mal sehen


Mal 6 Zehen

Vor etwas mehr als zehn Jahren war ich mit einem Freund im Urlaub in Frankreich. Wir schlossen schnell Kontakte zu gleichaltrigen Leuten und so lernte ich einen jungen französischen Mann kennen, der an seinem rechten Fuß sechs Zehen hatte. Zwischen dem kleinen Zeh und dem „Ringfinger“-Zeh stand noch ein Zeh hervor.

Abends, wenn wir Frauen kennen lernen wollten, saß er bei uns. Er war groß, dunkelhaarig, hatte braune Augen und war seinem Naturell entsprechend sehr charmant. Die Frauen unterhielten sich sehr gerne mit ihm und liesen sich von seiner freundlichen Art fesseln. Nachdem er so spielend leicht ihre Sympathie gewonnen hatte, zog er seine Schuhe aus. Dann die Socken. Während er das tat, redete er von einer Überraschung, von einem lustigen Ding, und strahlte über beide Wangen, wie ein kleines Kind. Die Frauen waren natürlich sehr gespannt und verfolgten seine ungewöhnliche Tat mit regem Interesse.

Aber als sie sahen, dass er am rechten Fuß sechs Zehen hatte, verflog ihre positive Neugier. Naiv präsentierte er ihnen seine Abnormalität. Und so nach und nach distanzierten sich die Frauen. Sie hatten ersichtlich große Mühe, ihren Ekel nicht zur Schau zu stellen, doch es gelang ihnen nicht. Selbst als er die Schuhe wieder an hatte, wollte sich keine Frau mehr auf ihn einlassen. Ich wunderte mich damals, wie er sich so naiv seine Chancen verbauen konnte.

Am späteren Abend redeten wir über seine sichtlich misslungene Aktion. Ich wollte ihm den Rat geben, seinen sechsten Zeh so lange geheim zu halten, bis es darum ging, nicht mit Socken zu einer Frau ins Bett zu steigen. Er schaute mich an, wie als hätte ich ihn beleidigt. Aber er war clever genug, um zu wissen, dass ich es nicht böse gemeint hatte. Da sagte er zu mir, dass sein sechster Zeh seine Insurance, seine Versicherung ist. Der sechste Zeh bewahre ihn davor, die falsche Frau kennen zu lernen.

Mal ehrlich, es ist ja nur ein kleiner Zeh zu viel. Aber leider reicht das oft aus. Heute bin ich mir sicher, dass er die Richtige getroffen hat.

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Die Maus
November 18, 2009, 10:20 am
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„Ich irrte gerade hilflos durch den Baumarkt, da kam ein großer breiter Kerl auf mich zu und fragte: ‚Was geht denn mit Ihnen?‘. Völlig verdutzt erwiderte ich: ‚Wie, was? Was soll denn bitteschön mit mir gehen!?‘. ‚Na schauen Sie mal neben sich‘, antwortete der Mann mit einem Fingerzeig auf mein rechtes Bein.

Tatsächlich erblickte ich neben mir eine kleine weiße Maus. Den ganzen Tag ratterte sie neben mir her. Ich habe alles mir human erscheinende versucht, um mein neues ungewolltes Anhängsel los zu werden: Ich ging eine Treppe hinauf, aber irgendwann musste ich diese ja auch wieder runter. Und die Maus wartete schon an der untersten Stufe auch mich. Ich überquerte barfuß einen eiskalten Bach, aber als ich frierend über die Brücke zurück schlotterte, war die Maus auch schon wieder da.

Abends dann erfassten mich Hilflosigkeit und Verzweiflung. Dieses ach so kleine Geschöpf schien mir haushoch überlegen zu sein! Also schrie ich das kleine weiße Wattestäbchen auf vier winzigen Beinchen an: ‚Was ist denn mit dir los? Hast du nichts besseres zu tun, als den ganzen lieben Tag neben mir her zu springen? Keine Frau? Kinder? Was willst du denn von mir?‘. Die Maus krabbelte auf meinen Schuh, schiss einen schwarzen Streusel und verschwand – für immer.“

…tja, shit happens!