ihr ein paar Fragen zu meinem letzten Artikel zu stellen.

Kessi K.: Reden wir doch gerne mal über deinen letzten Artikel. Ich finde es voll krass wie du immer wieder im Kreis denkst beim Schreiben. Und natürlich würde mich noch interessieren, ob die Geschichte denn fiktiv oder real ist.

MeMyselfAndEye: Wie meinst du das, im Kreis?

Kessi K.: Naja, es ist irgendwie ziemlich sprunghaft, ziemlich gedankenecht würde ich sagen.

MeMyselfAndEye: Ok. Konntest du dem Text folgen? Also ich kann, aber ich hab’s ja auch geschrieben/gedacht. Ich weiß nur nicht, wie andere das lesen…

Kessi K.: Naja, dem Text… „dem Text“… Also ich muss sagen, dass mir Gedankensprünge nicht viel ausmachen, aber ich glaube generell lässt man sich davon leicht irritieren.

MeMyselfAndEye: Ok… Hmmm. Dabei folgt alles einem Gedanken – habe ich gedacht.

Kessi K.: Ja schon, nur wir verarbeiten Informationen beim Lesen anders als wir sie beim Denken produzieren.

MeMyselfAndEye: Schon. Gibt es „Momente“ in denen du Emotionen spürst? Also im Text?

Kessi K.: Hauptsächlich da wo du rhethorische Fragen stellst und viele Adjektive benutzt, würde ich sagen. Und wo die Sätze länger werden.

MeMyselfAndEye: Hoppla! Ein Frage noch bitte: was findest du voll scheiße daran? Es tut mir leid, wenn ich das Interview an dieser Stelle umdrehe, aber ich brauche mal Kritik, sonst weiß ich nie, was gut ist und was schlecht.

Kessi K.: Voll scheiße find ich nichts, weil es halt nur ein anderer Schreibstil, dein Schreibstil ist, aber ich find es ist ein bisschen abgehackt am Anfang, so plötzlich. Aber ich habe des Gefühl, dass es Absicht ist – es macht einen auch gleich aufmerksamer beim lesen, aber es fällt eben schwerer in den Text reinzukommen.

MeMyselfAndEye: Ok! Das gefällt mir! Jetzt also ob die Geschichte real ist oder nicht?

Kessi K.: Ja?

MeMyselfAndEye: Ich hatte schon mal eine Trennung, die so begründet war. Aber eigentlich will ich damit sagen, dass der Grund für eine Trennung eben einfach nur der ist, dass das Herz nicht mehr lodert. Dass das aber auch die einzige faire und echte Begründung ist und dass man diese akzeptieren muss.

Kessi K.: Da gebe ich dir recht.

MeMyselfAndEye: Danke.

Kessi K.: Aber ich finde andererseits ist es halt oft die Begründung, die am schwersten zu verstehen ist, weil man es nicht irgendwie erklären oder nachvollziehen kann.

MeMyselfAndEye: Da gebe ich dir wiederum recht! Diesen Gedankengang habe ich ebenfalls versucht, mit in den Text zu bringen. Auch die Wut, die so eine Begründung dann erzeugt und die Hilflosigkeit, wenn selbst die Vernunft nicht mehr greift, weil sie nicht der Wahrheit entspricht. Setzt sich das Bild so ein bisschen besser zusammen?

Kessi K.: Gefühle verstehen zu wollen ist halt der Widerspruch schlechthin.

MeMyselfAndEye: Ja, schon. Deshalb akzeptiere ich einfach das Gefühl an sich und spreche ihm unantastbare Wahrheit zu. Sozusagen. So wie mit der Geschmackssache auch.

Kessi K.: Alles andere würde einen dann glaube ich auch nicht weiterbringen.

MeMyselfAndEye: Ja, es kann einen sogar verrückt machen.

Nachdem ich für mehrere Sekunden gedankenversunken aus dem Fenster geblickt hatte, bedankte sich Kessi Kolumna für das Interview und verabschiedete sich zu ihrem nächsten Termin. Ich bedankte mich ebenfalls und ging nach draußen an die frische Luft.